Porträt eines professionellen Selbstdarstellers

10. März 2010, 19:11
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    foto: standard / cremer

    Derzeit nicht nur auf Film präsent: Der lange Schatten des Udo Proksch ziert aus diesem Anlass auch eine Demel-Torte.

In Robert Dornhelms Dokumentarfilm "Udo Proksch - Out of Control" wird der exzentrische Lebemann in den Erinnerungen zahlreicher Weggefährten und in Originaldokumenten noch einmal lebendig

Brutal sei er gewesen - und zärtlich. Kreativ und kriminell, ein "Menschenfänger" und ein "Robin Hood". Fotos zeigen ihn als Lebemann im Kreis schöner Begleiterinnen oder im Camouflage-Outfit bei Schießübungen, man sieht ihn vor Kameras philosophierend oder bei der Bewerbung jüngster Erfindungen.

Udo Proksch als einer, der sich zeitlebends zu entziehen wusste und dem dies auch noch posthum gelingt: So sieht ihn der Dokumentarfilm "Udo Proksch - Out of Control" von Robert Dornhelm. Schon der Titel betont den Aspekt des Unkontrollierbaren und deshalb auch Unfassbaren, auf den sich der Film in der Folge konzentrieren wird. Dornhelm kann auf rares Archivmaterial zurückgreifen: auf Fotos, Korrespondenzen, Filmdokumente oder auf die eigenen Filmversuche von Proksch an der Simplicissimus-Geschichte, samt Panzer und Degen.

Weiters hat Dornhelm Interviews mit einer illustren Reihe von Ex-Ehefrauen, Freunden, Zeitgenossen, Gegnern geführt: Daphne Wagner und Erika Pluhar, Niki Lauda und Ex-ORF-General Gert Bacher, die SPÖ-Politiker Bruno Aigner und Helmut Zilk, Staatsanwalt Peter Müller und noch etliche andere mehr sind im Film als Talking Heads zugegen.

"Udo Proksch" zeichnet so den Lebensweg eines Mannes, Jahrgang 1934, nach, der sich in spektakulären Selbstdarstellungen gefiel. Der sich in verschiedensten Metiers versuchte und meist reüssierte. Bis er schließlich 1990 wegen sechsfachen Mordes und Mordversuchs verurteilt wurde und die Jahre vor seinem Tod 2001 im Gefängnis verbrachte.

Manche Erinnerungen der Interviewpartner hat man nachgestellt. Animierte Sequenzen führen in der Manier der TV-Krimi-Serie "CSI" (oder des US-Dokumentaristen Erroll Morris) direkt in die elektrisierte Nervenzentrale des Udo Proksch. Einzelne seiner polternden Statements ("Wenn ich einen bescheißen kann, werde ich ihn bescheißen.") werden vor diesem Hintergrund wiederholt und betont. Zu einer Klärung trägt das allerdings nicht bei, vielmehr wirkt es beschwörend, arbeitet mehr am Mythos als an dessen Entzauberung.

Auch die Aussagen der Befragten, die in der Montage zunehmend verknappt und gewissermaßen ineinander verschränkt werden, laufen schließlich darauf hinaus, dass 20 Jahre nach Verurteilung kaum einer der Befragten sich eindeutig dazu äußern wollte, dass Proksch für den Untergang des Frachters Lucona und den Tod der Besatzung verantwortlich war.

Insgesamt bleibt "Out of Control" eher anekdotisch. Zu den teils unfassbaren - auch unfassbar einfältigen - und in jedem Fall sehenswerten Dokumenten und (Selbst-) Zeugnissen aus Prokschs Nachlass würde man sich die analytische Außenperspektive Unbeteiligter wünschen.

Jüngere Zuseherinnen und Zuseher werden sich dagegen vielleicht auch darüber wundern, wer da so viele so lange am Schmäh gehalten hat. (Isabella Reicher/ DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2010)

 

Ab Freitag im Kino

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19 Postings
Zeitzeuge Katzi
00
23.3.2010, 12:51
Interessante Verbindung...

http://tinyurl.com/ybnyu6j

BerlinMitte
00
11.3.2010, 19:24
Piefke

Proksch war Piefke, Austria ist exkulpiert. Das ist eine Germanendoku.

P.S.: Schuld war wenn überhaupt der Pretterebner!

schwadronowski
03
11.3.2010, 14:12
wieso verbrecher wie der proksch oder der mühl

in österreich durch filme und ausstellungen nachträglich verehrt und glorifiziert werden

Stahl_____666
24
11.3.2010, 12:18
.

Wurde Heinz Fischer auch interviewt? Schließlich war der ja auch Mitglied in Prokschs Club 45

Frico
01
11.3.2010, 20:39

Den Haider haben sie auch vergessen zu interviewen, der war nämlich auch dort. Auch der Steger und sonstige Typen, die damals die Spitze der FP bildeten. Auch die Schwarzen hatten ihre Vertreter im Club, wurden dort doch Geschäfte abgeschlossen und da wollten die Schwarzen natürlich auch dabei sein. Warum auch nicht. Hat damals niemanden wirklich gestört, bis auf den Aigner - heutiger Pressechef des Bundespräsidenten. Dem war der Club schon damals nicht geheuer. Aigner ist übrigens Sozialdemokrat und kein Konservativer oder Rechter!

Kahuna
00
11.3.2010, 18:33
UND....

Vranitzky, Androsch, Gratz, Blecha, Zilk, Sekanina, Haiden, Lanc etc.

Proksch in illustrer Gesellschaft.

Die perverse Logik der Rechten
11
11.3.2010, 11:28
Uiuiui - eine weitere Niederlage für die Anständigen und braven Übermoralisten ...

... Ein Massenmörder ist beliebter als Sie . Warum das wohl so ist ?

Bienenkönigin
10
11.3.2010, 17:15
Warum UP beliebter ist?

DAS ist die perverse Logik der Linken! Nur seine Kumpane können diesen Verbrecher wieder aufleben lassen!

Die perverse Logik der Rechten
00
12.3.2010, 12:45
Warum das so ist ?...

... Weil er der bessere Mensch ist bzw war . Übermoralisten würden ja genau das machen was Sie offiziell verurteilen wenn Sie nicht zu feige dafür wären (So ist das Leben - ihr seit durchschaut - gebt auf)

roland-p
22
11.3.2010, 08:06

Ein Hammer war auch ein Dornhelm-Interview in der OÖN letzte Woche, in welchem er sagt, dass es im Fall Lucona zahlreiche Ungereimtheiten gibt, z. B. dass man das Wrack in dieser Tiefe so schnell gefunden hat, während man für die weniger tief gesunkene Titanic 40 Jahre gebraucht hat.

Vielleicht liegt es einfach daran, dass das Equipment in den 80er-Jahren ausgefeilter war als zur Zeit der Titanic? Und außerdem: So schnell wurde die Lucona auch wieder nicht gefunden, das hat immerhin doch 12 Jahre gedauert.

Frico
00
11.3.2010, 20:25

Nicht eimal 1 Woche wurde gesucht, von wegen 12 Jahre. Eine zweite Woche, wäre auch nicht mehr finanziert worden. Man hat diese Suche damals als eine Schnapsidee empfunden. Nie und nimmer hat man geglaubt, dass dieses Schiff jemals gefunden werden kann. Das Schiff musste innerhalb einer Woche gefunden weren, oder es wäre nie gefunden worden und die Bundesländer Versicherung hätte Konkurs anmelden müssen. Die hatten nämlich eine branchenübliche Rückversicherung "vergessen"!

Aber, um das zu wissen, hätte man halt ein wenig recherchieren müssen, oder sich einfach erinnern, bevor man irgendeinen Unsinn verbreitet.

roland-p
00
14.3.2010, 13:02

Ich habe nur gemeint, dass die Lucona Ende der 70er-Jahre gesunken ist und Anfang der 90er-Jahre gefunden wurde. Dass nicht 12 Jahre lang durchgehend gesucht wurde, ist mir auch klar.

Sie wollen doch nicht ernsthaft abstreiten, dass Dornelms Titanic-Vergleich wirklich sehr, sehr idiotisch ist, oder?

madman
01
11.3.2010, 07:30
schließe mich meienm vorredner an

der typ als mythos? da ist doch jemanden der stoff ausgegangen, respektive hatte da jemand zuviel davon

Frico
10
11.3.2010, 20:34

Du schliesst dich deinem "Vorredner" an? Hörst du Stimmen? Geh zum Doktor, ich höre nämlich nichts wenn ich da herum surfe!

pardon!
16
10.3.2010, 21:54

bin ehrlich gespannt, wer mir die moral von der geschicht' erklärt. proksch war ein mehrfacher mörder, hat einige wegbegleiter (klar, selbst schuld) in die tiefe gerissen. ok, er hat brillen designt. und? er war schwer kriminell. wer braucht so einen film? wer die damit verbundene publicity? erstaunlich, dass es dafür eine filmförderung gibt, die andere sicher dringender brauchen hätten können. wenn schon nicht andere filmemacher, dann die hinterbliebenen der ofper prokschs.

Frico
00
11.3.2010, 20:32

Schau dir doch einmal das Fernsehprogramm an und zähle, wie viele Menschen da täglich gekillt werden. Muss wohl so sein, da Kriminalgeschichten halt spannender sind, als ein Bericht über Taubenzüchter.

Conclusio: Es werden eine Unmenge Filme über Mörder und andere Verbrecher gedreht, die meisten halt fiktiv. Dieser Proksch Film ist nun einmal eine reale Geschichte, warum sollte man gerade denn das nicht machen. Deine Logik verstehe wer will, ich bin damit einwenig überfordert!

pardon!
01
11.3.2010, 20:39

meine logik - ich halte einen fiktiven mord für "besser" als einen realen und ich lehne jede art der bühne für einen, wenn auch toten, kriminellen ab. sie werden jetzt sicher sagen, dann dürfte man auch keinen film über die alten römer oder frau kleopatra drehen und vielleicht hätten sie damit sogar recht. ich hätte mit dem film weniger ein problem, würde er nicht offensichtlich ganz wesentliche aspekte ausblenden. aber jedem das seine!

hans graucher
01
11.3.2010, 08:26

hab den film zear noch nicht gesehen und kann mir daher auch keine meinug bilden, grundsaetzlich muss es aber natuerlich auch moeglich sein Filme (auch mit Foerderungen) ueber Moerder zu drehen. Und dass es in diesem Fall um einen Moerder geht der engste Verbindungen zur Politik unterhielt macht die Sache mMn auch ein wenig interessanter (angeblich spart der Film aber leider einen wichtigen Aspekt aus, naemlich wie Proksch bis zu seiner letztenedlichen Flucht und Verhaftung von seinen Spezis beschuetzt wurde).

Will damit nur sagen, dass ich nicht der Meinung bin, dass ein Film immer eine "Moral von der Gschicht" haben muss, oder nur fuer Eitel und WOnne sorgen muss

roland-p
00
14.3.2010, 13:05

Wenn man sich Dornhelms Interviews zu dem Film durchliest, ist aber davon auszugehen, dass der Film äußerst unkritisch ist und Proksch sogar glorifiziert. Dornhelm behauptet ja selbst nach wie vor, dass Proksch nicht gewusst hat, dass dabei Menschen sterben, wenn er ein Schiff in die Luft jagt ...

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