Als Lehrling in die weite Welt

14. März 2010, 15:28
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Nicht nur Studenten sind mobil: Geförderte Praktika bieten Lehrlingen die Möglichkeit, erste internationale Luft zu schnuppern

Schüleraustausch und Auslandssemester im Studium sind weitläufig bekannt, dass aber auch in einer Lehre ein Auslandsaufenthalt winken kann, weniger. So organisiert beispielsweise der Verein "Internationaler Fachkräfteaustausch" (IFA) seit 1995 Auslandsaufenthalte für Nicht-Akademiker - bevorzugt für Lehrlinge, aber auch für Ausbildner, Berufsschullehrer und Schülern von berufsbildenden Schulen.

Interkultureller Austausch

"Der Arbeitsmarkt erfordert heute eine sehr große Mobilität und in der Regel wird man während der Berufslaufbahn in mehreren Betrieben arbeiten. Für die Lehrlinge ist ein Auslandsaufenthalt zumeist die erste Chance ein anderes Unternehmen kennenzulernen", sagt Sabine Hofstätter von IFA im Gespräch mit derStandard.at. Dazu kommen der Know-how-Gewinn, interkulturelle Erfahrungen und verbesserte Sprachkenntnisse, sofern das in den zumeist drei Wochen dauernden Praktika möglich ist. "Aber auch die Betriebe profitieren davon, wenn die Lehrlinge mit Erfahrungen aus anderen Unternehmen zurückkommen."

Drei bis vier Wochen im europäischen Ausland

In Gruppen von vier bis zehn Personen reisen die Lehrlinge für meistens drei Wochen in ein europäisches Land, beispielsweise nach Irland, Finnland oder Malta, um ein Praktikum und einen Sprachkurs zu absolvieren."Wir sind gerade dabei die Auslandspraktika vier Wochen anzubieten, das ist aber für viele  Lehrbetriebe schwierig, da das Praktikum während der Ausbildung stattfindet", so Hofstätter.

Über 2000 Lehrlinge haben das Angebot bisher angenommen, 230 davon allein im vergangenen Jahr. "In der ersten Woche werden sie noch von einem unserer Mitarbeiter betreut, aber genau so wichtig wie die anfängliche Betreuung ist, dass sie die restlichen Wochen auf sich gestellt sind, wobei sie natürlich immer einen Ansprechpartner vor Ort haben", sagt Hofstätter.

Förderung und Selbstbehalt

Die Praktika werden zwei- bis dreimal jährlich österreichweit ausgeschrieben, bewerben können sich sowohl Betriebe als auch Lehrlinge. Wichtigste Voraussetzungen: gute Fach- und Englischkenntnisse. Das Praktikum wird wie die Reise und Unterkunft von IFA organisiert. "Ob der Lehrling freigestellt wird, oder Urlaub nehmen muss, ist individuell mit dem Betrieb zu klären, dessen Einverständniserklärung natürlich gebraucht wird", so Hofstätter.

Gefördert werden die Auslandsaufenthalte vor allem vom europäischen Programm Lebenslanges Lernen "Leonardo Da Vinci". Für die Lehrlinge bleibt je nach Aufenthaltsort ein Selbstbehalt von bis zu 700 Euro, sofern der eigene Betrieb die Kosten nicht übernimmt.

Belohnung für gute Leistungen

"Die Betriebe sehen solche Auslandsaufenthalte zumeist als Belohung für ihre besonders guten Lehrlinge ansehen", so Hofstätter. Aber nicht nur über IFA können Lehrlinge ins Ausland, auch Berufsschulen und Betriebe organisieren zumeist für ihre besten Lehrlinge Auslandsaufenthalte und suchen direkt um Förderungen an. "Wir schicken jedes Jahr die besten fünfzehn der Lehrlingsjahrgänge ins Ausland", sagt Gabriela Miller, die Lehrlingsbeauftragte von Porsche Inter Auto aus Salzburg, zu derStandard.at.

Hohe Anforderungen

Die Lehrlinge werden dabei sorgfältig ausgewählt: Berufsschulzeugnis, innerbetriebliche Leistungen und Bewertungen bei Seminaren sind ausschlaggebend, wer von den österreichweit rund 600 Lehrlingen von Porsche ins Ausland darf. "Diese Auslandspraktika sind natürlich ein Leistungsanreiz für die Lehrlinge, das hat sich deutlich gezeigt. Mittlerweile fällt es deutlich schwerer eine Auswahl unter all den guten Lehrlingen zu treffen", so Miller.

Exkursionen und Praktika für gute Leistungen

Bei Porsche organisiert man die Auslandsaufenthalte seit 2003, anfänglich in Zusammenarbeit mit IFA, mittlerweile wegen der größeren Gruppen auf eigene Faust, aber ebenfalls mit Förderungen, den Rest der Kosten übernimmt Porsche für die Lehrlinge. Je nach Lehrjahr dauert der Auslandsaufenthalt für die besten Fünfzehn unterschiedlich lang. Im ersten Lehrjahr gibt es eine eintätige Exkursion, im zweiten fährt man für zwei Tage zu VW nach Wolfsburg. 

Für besonders gute Lehrlinge bzw. Absolventen im dritten oder vierten Lehrjahr winkt wie bei IFA ein dreiwöchiger Auslandsaufenthalt mit Sprachkurs beispielsweise bei Seat in Spanien, VW in Deutschland, oder Bentley in England. "Da wir in Österreich keine Autos selber bauen und somit die Lehrlinge immer mit dem fertigen Produkt konfrontiert sind, bieten diese Aufenthalte natürlich einen optimalen Einblick in den Fertigungsprozess", sagt Miller. "Davon profitiert dann auch wieder das Unternehmen." (krm, derStandard.at, 14.03.2010)

Die nächste IFA-Ausschreibung erfolgt Ende Mai für Auslandspraktika im Herbst 2010. Informationen unter: http://www.ifa.or.at/

  • Ob als Lehrling im Einzelhandel zum Praktikum nach London...
    foto: ifa

    Ob als Lehrling im Einzelhandel zum Praktikum nach London...

  • ...oder als Tischler nach Finnland, Auslandspraktika gibt es für fast alle Lehrberufe.
    foto: ifa

    ...oder als Tischler nach Finnland, Auslandspraktika gibt es für fast alle Lehrberufe.

  • Wie bei den Lehrlingen von Porsche (im Bild), gibt es auch bei anderen Praktika Ausflüge und begleitendes Rahmenprogramm.
    foto: porsche inter auto

    Wie bei den Lehrlingen von Porsche (im Bild), gibt es auch bei anderen Praktika Ausflüge und begleitendes Rahmenprogramm.

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