Dritter Frühling für den "Dritten Mann"

11. März 2010 19:49

Über die 60-Jahr-Feier der Wien-Premiere des Klassikers im British Bookshop

Wien - Ihren ersten Kinobesuch vermieste ihr ein Nachrichten-Vorspann, der im Jahre 1941 naturgemäß nur Bilder von Krieg und Zerstörung zeigte: Als ihr Vater gemeinsam mit Regisseur Carol Reed an der Entstehung von "Der Dritte Mann" arbeitete, habe sie deshalb Kino gehasst, erzählt Caroline Bourget, Tochter von Graham Greene, bei ihrem Wien-Besuch.

Auch später war ihr Verhältnis zu dem Film, dessen Romanvorlage ihr Vater geschaffen hatte, getrübt: "Meine Mitschüler pflegten mich aufzuziehen, indem sie das Harry-Lime-Theme summten, sobald ich die Klasse betrat."

Am Mittwoch vor sechzig Jahren hatte der Filmklassiker, der die düstere Atmosphäre des ausgebombten Nachkriegs-Wien ungeschminkt eingefangen hatte, Österreichpremiere. Aus diesem Anlass bat die Historikerin Brigitte Timmermann in den British Bookshop zu einem "Evening with the Third Man, Graham Greene and the Zither", mit Caroline Bourget als Ehrengast.

Geboten wurden Anekdoten für anglophile Nostalgiker: Von den Dreharbeiten im Jahr 1948 erzählte Angela Allen, eine der Regieassistentinnen: "Reed war unermüdlich und arbeitete praktisch 24 Stunden am Tag. Er war immer darauf bedacht, Graham Greenes Sicht der Dinge zu berücksichtigen - nur bei der Schlussszene des Films setzte er sich gegen das Happy-End des Autors durch."

Ausgiebig gewürdigt wurde an dem Abend auch die Filmmusik von Anton Karas. Carol Reed war regelrecht besessen von dessen Zitherspiel. Der Heurigenmusiker hielt die Filmleute eigentlich für verrückt; und nur die Überredungskunst des Regisseurs hielt ihn bei der Stange. Die Leitmelodie des Films, das Harry-Lime-Theme, verkaufte sich schließlich 55 Millionen Mal und erreichte Platz eins in der US-Hitparade. Ein Erfolg, den Karas nur mit Falco teilen muss. Caroline Bourget wirkt trotz ausgiebiger Wiederholung des Motivs entspannt: "Mittlerweile liebe ich den Film." (Stefan Mayer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.3.2010)

 

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