Einmischung

Le Président ist enerviert

14. März 2010, 09:22

Staatschef Sarkozy wollte sich nicht in die Regionalwahlen einmischen, aber sein Polittrieb ist stärker

„Es ist nicht die Rolle des Präsidenten der Republik, sich in einem Wahlkampf zu engagieren", meinte Sarkozy schon im Jänner - und völlig zu Recht: Laut Landesverfassung steht der Staatschef über der Parteipolitik. Doch der Präsident kann es nicht sein lassen. In den letzten Wochen absolvierte er rund ein Dutzend Provinzbesuche - und alle an Orten, wo das Rennen zwischen der Rechten und Linken besonders eng ist. „In diesem Kampf bin ich auf eurer Seite", erklärte er in Aubervilliers (Großraum Paris) neben dem UMP-Kandidaten. Auf Korsika sprach er bei einem Wahltreffen vor 600 UMP-Anhängern. Und am Freitag pries Sarkozy seine Reformpolitik in einem Exklusivinterview mit dem regierungsnahen Figaro, der seine Wochenendausgabe zu diesem Zweck sogar um einen Tag vorzog. Als der - ihm durchaus gewogene - Journalist die Frage stellte, warum er sich als Staatschef nicht aus dem Wahlkampf heraushalte, erwiderte Sarkozy erbost: „Wo haben Sie gesehen, dass ich mich in der Kampagne engagiere?"

Die Franzosen sehen es jeden Tag. Sie sehen auch, dass sich ihr Staatschef zunehmend abgekämpft wirkt. Am Freitag verlor er fast die Fassung, als ihn ein britischer Journalist fragte, ob etwas an den Gerüchten über die eheliche Untreue im Élysée-Palast sei. Seriöse englische Zeitungen hatten berichtet, Carla Bruni sei mit einem Chansonsänger fremdgegangen, worauf sich Sarkozy mit seiner Umweltministerin vergnügt habe.

Das sei eine „idiotische Frage", fertigte Sarkozy den Fragesteller ab und fügte an, er habe „keine halbe Sekunde Zeit für so absurdes Geschwätz". Die wenigen Medien, die darauf anzuspielen wagten, hatten die Meldung tags darauf zurückgenommen. Weil das Gerücht wenige Tage vor dem ersten Wahlgang aufkam und damit politisch zu explosiv war? Wer dahintersteckt ist unklar. Anzeichen, dass es linke Internetsurfer in die Welt gesetzt haben könnten, haben sich bisher nicht erhärtet.

Nur Carla Bruni dementierte gelassen. „Er (Sarkozy) würde nie eine Affäre anfangen, oder haben Sie jemals ein Beweisfoto gesehen?", meinte die First Lady gegenüber dem britischen TV-Sender Sky News. Seltsamerweise war das längere Interview schon in der Vorwoche aufgenommen worden, also noch vor der Verbreitung der Gerüchte. Nur die Ausstrahlung erfolgte nachher - gerade rechtzeitig. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, Printausgabe, 15.3.2010)

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12 Postings
Mag.Reiter
02
14.3.2010, 17:43
hr. brändle, das heisst "sarkozy ist genervt oder gereizt"

alecs garwin
00
14.3.2010, 23:18
enerviert ist aber

viel eleganter als genervt...

MleB
00
14.3.2010, 21:05
dabei ist

das Spiel mit einer französischen Zunge so schön

Lieber steife Zunge, als 50% Impotent..

"Ich bin der goldene Reiter"
kein Mag. aber Mike Myers

Prostetnik Vogon Jeltz
00
14.3.2010, 20:41
Sarkozy ist...


...alles mögliche, aber wenn ich das hier poste löscht der Zensor meinen User...


Mr_Murphy
02
14.3.2010, 17:15

Wenn man bedenkt, dass JEDER Präsident in Frankreich nach einem Jahr unter 20% liegt, ist alles halb so wild...

Legio
 
00
14.3.2010, 19:33

Wo haben Sie den Blödsinn her? (Fragt Sie ein franz. Staatsbürger)

NONE
11
14.3.2010, 15:06

Wäre wunderbar. Dann wäre der Neo-Napoleon schnell weg.

Herzerzog Johann
00
14.3.2010, 16:37

Im zentralistischen Frankreich dürfte ihm das Ergebnis ziemlich wurscht sein. Eine Wahl, bei der gefahrlos Denkzettel verteilt werden können.

byron sully
01
14.3.2010, 17:00
ganz im gegenteil,

im zentralistischen frankreich hat eine regionalwahl noch viel mehr nationale bedeutung als im förderalistischen österreich.

byron sully
10
14.3.2010, 14:15

erstens: georges freche ist wegen rassistischer äußerungen mittlerweile aus der PS ausgeschlossen worden. hat zwar gute chancen auf seine wiederwahl, ist aber nicht mehr der PS zuzurechnen.

zweitens: da die grünen diesmal in den meisten regionen chancen haben, die für den zweiten durchgang nötigen 10% zu schaffen, stellt sich die frage, was sie dann im zweiten durchgang tun. denn alle kandidatInnen zurückziehen, nur um damit ihren potenziellen koalitionspartner, die PS, zu unterstützen, fände ich doch etwas seltsam.

Fritz Meyer
16
14.3.2010, 13:16
Sehr gut.


Hoffen wir mal, dass dies über kurz oder lang auch Sarkozys italienischen "Vorbild" wiederfährt.

Fritz Meyer.

Prostetnik Vogon Jeltz
11
14.3.2010, 12:35
Na bitte, geht doch!



Die Franzosen hören die Signale, beim Sarko dauert's noch ein biserl...

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