Motivation der Berufung klären - Rektor des Propädeutikums Horn für einheitliche Tests
St. Pölten - Die Welle an Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen hat unweigerlich auch eine Diskussion über die Priesterausbildung ausgelöst. Der Rektor des Propädeutikums Canisiusheim Centrum Horn, Michael Wagner, spricht sich jetzt im Standard-Gespräch für "flächendeckende, psychologische Eignungstests" aus. Wagner: "Derzeit gibt es diese psychologischen Auswahlverfahren nur in ein paar Diözesen. Sinn würden sie natürlich in allen Priesterseminaren machen".
Denn genau dort beginnt für angehende Priester der lange Ausbildungsweg. Potenzielle Kandidaten melden sich beim Priesterseminar ihrer Heimatdiözese, Gespräche mit dem zuständigen Regens folgen. "Hier muss auch die Psychologie ins Spiel kommen. Die Priesteranwärter sollten ein einheitliches Testverfahren durchlaufen, an dessen Ende ein psychologisches Gutachten steht." Fällt dieses positiv aus, so steht Kandidaten der Weg ins niederösterreichische Horn offen.
"Klärung und Motivation der Berufung"
Dort befindet sich nämlich seit dem Herbst 2000 im Canisiusheim Centrum Horn das Propädeutikum, das jeder Priesteranwärter am Beginn seiner Ausbildung einjährig durchlaufen muss. Die "Klärung und Motivation der Berufung", eine "Persönlichkeitsbildung in Hinblick auf eine zölibatäre Lebenskultur" und ein sechswöchiges Sozialpraktikum in der Heimatdiözese stehen unter anderem auf dem Seminarplan.
"Wichtig ist aber vor allem die persönliche Begleitung. Gerade beim Thema Sexualität gibt es viele Einzelgespräche", erläutert der Regens. Fällt nach einem Jahr Propädeutikum der Abschlussbericht entsprechend aus, wird der Klerus-nachwuchs in die diözesanen Priesterseminare entsandt. (mro, DER STANDARD Printausgabe 11.3.2010)