"Ohrfeige" für Biden bei Israel-Besuch

Ben Segenreich, 10. März 2010 18:56

Dienstagfrüh noch allerwärmste Worte, am Abend ließ der US-Vizepräsident seinen Gastgeber Netanjahu eineinhalb Stunden lang warten

Ein Bauprojekt überschattet den Israel-Besuch Joe Bidens

*****

Der Besuch, mit dem Joe Biden seine persönliche Freundschaft zu Israels Premier Benjamin Netanjahu und das besondere US-israelische Verhältnis zur Schau stellen wollte, wurde dem US-Vizepräsidenten durch eine Baukommission des israelischen Innenministeriums gründlich verdorben. Schlagartig wurde Dienstagabend ein Wohnungsprojekt in Ostjerusalem zum dominanten Thema, das auch Bidens gestriges Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas überschattete.

Israels Entscheidung "untergräbt das Vertrauen, das wir gerade jetzt brauchen, um fruchtbare Verhandlungen zu beginnen" , sagte Biden in Ramallah, "deshalb habe ich diese Handlung sofort verurteilt" . Abbas verlangte die Zurücknahme der Entscheidung, die "die Verhandlungen bedrohen" würde. Die Arabische Liga wollte in einer Krisensitzung darüber beraten, ob die eben erst erteilte Zustimmung zu indirekten Verhandlungen der Palästinenser mit Israel widerrufen werden soll.

Während Biden in Jerusalem sein Programm absolvierte, war bekanntgeworden, dass das Innenministerium den Bau von 1600 zusätzlichen Wohnungen im Viertel Ramat Schlomo bewilligt hatte. Die Zone gehört aus israelischer Sicht zum israelischen Staatsgebiet, aus palästinensischer Sicht ist sie Teil des Westjordanlands. Biden veröffentlichte sofort eine beißende Erklärung: "Ich verurteile die Entscheidung der israelischen Regierung" , hieß es darin, denn "sie läuft den konstruktiven Gesprächen zuwider, die ich hier in Israel geführt habe" . Dass Biden mit 90-minütiger Verspätung zum Abendessen mit Netanjahu erschien, wurde als schroffes Unmutssignal ausgelegt.

Rein technische Sache

Israelische Medien und Politiker sprachen gestern verlegen oder zornig von einem "unglücklichen Zeitpunkt" , einem "groben Fehler" oder gar einer "Ohrfeige" für Biden, die Israel politischen Schaden zufügen würde. Im Umfeld Netanjahus schien man überrascht, und auch der zuständige Innenminister Eli Jischai von der religiösen Schass-Partei versicherte, nicht gewusst zu haben, dass die Sitzung der Baukommission ausgerechnet für den Tag des Biden-Besuchs anberaumt war.

"Ich glaube, dass wir bei hochrangigen Besuchen der US-Regierung Feingefühl zeigen sollten" , sagte Jischai im Radio, "wir haben sicher kein Interesse daran, jemanden zu provozieren." Es habe sich allerdings um eine "bloß technische" , von Beamten erteilte Zwischenbewilligung gehandelt. Der Innenminister oder gar der Premier würden sich mit derartigen Angelegenheiten nie befassen. (Ben Segenreich aus Tel Aviv, DER STANDARD, Printausgabe 11.3.2010)

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unterm Standard
17.03.2010 11:27
90min Wartezeit....

hehe, vermutlich haben sie eh ohne ihn angefangen ;)

Makronaut
11.03.2010 15:55

dazu gudrun harrer:

"Die selbsterstellten isr Bau-Moratoriumsregeln verletzen übrigens beide Projekte nicht."

na sieh mal an.

die isr haben also nichts an den bedingungen geändert, unter denen die pal für indirekte gespräche zugestimmt haben.

ich freue mich ja über alles, was die usa dazu brinegn könnte, druck auf die isr auszuüben - aber den pal scheint es auch nicht wirklich ernst mit gesprächen zu sein.

bradbirn
11.03.2010 13:58
warum

bauen eigentlich nicht dort die P ihre siedlung(en) aus? liegts am geld? am "projektmanagement"? warum kommen die den israelis (in den bestimmten gebieten) denn nicht zuvor? es kommt mir so vor als wie wenn die immer nur jammern aber selbst nie das heft in die hand nehmen. und wenns für die israelis interessant ist dort zu bauen, warum den nicht auch für die palis?

mistaG
11.03.2010 14:24
weil...

...die israelis dann alles erbaute platt walzen und die dort lebenden leute vertreiben oder deren häuser in besitz nehmen und baukosten sparen.

Walter KURTZ
 
11.03.2010 13:23

Joe Biden wird nicht einmal in den USA ernst genommen, warum also in Israel?

Mike Müller
 
11.03.2010 10:47
Das ganz interessante daran ist das

Israel nur den Zeitpunkt als unglücklich sieht weil sie gerade zufällig Besuch aus Amerika haben. Das sie geltende Uno Vorgaben verletzen stört sie scheinbar überhaut nicht. Die Verletzung von Uno Recht ist die eigentlichen Frechheit nicht dass es angekündigt wird wenn der Biden da ist. Sie könnten was für den Frieden und gegen den Antiisraelismus tun, aber mit überheblichkeit und unendlicher Arroganz wird das nichts. Mal schauen wie lange Israel noch die Opferkarte bei seinen Freunden ziehen kann?

Optimisticus
 
11.03.2010 09:52
Der Innenminister oder gar der Premier würden sich mit derartigen Angelegenheiten nie befassen.

Der Satz ist an Arroganz schon fast nicht zu überbieten. Damit git die Regierung offen zu, dass es Ihr egal ist, wer wann wieviel Häuser in Ost-Jerusalem und im Westjordanland baut

GENDERLOS
13.03.2010 14:59

Da können unsere Politiker was lernen!

Wenn wieder mal unverschämte Forderungen kommen sollte einfach zitieren: "Der Minister oder gar der Kanzler würden sich mit derartigen Angelegenheiten nie befassen. "

zimbo
 
11.03.2010 08:19
Ist die abgesprochenen Farce doch noch gekippt worden ?

Karli Valentino
11.03.2010 07:02
"wir haben sicher kein Interesse daran, jemanden zu provozieren."

aus dem mund eines israeli klingt das wie aus einem satireprogramm

Der Alte vom Berge
11.03.2010 01:10
Her Damit ,...

...wisst Ihr doch wenig damit Anzufangen,

--

bibliothekar
10.03.2010 21:36

Und wenn man ohrfeige schreibt versteht das auch der ungebildete prolo, oder warum wird so eine ausdrucksweise verwendet?

Ein nitupsaR
 
11.03.2010 01:04

Weils a Zitat ist. Drum stehts auch unter Anführungszeichen.

Was ich nicht versteh, ist, warum das eine Ohrfeige _für_ Biden sein sollte. War ja eher eine Ohrfeige _von_ ihm.

käptn iglo's rache
10.03.2010 20:21
ein kasperltheater. sonst nichts.

israel spielt katz und maus mit der ganzen welt. die usa spielen mit und zeigen sich jetzt pseudo-entrüstet. insgeheim ist alles abgesprochen.

777anton
11.03.2010 06:00
und schon wieder einer

mit der Versschwörungstheorie von der jüdischen Weltherrschaft.

schniggschnagg
 
11.03.2010 12:23
Und wieder einer...

...der glaubt, daß alles leiwand ist und nur alle anderen die Probleme machen - und auf Israelkritik mit dem Naziargument kontert!

gladio
10.03.2010 20:15
Was ist daran so schwer

erstmal keine Häuser mehr in den besetzen Gebieten zu bauen? Das macht Israel kein bischen sicherer, eher im Gegenteil.

Wenn Obama jetzt nicht irgend etwas unternimmt, hat er endgültig sein Gesicht verloren.

linx
10.03.2010 20:15
Bei mir hats gebrannt
10.03.2010 20:11

Habe den Eindruck, dass die USA den Konflikt absichtlich Jahrzehnte schwelen lassen. Ein weiterer Krisenherd, der ggf. leicht zum Kriegsgebiet gemacht werden kann, wenn der Rüstungsexport es verlangt. Hm.

Gerda Soros
11.03.2010 07:20

kompletter Blödsinn.
Die USA mögen unwillig sein (wegen Pressure-Groups in den Staaten) oder unfähig, diesen Konflikt zu lösen. Ihn aber zu schüren, wäre an Blödheit nicht zu überbieten, weil dieser Konflikt durchaus eines Tages zu einem 3. Weltkrieg führen könnte.

standardniveau
10.03.2010 20:23
unsinn

linx
10.03.2010 20:09
Captain Smoker
10.03.2010 19:53
"unglücklichen Zeitpunkt"

Naja, Isreal ist halt (besonders seit Bush) gewohnt, dass man quasi tun und lassen kann was man will. Jetzt ist man eben überrascht wenn jemand mal sagt, dass ihm was nicht gefällt.

Dr. Wolfgang S. (Kanzler a.d.)
10.03.2010 19:46
"schass partei"

ich hoffe, der name ist nicht programm!

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