Kiews neuer Premier: "Staatssäckel leer"

11. März 2010 18:21

Ex-Finanzminister führt neue Regierung - Asarow gilt als Vertrauter von Präsident Janukowitsch

Nikolaj Asarow, ein Technokrat sowjetischer Prägung, ist neuer Regierungschef der Ukraine. Als Erstes muss er ein der verschärften Wirtschaftskrise angepasstes Budget erstellen.

*****

Kiew/Moskau - Eine Woche nach der Auflösung der ukrainischen Regierung hat sich im Parlament in Kiew eine neue Koalition gebildet. Angeführt wird die Koalition, der auch die Kommunistische Partei, der Litwin-Block sowie einige unabhängige Abgeordnete angehören, von der Partei der Regionen, der der neue Präsident Wiktor Janukowitsch vorsitzt. Die neue Regierung stellt damit 235 von 450 Abgeordneten.

Die Koalitionsbildung wurde erst durch eine umstrittene Gesetzesänderung, die am Mittwoch durchgeboxt worden war, möglich. Dadurch erhielten Abgeordnete, die keiner Fraktion angehören, das Recht, sich auch ohne Fraktionszwang der Koalition anzuschließen. Ohne diese Novelle wären die drei Regierungsfraktionen nur auf 219 Sitze gekommen.

Laut dem Kiewer Politologen Michail Pogrebinski steht diese Gesetzesänderung nicht in Einklang mit der Verfassung. Die Opposition hat bereits das Verfassungsgericht angerufen. Dieses wird allerdings von Anhängern der Partei der Regionen dominiert.

Zum neuen Regierungschef wurde der ehemalige Finanzminister und Janukowitsch-Vertraute Nikolaj Asarow mit 242 Stimmen gewählt. Einer seiner sieben Stellvertreter ist Sergej Tigipko, Drittplatzierter der Präsidentenwahl. Der frühere Banker wird für die Wirtschaftsagenden der Regierung zuständig sein.

Der in Russland geborene Asarow (62), ausgebildeter Geologe, gilt als Technokrat sowjetischer Prägung und zugleich als politischer Profi. Seine politische Karriere begann Anfang der 1990er-Jahre und ist eng mit jener von Janukowitsch verbunden. Wie dieser hat er einen guten Draht zu Moskau. In seiner ersten Rede im Parlament griff Asarow seine Vorgängerin Julia Timoschenko und deren Regierungsarbeit an. "Das Land wurde geplündert, das Staatssäckel ist leer, die Schulden haben sich verdreifacht" , sagte Asarow. Das ganze Verwaltungssystem müsse neu aufgebaut werden. Vorrangige Aufgabe sei es, den Budgetentwurf zu überarbeiten und einen realistischen Haushalt zu verabschieden.

Beobachter hoffen nun, dass sich zumindest die politische Situation in der Ukraine stabilisiert und Präsident und Regierungschef an einem Strang ziehen. In der Vergangenheit war die ukrainische Politik vor allem von Machtkämpfen zwischen dem Vorgänger Janukowitschs im Präsidentenamt, Wiktor Juschtschenko, und Premierministerin Timoschenko gekennzeichnet.

Die neue Regierung muss schnell handlungsfähig werden, da sich die Ukraine in einer schweren Wirtschaftskrise befindet. Als erster Schritt gilt die Verabschiedung eines Budgets für das laufende Jahr. Erschwert wird dies durch die Versprechungen, die Janukowitsch im Präsidentschaftswahlkampf gemacht hat. Dazu kommt, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) eine Tranche des Notkredits von 16 Milliarden Dollar zurückhält, da sich die Regierung nicht an die Sparvorgaben gehalten hat. (Verena Diethelm/DER STANDARD, Printausgabe, 12.3.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2
Ravenhorst
12.03.2010 10:36
nicht nur in Ukraine sind die Staatskassen leer.....

tramtatam
12.03.2010 13:31
ja, mir gehts genau so!

gibt es Geld von EU?

Lucky Luke 1988
11.03.2010 19:01
ich wette

wenn man bei der timoschenko nachschaut findet man was.

Noitulover
11.03.2010 14:46
Wie schlecht...

Mikola Asarow (geb. Pachlo) ist kein russischstämmiger Politiker, sondern ein ukrainischstämmiger in Sowjetrussland geborener Politiker. Außerdem begann seine politische Karriere erst 1990 in der Ukraine. Mitglied der Kommunistischen Partei der Sowjetunion war er nie. Vor 1990 war er ein Wissenschaftler auf dem Gebiet der Geologie.

Diesen Artikel kann man nicht ein mal als schlecht recherchiert bezeichnen! Das scheinen bewusst manipulierte bzw. verfälschte Informationen zu sein, die politisiert und zu Propagandazwecken missbraucht werden.

Die Frage ist nur wer gibt sowas in Auftrag und warum beschließen die angeblich "freie" Medien es in dieser Form wiederzugeben?

Standard Leser4
 
12.03.2010 16:11

Sicherlich werden Sie uns auch noch die Geschichte seiner Eltern nachliefern, die alles " Lupenreine Ukrainer" waren.

Noitulover
13.03.2010 10:09

Sollte ich?

AIjoscha
12.03.2010 00:12
Können Sie

das irgendwie belegen? Das ist interessantes Know How und nicht jedem X-beliebigen zugänglich. Ihre Quellen wären hochinteressant.

Noitulover
12.03.2010 02:16
Das sind doch keine Geheiminformationen.

Wir reden hier über den einfachsten Lebenslauf eines Politikers. So etwas kann man einfach nach googlen, sogar als ein X-Beliebiger.

Dass Journalisten Zugang zu solchen Information haben sollten, ist eine Selbstverständlichkeit.

Anfangen könnte man einfach mit http://de.wikipedia.org/wiki/Mykola_Asarow

Da steht schon fast alles was ich erwähnt habe.

tramtatam
12.03.2010 01:38
Sie können z.B. gerne einen etwas professioneller erstellten Artikel aus der Schweiz lesen:

http://www.nzz.ch/nachricht... 94438.html

"Asarow wurde am 17. Dezember 1947 als Nikolai Pachlo in der russischen Stadt Kaluga rund 190 Kilometer südwestlich von Moskau geboren und nahm nach der Heirat den Familiennamen seiner Frau an. Nach einem Geologie-Studium in Moskau arbeitete er zunächst als Chefingenieur eines Kohlebergwerks und zog 1984 in die damalige Sowjetrepublik Ukraine."

ukrainischstammig (Pachlo) wurde aber in Russland geboren. Dieser Umstand wird nun gerne für den Ruf "die Russen kommen!" aufgegriffen und hervorgehoben ("Ein Russe regiert in Kiew" | Frankfurter Rundschau, "Er ist gebürtiger Russe" |Spiegel) - neu ist dass einem Ukrainer seine Abstammung abgesprochen wird

Andrei Tchoubrikov
13.03.2010 09:46
neu ist dass einem Ukrainer seine Abstammung abgesprochen wird

A gee. Ist nichts Neues. Wenn's ein "falscher" Ukrainer ist, dann ist das ein Russe/Chinese/Mongole/Tatare ... aber wenn's ein "eichter" (russenhassender, stickblusetragender, movasprechender etc etc) ist, dann kann er/sie auch ein armeno-juedisch-russischer Abstammung sein.

Nationalismus und ethnischer Fetischismus ist was ganz Feines und Waehlerisches :)

Shota
12.03.2010 00:08

""Mitglied der Kommunistischen Partei der Sowjetunion war er nie. ""
Richtig , anders als z.b. Andrus Ansip der natürlich ein waschechter Demokrat ist ........

Noitulover
12.03.2010 02:20

Tut mir leid, ich finde in ihrem Posting einfach kein Bezug weder auf mein Kommentar noch auf das Artikel. Was wollen sie damit sagen?

papst benedikt
11.03.2010 15:26

diese fragen würde ich an den verantwortlichen stellen, schliesslich befindet sich die APA zur hälfte im besitz der öffentlichen hand. und bürger haben selbstverständlich das recht ihrer sorge ausdruck zu geben, dass die österreichische presseagentur den anschein erweckt, als propagandistisches instrument missbraucht zu werden. schliesslich bezahlen wir die herrschaften ja.
geschäftsführer der APA ist magister peter kropsch.
schreiben sie ihm ein mail über die homepage der APA.

Standard Leser4
 
12.03.2010 16:08

Seit wann bezahlen Sie etwas in Oesterreich? Sie wohnen und arbeiten doch seit zehn Jahren in der Ukraine. Sie haben daher gar kein Recht mehr auf Ihre Steuerleistungen in Oesterreich hinzuweisen wo Sie doch bei eine Ukrainischen Firma angestellt sind! "Schliesslich bezahlen wir die Herrschaften ja'' ist daher pure Agitation.

papst benedikt
12.03.2010 19:13

wüsste nicht, was sie mein job, meine art der arbeit, mein einkommen bzw. meine steuerleistung in österreich anginge. manche verhältnisse sind eben komplizierter, als sich das der touristische frühpensionist in seinem schrebergarten in ushgorod so vorstellt. bleiben wir dabei, dass sie weiter über meinen status phantasieren, letztens fieberten sie ja daher, dass ich für die aval bank arbeite...
tatsächlich ist das so: es geht sie exakt nichts an.
diskussionsgegenstand in diesen foren sind die themen, die sie den artikeln entnehmen können, nicht meine oder ihre person.

Noitulover
12.03.2010 02:35
Wenn es nur die APA wäre...

Dieser Artikel findet sich in ähnlicher Form in vielen anderen Zeitschriften/Nachrichtenmeldungen.

Z.B. http://www.fr-online.de/in_und_au... nt=2411584 u.v.a.

Wenigstens haben sie den Artikel jetzt etwas verändert, davor war es einfach nur Peinlich.

papst benedikt
12.03.2010 19:17

das ist natürlich richtig, tatsächlich entspringen die meisten "berichte" der us amerikanischen agentur reuters und werden von der apa und den meisten anderen agenturen blind abgeschrieben.
nichtsdestotrotz muss man die apa für ihre inhalte verantwortlich machen, sie beschäftigt ja hunderte journalisten, die zu eigenen gedanken fähig sein müssten, denn zum abschreiben braucht man nicht einen solchen aufwand zu betreiben.
womit sie aber zweifelsfrei rechthaben, ist die tatsache, dass es sich dabei um eine gesteuertes internationales phänomen handelt.

byron sully
11.03.2010 13:44

darf man auch erfahren, welche die dritte partei ist? wieso wird darum ein geheimnis gemacht? so viele möglichkeiten gibt es ja nicht, wenn es sich um eine partei handeln soll, mit der die partei der regionen und die kommunisten gemeinsam auf 235 mandate kommen soll.

papst benedikt
11.03.2010 14:46

ich helfe ihnen kurz aus: die dritte partei ist der block litwin (litwin ist der parlamentspräsident) der in etwa die grösse der kommunisten hat.
nehmen sie es der apa nicht übel, eine "koalition mit den kommunisten und irgendwem" klingt in den ohren von "sowjet-apparatschik-journalisten" natürlich knackiger als jede korrekte berichterstattung ;-)

byron sully
11.03.2010 23:30
da bin ich mir nicht so sicher,

denn wenn man die partei der regionen, die kommunisten und den litwin-block zusammenzählt, würden noch immer um die 15 mandate auf die absolute fehlen.

papst benedikt
12.03.2010 19:06

die fehlenden abgeordneten ergeben sich aus der tatsache, dass sie die offiziellen zahlen der letzten parlamentswahlen zusammenzählen, dabei aber übersehen, dass sich die mandatsstärke aufgrund der in der ukraine beinahe schon traditionellen wechsel der abgeordneten innerhalb der fraktionen ständig ändert. sogar aus timoshankos block sind drei oder vier abgeordnete zu den blauen übergelaufen, detto aus "unsere ukraine"...
die aktuellen stärken der fraktionen müsste ich nachgoogeln, sie sind aber verschieden von denen der letzten wahlen...

Der rote Johann
 
11.03.2010 16:41
besonders ulkig die Verbindung HH-Sanierung und Kommunisten....

also ob Kommunisten schon jemals irgendwas, geschweige denn Staatshaushalte, saniert hätten.

naja, hoffentlich ist der Spuk bald wieder vorbei in der Ukraine mit diesen Sowjetapparatschiks wie diesem Janukowski (oder wie auch immer der heißt).

Freund der Sanktionen
12.03.2010 02:37
Und was hat die "orange Revolution" gebracht?


Ausser Problemen mit der Gasrechnung? Ist irgendetwas besser geworden? Sowjets hin oder her, für die Bevölkerung war bis jetzt noch jede Regierung ein Spuk...

Dirty Sanchez
 
12.03.2010 11:24
Volle Taschen

für die "Revolutionäre", das hat sie gebracht.
So wie jede andere Revolution auch.

Dirty Sanchez
 
11.03.2010 11:51
In der Ukraine steht die Koalition,

beim Gedanken an die Frau Timoschenko steht mir auch etwas. So steht für alle etwas da.
Eine schöne Welt ist das.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.