Harald Mahrer

Keine Details - welches Stück?

10. März 2010 19:17

Die Debatte um den Uni-Zugang verfehlt das eigentliche Thema - Eine Erwiderung

Dieses System ist nur mehr zynisch, asozial und ineffizient", sagt WU-Rektor Christoph Badelt im gestrigen Standard. Richtig, aber seine Ausführungen zeigen auch, dass er im "Drama" seine Rolle auf der Bühne eifrig mitspielt. Denn er spricht nur über das Theaterstück und die Mitspieler. Über die Verwaltung des Mangels an seiner Hochschule. Und wie man die Mangelverwaltung erleichtern könnte. Er verliert sich in den Niederungen. Er spricht jedoch nicht über den Kontext des Dramas. Denn die Debatte wird grundsätzlich falsch und unehrlich geführt. Von allen Seiten. Weder die inhaltlich verantwortlichen Minister der letzten Jahre, inklusive der neuen Wissenschaftsministerin, noch die budgetär verantwortlichen Finanzminister, noch die Rektoren der österreichischen Unis und Fachhochschulen haben je einen ehrlichen öffentlichen Diskurs mit der Gesellschaft über die alles entscheidende Frage geführt:

Wollen wir in diesem Land möglichst viele bestens ausgebildete Menschen? Und damit auch möglichst viele bestens ausgebildete Absolventinnen und Absolventen des tertiären Bildungssektors? Und wenn nein, warum nicht?

Denn eine entwickelte Demokratie westlicher Prägung kann aus ihrer Historie heraus und ihrem Grundverständnis folgend nichts anders wollen, als möglichst vielen Menschen in ihrem Land akademische Bildung zukommen zu lassen. Abseits aller parteipolitischen Ideologien.

Die Folgeeffekte wären ein Erhöhung des generellen Bildungsniveaus der Bevölkerung, verstärkte Innovationskraft, Freisetzen von kreativen Potenzialen, eine Intensivierung des gesellschaftlichen Diskurses und der öffentlichen Reflektion, breiteres bürgergesellschaftliches Engagement usw. - mit anderen Worten: Mehr Bildung hilft Menschen, ihre Potenziale zu heben. Zu ihrem eigenen Wohle und zum Wohle aller. Eine dauerhafte qualitative Entwicklung Österreichs - selbstredend einhergehend mit einer Sicherung und Steigerung des Wohlstandsniveaus in unserem Land. Nicht zu vergessen: Mehr wissenschaftlicher Nachwuchs und mehr wissenschaftliche Höchstleistungen für unsere Hochschulen als Sahnehäubchen inklusive.

Als Staatsbürger, Wähler und als Steuerzahler steht es uns zu, diesen Offenbarungseid von den Verantwortungsträgern einzufordern. Klar Stellung zu beziehen, warum sie eine derartige Entwicklung für Österreich nicht wollen. Denn es geht um Grundsätzliches. Um die Vorstellung, die man von der Zukunft eines Landes und seiner Bevölkerung hat. Oder nicht hat. Oder nicht haben will.

Wo finden sich endlich Menschen in diesem Land, die genug Mut in den Knochen haben, ihr Rückgrat nicht beim Eingang zur jeweiligen Instituten in der sie Spitzenverantwortung übernehmen, abzugeben? Die ihren Beruf als Politiker oder Bildungspolitiker auch als Berufung begreifen. Die aufrichtig und überzeugt erklären, dass höhere Bildungsniveaus - und damit auch akademische Bildung - das beste Fundament sind, auf dem ein Land gedeihlich aufblühen kann. Die ehrlich aufzeigen, dass man dafür ausgiebig Saat ausstreuen und damit investieren muss, um dann auch erfolgreich ernten zu können. Die zu den höheren Kosten stehen und sie im Staatsbudget auch als absolut prioritär verankern. Die diese Grundhaltung auch gegen billigen populistischen Gegenwind aufrecht verteidigen und mühsame Überzeugungsarbeit bei denen leisten, die nicht sofort den unmittelbaren Vorteil für sich selbst sehen.

Der von Ex-Minister Hahn ins Rollen gebrachte Hochschuldialog wäre ein ideales Forum, diesen notwendigen gesellschaftlichen Grundkonsens zum Thema Bildung in die öffentliche Diskussion einzubringen. Und damit die verantwortlichen Repräsentanten in die Pflicht zu nehmen. Dann würden wir endlich wissen, woran wir in Österreich sind. Stattdessen erleben wir täglich ein immer visionsloseres Drama. Brauchen würden wir eine dramatische Vision. (Harald Mahrer, DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2010)

 

Zur Person 

Harald Mahrer, ehemals ÖH-Vorsitzender an der WU, ist Wirtschaftsberater in Wien

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Sylvia G.
14.03.2010 21:00
Meinung einer aktiven Studentin

Ich muss dem Autor recht geben - mehr Bildung für alle ist auf jeden Fall etwas Estrebenswertes - jedoch eher eine Wunschvorstellung als ein realistisches Ziel. Ich finde es enorm schwierig Bildung für alle zu fordern, es jedoch abzulehnen einen finanziellen Beitrag dazu zu leisten. Denn es wird ja immer nur Budgeterhöhung seitens des Staates gefordert - aber wer finanziert denn den Staat? Die Menschen, für die wir uns mehr Bildung wünschen würden, die Arbeiten und damit Steuern bezahlen!
Außerdem sagt schon ein altes Sprichwort: was Nichts kostet, ist auch Nichts wert. Ich denke uns ist allen klar, was ein Uni-Abschluss wert ist, wenn ihn jeder hat. Wahrscheinlich ca. so viel wie ein Hauptschul-Abschluss derzeit.

Happels Erben
11.03.2010 15:30
Wo sollen diese ganzen Absolventen

bitte arbeiten? Schon mal was von Akademikerarbeitslosigkeit gehört? Man muss mehr HTL- und Hakabsolventen forcieren und auch die Facharbeiterausbildung, aber eine Gesellschaft wo jeder 2te Akademiker ist (insbesondere in einem Land das durch KMUs geprägt ist) wie soll das funktionieren??

Und in wirtschaftlich schlechten Zeiten wird an den 2 Extrempunkten gespart: den Hilfsarbeitern weil leicht austauschbar und an den Akademikerposten weil sehr teuer.

Ich bin für die Förderung der Hochschulen, aber ich bin massiv dagegen eine verlogene Diskussion zu führen in der behauptet wird das man alle nur auf die Unis schicken muss und alles wird gut - und das Resultat massenweise arbeitslose Akademiker ist.

giftwitwe
11.03.2010 19:54

da sind dann halt auch die studenten gefordert. klar gibt es eine hohe akademikerarbeitslosigkeit wenn zigtausende publizistik studieren weil sie 'später mal' 'irgendwas mit medien' machen wollen. die alternative dazu sind zugangsbeschränkungen.

sehr gut in diesem zusammenhang finde ich den vorschlag von herrn fleck, eine undergraduate periode nach angloamerikanischem vorbild einzuführen während der die studenten sich über ihre präferenzen und talente klar werden können.

qball
11.03.2010 17:33

da vollbeschäftigung nicht realistisch ist, hab ich lieber massenweise arbeitslose akademiker als massenweise arbeitslose schulabbrecher.

N. N.
11.03.2010 12:43
"Keine Details"

Passende Überschrift, das trifft´s irgendwie. Tenor des Artikel: Wir wollen mehr Geld. Strukturen? Egal. Einfach reinpumpen. Ein typisch österreichischer Ansatz.

Dormouse
11.03.2010 14:13

noch weniger geld geht ja kaum...und hineingepulvert wird in diesem land überall, nur nicht dort wo's notwendig wäre!

N. N.
11.03.2010 14:54

Noch weltfremdere Aufnahmekriterien gibt´s aber auch kaum wo. Gebührenfreiheit plus freier Zugang (von ein paar Ausnahmen abgesehen) - wo gibt´s denn das sonst noch?

Michael Jack Dundee
 
11.03.2010 16:13

In der Politk!

MaG.
16.03.2010 20:10

Und man sieht ja, was für ein Blödsinn da tagtäglich fabriziert wird.

Peter T
11.03.2010 13:25

in dem Zusammenhang fällt mir immer der "österreichische Gruß" ein (c) Qualtinger:
Rechter Oberarm nach unten hängend
Unterarm 90° nach vorne gestreckt
Handfläche nach oben

petrarca
11.03.2010 09:46
Ich sehe auch ...

einen internationalen Wettbewerbsnachteil für Ö entstehen. In Kroatien, dass in etwa die Hälfte der Einwohner Ös hat, fangen etwa 800 Personen pro Jahr an, Elektrotechnik zu studieren. Und nur die ersten 200 sind ohne Studiengebühren, nach der Leistung bemessen, dann steigen die Studiengebühren immer mehr an. Man kann also davon ausgehen, dass die alle ernsthaft studieren. In Ö hören ca. 200 nach einem Jahr auf. Die Wirtschaft will MEHR E-Technik-Absolventen, alle haben einen Job. Also wo wird sich Ö im Vergleich zu Kroatien in 10 bis 15 Jahren befinden?

Peter T
11.03.2010 13:29

schön und gut.
Nur haben wir vielleicht 200 Elektro-Ingenieure pro Jahr, gleichzeitig aber auch vielleicht 2.000 Publizisten.
Wenn wir wie von vielen gefordert einfach unstrukturiert Geld reinpumpen haben wir dann 210 Elektro-Ingenieure und 4.000 Publizisten.
Bringt's das?

askalex
11.03.2010 09:21
Wieder der übliche Grundfehler

Ziel der höchstmöglichen Formalbildung ist eben nicht, möglichst viele Absolventen (für die es am Arbeitsmarkt keinen entsprechenden Bedarf gibt) herauszustanzen, sondern die benötigte Zahl an möglichst gut ausgebildeten Spitzenkräften. Zwischen Masse und Klasse wird immer ein Gegensatz herrschen, weil die Mittel für die Unis immer irgendwie beschränkt sein werden. Die heutige Realität, daß Betriebwirte die Jobs von Handelsschülern machen und Juristen sowie Historiker in Call Centern neben Pflichtschulabsolventen sitzen, nützt niemandem. Sie ist v.a. auch Betrug an den Absolventen, deren Lebensentwürfe trotz Jahren an der Uni in der wirtschaftlichen Realität scheitern.

vandermonde
11.03.2010 12:59
Das ist ein Kurzschluss...

...da eine größere Zahl an (gut ausgebildeten) Absolventen i.a. zu mehr Innovationen führt und damit zu mehr Unternehmen und mehr Arbeitsplätzen...

Eine gewisse Orientierung an wirtschaftlichen Verhältnissen sei natürlich trotzdem unbenommen...

N. N.
11.03.2010 13:12
Und das die studiert haben, ist offenbar egal

5.000 Psychologen, davon 2.000 Studien-Desperados aus Bottrop-Rauxel, da winken sicherlich Innovationen, Unternehmen und Arbeitsplätze sonder Zahl.

chiwato
11.03.2010 10:15
wenn der

momentane wahnsinn sein ende gefunden hat, und dass wird er auf die eine oder andere weise ziemlich bald, wird man überrascht erkennen, dass der mensch nicht von geburt an die verpflichtung hat, den ökonomischen wunschvorstellungen einiger möchtegerngötter zu entsprechen.

mitiligidi
11.03.2010 07:49
sehr guter Artikel...

und vor allem nicht parteipolitisch bzw. ideologisch eingefärbt.
Es geht genau um diese Grundsatzfrage ob man insgesamt einen höheren Anteil an Akademikern haben will oder nicht. Höhere Kosten sind dann Folge davon.
Zukünftig besser ausgebildete Arbeitskräfte ebenso.
Was will man , dass ist die Frage.
Die ÖVP will dass nicht weil die Kirche und andere Anbieter universitärer Ausbildung dann wieder mehr Konkurrenz haben würden.

elmar korinek
11.03.2010 23:41
Bin auch für´s Zuhören, aber

... Hr. Mahrers Beitrag nicht als parteipolitisch zu erkennen, deutet entweder auf Leseschwächen hin (>>"Der von Ex-Minister Hahn ins Rollen gebrachte Hochschuldialog wäre ein ideales Forum.."<<) oder auf ein Informationsdefizit (OH WU seit Ewigkeiten in AG-Hand).
Sorry für meinen Senf dazu.

Management Quatscher
11.03.2010 01:45

Der Mahrer war schon als ÖH-WU Vorsitzender Ein Nullum.

Leider haben sich meine Befürchtungen bestätigt, er ist Berater geworden und labert nur mehr Kacke.

Gut, das ist das Kennzeichen aller Berater. Hochqualifizierter Berater.

Fra Diavolo
11.03.2010 11:40

Was für eine fundierte Kritik. Wie schön, daß Sie keine Kacke labern.

+DieMeinung+
10.03.2010 19:57
Interessant

Einen so dermaßen nichtssagenden Artikel habe ich wirklich schon lange nicht mehr gelesen.

Hochachtung. So viel Zeilen Text und Null Inhalt.

Fra Diavolo
11.03.2010 11:42

Vielen Dank, daß Sie uns an Ihren nichtssagenden Gedankengängen teilhaben lassen.

moroser poster
10.03.2010 23:31
ich unterstelle "DieMeinung" , den Inhalt von

Mahrers Artikel nur allzu gut verstanden zu haben. Da Sie schreiben können, sollten Sie auch das sinnerfassende Lesen beherrschen. Er sagt: "Ich bin der Meinung, dass Österreich von einer höheren Akademikerquote enorm profitieren würde, befürchte aber, dass unsere Entscheidungsträger unwillig sind, die dazu nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen." Der im Posting angewendete Schmäh, gegen missliebige Ansichten vorzubringen, man habe die Argumente nicht verstanden und daraus folge zwingend, dass diese wertlos seien, ist in Österreich zwar extrem beliebt, aber nur Ausdruck genau der von M. angesprochenen Krise. Falls Sie verstehen, was ich meine. Sicher tun Sie es, werden aber vermutlich nicht zugeben, dass Sie sehr wohl wissen, was Sache ist.

+DieMeinung+
11.03.2010 10:16
"Ich bin der Meinung, dass Österreich von einer höheren Akademikerquote enorm profitieren würde,..."

Ja genau. Aber dafür benötigt man keine ganze Seite Text. Dieser EINE Satz reicht völlig.

ICH erfasse also den Sinn nach einer Zeile, während DU offensichtlich eine ganze Seite Text benötigst.

High Hopes
11.03.2010 10:30
Bist

eh super!

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