Mit 150 Millionen Euro gilt die zehnteilige HBO-Serie als teuerste Serie aller Zeiten - Die Produzenten Steven Spielberg und Tom Hanks verfrachteten Pearl Harbor nach Australien - 500 Kokospalmen im Gepäck
New York / Wien - Eine Woche nach dem Oscar für Kathryn Bigelow und "The Hurt Locker" tobt in den USA wieder der Filmkrieg. HBO schickt ab Sonntag in "The Pacific Marines" nach Pearl Harbor. Steven Spielberg und Tom Hanks produzierten.
Wie Kathryn Bigelow zeichnen auch sie am Beispiel dreier Soldaten das Kriegsgeschehen nach. Wie die Oscar-Gewinnerin verzichtet auch "The Pacific" bei Hauptdarstellern auf große Namen. Joseph Mazzello, Jon Seda und James Badge Dale kämpfen als Marines an der Küste Hawaiis.
Mehr Ähnlichkeiten lassen sich nicht finden: Bigelow zeigt die Gegenwart, Spielberg und Hanks stellen Schlachten des Zweiten Weltkriegs nach. Die zehnstündige Miniserie soll mehr als 150 Mio. Euro verschlungen haben und gilt als teuerste Fernsehserie aller Zeiten. Senderechte wurden bereits an mehr als 30 Sender verkauft. Bigelows 131-minütiger Film kostete knapp elf Mio. Euro. "The Hurt Locker" wurde hauptsächlich in Jordanien gedreht. "The Pacific" entstand in Australien - mit beträchtlichem Aufwand: 500 Kokospalmen wurden etwa geliefert, um die Szenerie so authentisch wie nur möglich nachzubauen.
Den Darstellern wurde hingegen nichts geschenkt: Im Ausbildungslager im australischen Queensland erfuhren sie zehn Tage harten Drill, hoben Gruben aus, campierten im Dschungel, schliefen nachts nur drei Stunden. Ihr Essen wurde rationiert, sie schleppten 20-Kilo-Rucksäcke, so dass die eigenen Kilos purzelten. Die Stunts übernahmen die Schauspieler selbst, auf Doubles wurde verzichtet.
Spielberg und Hanks produzierten schon einmal für HBO eine Weltkriegsserie: In "Band of Brothers" kämpfte 2001 eine Fallschirmeinheit rund um den D-Day. Die Serie kostete gut die Hälfte von "The Pacific" und war in der Erstausstrahlung nur mäßig erfolgreich, konnte aber später im DVD-Verkauf punkten.
Kriegserinnerungen
Wie "Band of Brothers" basiert "The Pacific" auf Erinnerungen von Zeitzeugen. Penible Recherche soll zu Kriegsdramen wie Clint Eastwoods "Flags of Our Fathers" und "Letters from Iwo Jima" weitere filmische Kapitel hinzufügen.
Eine Gemeinsamkeit zwischen den Großproduzenten und Bigelow gibt es aber doch: Die Oscar-Gewinnerin arbeitet inzwischen ebenfalls für HBO. In "The Miraculous Year" versucht sie sich im für sie ungewohnten Terrain der Familienkomödie. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 12.3.2010)