Spät wahrgenommener "Geruch von Nazi-Umtrieben" - Kritik der Grünen - "Vienna in War"-Festival reduziert
Wien - Die Szene Wien sagt einen für den 29. März angesetzten Konzerttermin von vier internationalen Bands aus dem Black-Metal-Genre ab, von Taake (Norwegen), Horna (Finnland), Angantyr (Dänemark) und Black Shore Metal (Deutschland).
"Die Szene Wien distanziert sich von allen faschistischen, rassistischen und nazistischen Umtrieben", begründete Szene-Chef Josef "Muff" Sopper. Die Veranstaltung sei von einem externen Partnern organisiert worden, die Szene habe nur als Vermieter fungiert: "Vorerst war nur das Datum fixiert. Wir wussten nicht, welches Package gebucht wurde". Nach Bekanntgabe der Bands habe man diese einer politischen Beurteilung unterzogen und sich schließlich entschieden, den Vertrag zu kündigen: "Es darf nicht sein, dass die Szene Wien mit dem Geruch von Nazi-Umtrieben identifiziert wird."
Auch Urgehal abgesagt
Die Wiener Grünen kritisieren Soppers späte Reaktion - und haben am Donnerstag eine weitere Veranstaltung in der Szene Wien ins Visier genommen. Anfang April sollte die norwegische Metal-Formation Urgehal im Rahmen des Festivals "Vienna in War" auftreten. In deren Songs gebe es antisemitische, antimuslimische und den Holocaust verherrlichende Textzeile. Die Szene Wien prüfte die Vorwürfe und kam zum Schluss, dass auch Urgehal nicht spielen solle. Der Vertrag mit der Formation werde gekündigt, Musiker und der externe
Veranstalter seien bereits informiert, versicherte Sopper. Die Entscheidung sei
aufgrund der "fragwürdigen Texte und Inhalte" der Metal-Vertreter - und nach
Rücksprache mit dem Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny -
gefallen.
Bezüglich der bereits zuvor abgesagte Bands: Laut Marco Schreuder, Gemeinderat der Wiener Grünen, betreibt der Sänger von Horna ein Plattenlabel, auf dem Formationen wie "Endlösung", "Holocaustus" oder "Aryan Blood" veröffentlicht würden. Außerdem habe die Band in Interviews Aussagen wie "auf einer ideellen Ebene funktioniert der Nationalsozialismus sehr gut" getätigt. Taake wiederum hätten in Deutschland für einen Skandal gesorgt, nachdem der Sänger bei einem Konzert mit einem aufgemalten Hakenkreuz auf der Brust erschien. Die Dänen Angantyr veröffentlichen etwa bei Plattenfirmen wie "Total Holocaust Records".
"Wie konnte es dazu kommen?"
"Wie konnte es dazu kommen?", gab sich Schreuder schockiert. Gerade die Szene Wien als großer Subventionsnehmer der Stadt habe die Verpflichtung, ihre Fremdveranstalter im Vorhinein zu überprüfen. "Bekanntlich handelt es sich bei Josef 'Muff' Sopper von Planet Music um einen Mann, der vielen SP-Politikern nahe steht, Bühnen am Donauinselfest organisiert und mit der Gewista-Tochter Kultur:Plakat GmbH das Monopol auf Kulturplakate in der Stadt erhielt." Die Endverantwortung liege immer beim Leiter eines Hauses.
Auch Schreuder-Kollegin Martina Wurzer kritisierte das Vorgehen der Szene Wien: "Gefährlich an Bands wie Horna, Taake und Angantyr ist vor allem ihre Bindegliedfunktion zwischen neonazistischen Gruppierungen und jugendlicher Subkultur. Musikgruppen aus dem Genre des NS-Black-Metal sind damit besonders wichtig für die europaweite Vernetzung der Neonazi-Bewegung." Diesen Bands dürfe in Wien keinesfalls ein Forum geboten werden.
"Blöd auf der Bühne herumgespielt"
Grundsätzlich werde im Black-Metal-Bereich immer wieder mit Symbolen des Nationalsozialismus "blöd auf der Bühne herumgespielt", wenn dies auch nicht immer ideologisch zu verstehen sei, meinte Szene-Betreiber Sopper, der auch für die Bühnen des Gasometer verantwortlich zeichnet. Im betreffenden Fall habe die Szene gar das Innenministerium und den Verfassungsschutz kontaktiert, welche den Auftritt Ende März nicht bedenklich gefunden hätten. Der Club werde die Black-Metal-Szene aufgrund des Vorfalls nicht ausgrenzen, jedoch bei künftigen Acts äußerst genau hinschauen. Für die jetzt abgesagte Veranstaltung, zu der rund 200 Besucher erwartet wurden, werden bereits verkaufte Tickets zurückgenommen.
"Vienna in War" Festival
Bezüglich Urgehal hatte Schreuder auf Textzeilen wie "Lösche die
jüdische Verschmutzung" oder Songtitel wie "Holocaust in Utopia" verwiesen.
Mitglieder von Urgehal würden zudem auch in der Band Vulture Lord
spielen. Auf deren Tonträger finden sich laut Schreuder Lieder wie "The
final solution" oder "Prelude to the second Holocaust".
Rechtsradikale, rassistische, frauenfeindliche oder
homophobe Inhalte hätten in der Szene keinen Platz, versicherte Sopper.
Er warnte jedoch auch davor, Texte aus dem Zusammenhang zu reißen. Das
- nicht von der Szene Wien selbst veranstaltete - Festival "Vienna in
War" findet bereits in der zweiten Auflage statt. Beim ersten Mal habe
es keine Beschwerden gegeben. Über den Titel des Events sei er schon
damals nicht glücklich gewesen. "Aber das sind junge Leute, die denken
sich nichts dabei", so Sopper. Das Festival soll jedenfalls stattfinden. (APA)