Schönbergs "Moses und Aron" an der Staatsoper
Wien - Nicht nur in der Bibel gibt es Zeichen und Wunder: Wer wollte, konnte dieser Tage in der Staatsoper - ganz im Gegensatz zum ansonsten dort herrschenden, eher traditionsbewussten Betrieb - an zwei aufeinanderfolgenden Tagen moderne Werke hören. Ohne ständige Möglichkeit zur Auseinandersetzung kann auch die Beschäftigung mit der Moderne keine Tradition entwickeln.
So aber ließ sich erfahren, was Aribert Reimanns Medea aus dem Jahr 2010 mit Arnold Schönbergs Moses und Aron aus den 1930ern verbindet. Beides sind derart hochexpressive Werke mit derselben vokalen und orchestralen Intensität, dass es eigentlich unverständlich ist, wie selten solche Musik in diesem Rahmen gespielt wird. Und während manche im Publikum Medea am Dienstag "hochinteressant", "stark" oder einfach nur "toll" fanden, erntete Moses und Aron bei der Wiederaufnahme am Mittwoch anhaltenden Beifall.
Dass Schönbergs Opernfragment vollkommen aus einem Guss ertönte, war vor allem Dirigent Lothar Zagrosek zu verdanken. Kompetenter, präziser lässt sich diese Musik kaum realisieren. Auch wenn ihm das merklich gut studierte Orchester vielleicht nicht immer bis ins letzte Detail folgen konnte, tat dies dennoch seine Wirkung. Zagrosek nahm den unter der spröden Oberfläche brodelnden Schönberg unaufdringlich und subtil und gab ihm gerade durch Kontrolle und Distanz glühende Emotion und Präsenz.
Auf der Bühne war wieder Franz Grundheber das wortgewaltige, sonore Kraftzentrum, der seinen Sprechgesang zwischen leisem Zweifel und schreiender Verzweiflung ungeheuer subtil färbte. Hausdebütant John Daszak hatte es mit seiner wenig durchschlagkräftigen Stimme schwer, in der mörderischen Partie des Aron neben seinem Bühnenbruder zu bestehen. Mit hörbarer Anstrengung an der Grenze zur Überforderung lief er zudem Gefahr, im szenischen Arrangement - zu viel mehr taugt die Inszenierung von Reto Nickler nicht mehr - steif zu wirken. Dennoch: Auch seine Leistung, diese Rolle ohne grobe Blessuren bewältigt zu haben, bekam allen verdienten Respekt. (Daniel Ender / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.3.2010)
Termine: 13. und 16. 3., 19.30