Staatschef Sarkozy wollte sich nicht in die Regionalwahlen einmischen, aber sein Polittrieb ist stärker
„Es ist nicht die Rolle des Präsidenten der Republik, sich in einem Wahlkampf zu engagieren", meinte Sarkozy schon im Jänner - und völlig zu Recht: Laut Landesverfassung steht der Staatschef über der Parteipolitik. Doch der Präsident kann es nicht sein lassen. In den letzten Wochen absolvierte er rund ein Dutzend Provinzbesuche - und alle an Orten, wo das Rennen zwischen der Rechten und Linken besonders eng ist. „In diesem Kampf bin ich auf eurer Seite", erklärte er in Aubervilliers (Großraum Paris) neben dem UMP-Kandidaten. Auf Korsika sprach er bei einem Wahltreffen vor 600 UMP-Anhängern. Und am Freitag pries Sarkozy seine Reformpolitik in einem Exklusivinterview mit dem regierungsnahen Figaro, der seine Wochenendausgabe zu diesem Zweck sogar um einen Tag vorzog. Als der - ihm durchaus gewogene - Journalist die Frage stellte, warum er sich als Staatschef nicht aus dem Wahlkampf heraushalte, erwiderte Sarkozy erbost: „Wo haben Sie gesehen, dass ich mich in der Kampagne engagiere?"
Die Franzosen sehen es jeden Tag. Sie sehen auch, dass sich ihr Staatschef zunehmend abgekämpft wirkt. Am Freitag verlor er fast die Fassung, als ihn ein britischer Journalist fragte, ob etwas an den Gerüchten über die eheliche Untreue im Élysée-Palast sei. Seriöse englische Zeitungen hatten berichtet, Carla Bruni sei mit einem Chansonsänger fremdgegangen, worauf sich Sarkozy mit seiner Umweltministerin vergnügt habe.
Das sei eine „idiotische Frage", fertigte Sarkozy den Fragesteller ab und fügte an, er habe „keine halbe Sekunde Zeit für so absurdes Geschwätz". Die wenigen Medien, die darauf anzuspielen wagten, hatten die Meldung tags darauf zurückgenommen. Weil das Gerücht wenige Tage vor dem ersten Wahlgang aufkam und damit politisch zu explosiv war? Wer dahintersteckt ist unklar. Anzeichen, dass es linke Internetsurfer in die Welt gesetzt haben könnten, haben sich bisher nicht erhärtet.
Nur Carla Bruni dementierte gelassen. „Er (Sarkozy) würde nie eine Affäre anfangen, oder haben Sie jemals ein Beweisfoto gesehen?", meinte die First Lady gegenüber dem britischen TV-Sender Sky News. Seltsamerweise war das längere Interview schon in der Vorwoche aufgenommen worden, also noch vor der Verbreitung der Gerüchte. Nur die Ausstrahlung erfolgte nachher - gerade rechtzeitig. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, Printausgabe, 15.3.2010)