"Haben immer nur schöne Worte gehört"

11. März 2010 09:58

Sieben Jahre lang hat sich die Coole Schule für mehr Schülermitbestimmung eingesetzt - Warum sich der Verein nun auflöst erklärt Obmann Igor Mitschka

Standard: Was ist der Grund, dass sich euer Verein Coole Schule nun nach sieben Jahren auflöst?

Mitschka: Der erste Grund ist, dass ich heuer maturiere und ich immer gesagt habe, dass es für einen Schülerverein einfach Grundvoraussetzung ist, dass alle Mitglieder selbst noch Schüler sind. Das war auch immer ein großer Unterschied zur AKS, der Schülerunion oder anderen Schülerorganisationen, wo dann eben Studenten oder Erwachsene drinnen sitzen. Und jetzt, da ich weggehe, hat sich die Frage gestellt, wer übernehmen könnte: Wir haben sehr wohl noch sehr viele Junge in unserem Team, die sind aber einfach nicht motiviert genug, den Verein zu übernehmen. Wir haben uns sieben Jahre lang dafür eingesetzt, dass sich etwas ändert, dass es mehr Schülermitbestimmung gibt und egal, was wir gemacht haben, nichts hat geklappt. Die, die jetzt übernehmen könnten, fühlen sich demotiviert, weil sie den Eindruck haben, es wurde schon alles versucht, und es hat nicht funktioniert.

Standard: Also seid ihr gescheitert mit eurem Verein?

Mitschka: Ja, wir sind gescheitert in unserem Hauptziel, nämlich ein Gesetz für mehr Schülerrechte zu etablieren, und zwar für alle Schüler, egal ob Volks- oder Oberstufenschüler. Worin wir nicht gescheitert sind, ist, dass wir ein Zeichen gesetzt haben, dass Schülermitbestimmung wichtig ist und dass auch die jüngsten Schüler dazu fähig sind, mitzureden und dass es dafür gesetzlicher Verankerungen bedarf. Dass wir die Schüler auch wirklich erreichen konnten, daran sind wir gescheitert, aber wir haben ein Signal gesetzt.

Standard: Habt ihr euch in euren Anliegen von den Politikern ernst genommen gefühlt?

Mitschka: Die Politik hat uns vielleicht zugehört, aber es hat letzten Endes nichts gebracht. Wirklich ernst genommen wurden wir nicht. Es gab immer wieder Gespräche, und wir haben immer schöne Worte gehört. Aber wenn es darauf angekommen ist, Gesetze zu ändern und Schülern wirklich mehr Mitbestimmungsrecht einzuräumen, ist nichts passiert. Auch bei anderen Erwachsenen war es für uns oft schwierig, unsere Anliegen einzubringen, vor allem weil wir wirklich sehr jung waren, als alles begonnen hat, und auch heute noch Volks- und und Unterstufenschüler in unserem Team haben. In Österreich gilt einfach die Devise: Je jünger der Schüler ist, desto weniger nehmen wir ihn ernst. Wir haben unseren Verein damals gegründet, um genau das zu ändern, um für alle Schüler mehr Rechte zu erkämpfen, egal wie alt sie sind. Die Diskriminierung lebt einfach noch fort.

Standard: Meinst du, dass heute bei den Jugendlichen generell zu wenig Interesse für Politik da ist?

Mitschka: Ich glaube, die Jüngeren haben wirklich viel Interesse und Motivation, aber sie haben keine Möglichkeiten, sich einzubringen. Mitbestimmung gibt es nicht, und die Lehrer lassen sie auch nicht zu. Da entsteht dann auch viel Alibidemokratie. Dass bei so wenig wahrer Mitbestimmung das Interesse der Schüler vergleichsweise gering ist, weil sie den Eindruck haben, in Wirklichkeit können sie nichts bewirken, ist nicht verwunderlich. Es braucht einfach eine wahre Schuldemokratie.

Standard: Wie sieht dein Blick in die Zukunft aus? Glaubst du nach all den Jahren noch an eine Veränderung in der Bildungspolitik?

Mitschka: Wenn man es der Politik überlässt, im Schulsystem etwas zu ändern, dann kann man im Vorhinein davon ausgehen, dass das nichts wird. Das hat mich diese Zeit gelehrt. Es braucht die Schüler, die für ihre Rechte kämpfen, so wie wir das mit der Coolen Schule gezeigt haben. Wenn sie dranbleiben und sich nicht unterkriegen lassen, dann kann sich früher oder später etwas ändern. Das ist mein Appell an die jüngere Schülergeneration. (Antonia Reis, DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2010)

 

ZUR PERSON:

Igor Mitschka (18) hat 2003 im Alter von elf Jahren die Coole Schule mitbegründet. Als Obmann des Vereins setzte er sich für Klassen- und Schulsprecherwahlen in Volksschulen sowie für mehr Schülerparlamente ein. Die Abschlussgala der Coolen Schule steigt am 19. 3. im Media Quarter Marx. Anmeldungen bis 15. 3. an info@cooleschule.at

Internetgenerationler
 
11.03.2010 23:06
Erfrischend ehrlich! Oder welche Berufspolitiker hat zuletzt Sätze gesagt wie: "Ja, wir sind gescheitert in unserem Hauptziel"?

Ein Armutszeugnis für die Politik, wenn man mit einer so offenen Haltung nur Misserfolge hat... Offenbar muss man wirklich ein Beton-Lehrergewerkschafter sein, um was zu sagen zu haben.

Klar sind das sehr junge Leute - aber den Input hätte man schon ernsthaft diskutieren sollen, auch wenn es noch an manchen Details etwas zu feilen gegeben hätte.

otto klement
12.03.2010 14:35
da stimme ich ganz zu !

aber andererseits: es wundert mich gar nicht ,in der schulpolitik wird ja prinzipiell alles neue abgewürgt. und wenn's dann noch von schülern kommt . .
mir gefällt ja besonders gut der satz von mitschka " je jünger der schüler ist, desto weniger nehmen wir ihn ernst". ist ja wirklich der fall in den schulen, wenn ich an meine volksschulzeit denke, hab ich da immer nur zu hören bekommen "sei still, du hast hier nix zu sagen!"
finde ich toll, dass sich ältere schüler für die jüngeren eingesetzt haben!

Ich gebs zu
13.03.2010 22:43
Wir brauchen das aktive und passive Wahlrecht ab 6 Jahren.

Oder wie stellen Sie sich das sonst vor?

otto klement
11.03.2010 22:32
finde ich schade . .

ich hab eigentlich 2005 zum ersten mal von dieser initiative gehört. damals waren sie,glaub ich, im parlament bei einer kinderkonferenz.
fand ich immer ziemlich erfrischend, dass da schon so ganz junge für ihre rechte aufstehen.
das signal haben sie sicher gesetzt, da hat mitschka sicher recht.
und schade dass die politik sie scheinbar so wenig ernst genommen hat, hätte unserem schulsystem nicht geschadet, wenn die schüler mal mehr rechte bekommen würden.

gärtner
11.03.2010 15:38

letztendlich wird die wirtschaft das schulsystem ändern, so wie es immer schon war.

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