Beispielloser Politskandal

Das kriminelle Gesamtkunstwerk Udo

10. März 2010, 18:55
  • Artikelbild
    foto: apa/jäger

    Udo Proksch auf dem Weg ins AKH im Februar 1990. 1989 wurde er nach Flucht verhaftet.

Eine Doku von Robert Dornhelm zeigt Udo Proksch als Darling der Schickeria - Was fehlt, sind die Hintergründe der größten politischen Vertuschung eines Verbrechens in der Zweiten Republik.

Am 27. 6. 2001 starb bei einer versuchten Herztransplantation in Graz der damals erst 67-jährige Udo Proksch. Er saß lebenslang wegen sechsfachen Mordes, 1992 verurteilt. Um seinen Fall, um seinen relativ frühen Tod, um sein ganzes wüstes Leben spinnen sich Legenden, die für einen Schlüsselroman und ein paar Filme ausreichen würden.

Neu ist jetzt eine Filmdoku von Robert Dornhelm. Udos Freunde, Frauen und Fürsprecher kommen zu Wort, sparsamer seine Gegnern. Für kritische Kenner des Falls und des Mannes ist Dornhelms Out of Control eine halbe Themenverfehlung.

Die eigentliche "Sittengeschichte" ist nicht die des Künstlers, Frauenverbrauchers, gefährlichen Hofnarren und Mega-Netzwerkers Udo, sondern der politische Aspekt: Wie über ein Jahrzehnt lang ein Verbrecher geschützt wurde, mit glatten Rechtsbrüchen, mit Desinformationskampagnen bis tief in seinen dann endlich doch stattfindenden Prozess hinein.

Warum? In vielen Artikeln wird Udos Genie als Entertainer erwähnt, seine verrückten Einfälle (meist mit Militärhintergrund) wie etwa seine Fallschirmlandung (mit Demel-Torte) bei einer Geburtstagsfeier des Krone -Herausgebers Hans Dichand. Es war aber auch möglich, ihn für einen unseriösen, irgendwie unheimlichen Patron zu halten, mit Hang zu wirren geistigen Ausflügen (meist in die NS-Folklore). Er verstand es allerdings meisterhaft, auf andere Menschen einzugehen.

Jedenfalls verschaffte er hauptsächlich "roter" Aufsteiger-Prominenz (Androsch, Zilk, Gratz, Blecha) in seinem "Club 45" im Demel die ersehnte Erholung nach trostlosen Parteiabenden im "Haus der Begegnung Simmering". Proksch war auch ein Gelegenheitsmacher, was Frauen betrifft. Ganze Model-Agenturen wurden zu seinen Festen bestellt. Der Demel war auch eine Art "Haus der Begegnung".

Hans Pretterebener nennt Proksch im Interview mit dem Standard ein "kriminelles Gesamtkunstwerk". Kurz gefasst ging es um den Untergang des Frachtschiffes "Lucona", das 1977 im indischen Ozean mit einer riesigen Explosion unterging. An Bord eine "Uranmühle", in Wahrheit von Proksch beschaffter Industrieschrott. Versichert bei der schwarzen "Bundesländer" um einige dutzend Millionen. Als sich Medien und Justiz zu interessieren begannen begann eine gigantische Abwehrschlacht. Innenminister Karl Blecha untersagte seinen Behörden Ermittlungen. Der rote Oberstaatsanwalt Otto F. Müller blockierte seine Staatsanwälte . Justizminister Harald Ofner (FPÖ) fand "die Suppe zu dünn". Außenminister Leopold Gratz ließ durch seine Diplomaten vom rumänischen Geheimdienst (!) gefälschte Schiffspapiere besorgen.Und selbst der große Bruno Kreisky eröffnete skeptischen Journalisten: "Das Schiff hat sicher der israelische Geheimdienst torpediert".

Michael Jeannée bezeichnete den "Lucona"-Kapitän und Anti-Proksch-Zeugen als "Lügner" und noch während des Prozesses erschien die Krone mit der entlastenden Falschinterpretation eines Fotos des am Meeresgrund gefundenen Schiffes.

Nach endlosen Blockaden, Verhaftungen, Enthaftungen, einer Flucht von Proksch nach Manila (mit Gesichtsoperation), nach neuerlicher Verhaftung dann endlich der Prozess. Selbst der Richter Hans Christian Leinigen-Westerburg, hielt alles zunächst nur für eine Fehde zwischen "Freimaurern und CV" - Österreich liebt Verschwörungstheorien. Es war aber ein banales Verbrechen und eine gigantische Vertuschung.(Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 187
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erinnye
 
01
25.3.2010, 19:52
kein Kunstwerk

sondern ein mieser, sechsfacher Mörder!

chebyshev
00
24.3.2010, 17:00
ja, die goldenen Kreisky-Jahre, als die Welt noch

gut war. Vor BUBOG hatte ich immer kritisiert, warum man man wegen der Homepage dermaßen überzogen gg KHG reagierte. Früher hätte ich auch formuliert, dass sein club 45 sicher kein Priesterseminar war, heute sollte man diesen Vergleich nicht mehr bemühen.

Knochenmann
03
16.3.2010, 11:27

Rot: Heute könnte sowas nichtmehr passieren.
Grün: Muhaha.

fischer heimo
02
15.3.2010, 21:58
Schoen nur, dass sich besagter Richter eine Urlaubsreise in die Karibik zahlen lies ...

... auf Kosten des Steuerzahlers die Untergangsstelle besichtigen (nix als Wasser).
Und zusaetzlich fuer eine (nicht naeher genannte kleinhorizontige) Zeitung Fotos mit werbewirksamer Getraenkedose in der hand machen lies ...

Stinkefinger für Pröll
10
15.3.2010, 21:57
pröll peppi könnte sein bruder sein

JaneDoeKnowsBest
 
00
13.3.2010, 12:14
?

Was ist das nur mit Österreichern und dem Hang zur Morbidität??

graeslein
 
01
13.3.2010, 10:45



Kriminellen Typen ist oft ein ganz besonderer diabolischer, manipulativer Charme eigen. Das gilt in erster Linie für Betrüger, die oft ihr gesamtes Umfeld mit in diese kriminelle Abwärtsspirale reißen. Proksch war so jemand, der sich dabei nicht scheute, im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen zu gehen.

Prof. Alois
 
01
21.3.2010, 12:55
Aber was hat man an geistiger Urteilkraft von einer Regierung zu halten

in der gleich drei Minister - Blecha, Gratz. Lütgendorf - so wem auf den Leim gehen?
Ein umtriebiger Proksch mit politischer Bedeutung eines Waluliso wär ja kein Problem gewesen. Aber die Regierung dafür einspannen, dass ein Schiff versenkt wird und dabei Leute zu Tode kommen?

Wie soll man sich sowas denn vorstellen: Mann mit krimineller Energie lädt Minister in seinen Club und nach der zweiten Flasche Schampus und "Gefälligkeiten" der anwesenden Damen, geht man zu Geschäftlichem über: Geh kann ma denn da nix machen? Die Versicherung zahlt eh.

agarthianer
01
12.3.2010, 15:31
"schön dass Du wieder da bist "

der Wissenschaftsminister zu Udo :
http://derstandard.at/126774372... eben-Leute

Job.
04
18.3.2010, 23:20

In den Jahren 92 und 93 wurden die SPÖ Politiker Fred Sinowatz und Leopold Gratz
wegen falscher Zeugenaussage verurteilt.
Im jeweils darauffolgenden ORF-Interview sagte Fischer prompt: „Das ist ein Fehlurteil“ – und das als NR Präsident !

Kontrahent1
00
13.3.2010, 10:50
Unser HBP hatte eben noch nie

Berührungsängste. Bei keinem Teil der Bevölkerung - oder doch bei einem ?

Prof. Alois
 
01
18.3.2010, 20:38
Bei k einem. Sagens es getrost

Zu Kreisky Zeiten ging man "ein Stück des Weges" gemeinsam mit welchen, die weit rechts des Weges marschieren.

Zivilgeselle
12
12.3.2010, 11:12
Korrupte Systeme werden gefördert

Es ist leider zu beobachten, dass sich die systematische Vertuschung von Schwerverbrechen im Umfeld von Politgünstlingen seit Proksch nicht verbessert sondern tendenziell verschlechter hat.

Warum ? Damals und heute wird politisch gewolltes Kontrollversagen einfach nicht als Korruption verfolgt. "Da ko man nichts mochn" oder "wir werden kan Richta brauchn" ersetzt für diese Polit- und Wirtschaftmafia die strafbewehrten Spielregeln.

Es gibt so viele traurige Beispiele von jahrelanger Vertuschung ........ Der Glaube der Bürger an Rechtsstaat und Demokratie ist verschwunden. Aus der Kirche kann man nötigenfalls austreten. Von der Politk wenden sich die angeekelten Missbrauchten ab.

Prof. Alois
 
02
12.3.2010, 20:21
Das muss ich energisch bestreiten

Lucona und Noricum waren schon die absoluten Tiefpunkte in der 2. Republi k. Dass Menschen ums Leben kommen, ist später nicht mehr vorgekommen. Später pendelte sich das alles wieder auf dem - unguten - Niveau ein, dass sie ganz richtig bechrieben haben.

Antun Zonger
02
14.3.2010, 16:41
Bravo, Sie haben die Tarnung also auch gefunden!

Nach meiner Meinung hat der Herr Dedektiv die Tarnung (Uranerzaufbereitungsanlage) gefunden, die Fracht der Lucona aber nicht.
Und damit die schwarze Reichshälfte, die die Geschäfte des Herrn Gratz sicher kannte, schwieg, wurde die "Uranerzaufbereitungsanlage" nicht bei der "Wiener Städtischen" sondern bei der Bundesländer versichert, die ja dann per "Bundesländer-Skandal" als schwarzer Selbstbedienungsladen bekannt wurde.

Die Lucona hätte Hongkong so oder so nie erreicht - wozu auch? Hätte man sie nicht vorher versenkt, sie wäre nicht weiter als bis Kambodscha gekommen.
Fracht: Waffen und Munition.
Wurde nie gefunden, das wurde ja auch nicht gesucht. Vorsichtshalber nicht....
Und sie tanzen einen Tango - rot und schwarz....

raymond a
07
11.3.2010, 23:24

eine unfassbare Geschichte...

ungalublich, dass der Udo mit Hilfe seiner Habera fast durchgekomen wäre.

so unsympathisch mit Pretterebner auch ist - es war wohl die wichtigste journalistische Arbeit, die je in Österreich geleistet worden ist.

beschämend, dass einige der Habera immer noch an ihren absurden Verschwörungstheorien festhalten, statt der Realität ins Auge zu schauen.

melli91
00
18.3.2010, 11:04
und politische Funktionen ausüben!!!

Es ist nicht zu fassen.

Prof. Alois
 
01
16.3.2010, 20:57
Einige dieser Habara

sind noch politisch tätig. Ganz vorne ein gewisser Blecha. Wenn der gemeinsam mit dem Khol von der ÖVP die Pensionisten "verteidigt", dann ist dem Khol der Vorwurf zu machen, dass er sich mit solchen Gestalten zusammentut.

Kontrahent1
01
19.3.2010, 10:48
Ich hab die mir zugeschickte

Zeitung schon mehrfach abbestellt, denn ICH möchte nicht von solchen Typen vertreten sein. Ich mag zwar schon ein gewisses Alter haben, aber dement bin ich noch nicht.

roland-p
01
12.3.2010, 15:04

Hervorragend formuliert, genau so sehe ich das auch

Freigeist
32
11.3.2010, 17:38
udo proksch kannte schlicht und einfach keine grenzen

weder persönliche, noch moralische, noch gesetzliche

eigentlich beneidenswert, wenn jemand sein leben so lebt wie er will und es schafft sich alles so hinzubiegen, wie er es braucht.

seien wir doch ehrlich: würden wir das nicht alle gerne?

doch für die freiheit des einen, gab es opfer bei den anderen; im fall proksch sogar todesopfer. damit ist er entschieden zu weit gegangen.

Prof. Alois
 
04
11.3.2010, 20:34
Nein nein

Jemand hat ihn tun lassen. Das muss man schon dazusagen. Der durfte alles. Herumschießen in geschlossenen Räumen. Sprengen gehen beim Bundesheer. So richtig, mit den hochbrisanten Sachen. Polizei hatte sich fernzuhalten, denn der Innenminister Blecha und die ganze Ministerriege der SP hielt da die Hand drüber.

Mirstetta Toni
07
11.3.2010, 17:09

wenn man die richtigen künstler und politiker kennt werden aus kinderschändern und mördern noch ganz tolle persönlichkeiten gemacht.

zum anschbeiben!

robinsons freitag
01
11.3.2010, 16:49
Zu Proksch habe ich vor einigen Jahren folgende, sehr unverbindliche Story gehört:


Proksch saß in Karlau und wurde auch in Graz operiert. Etliche Monate vor seiner Operation hatte er mehrmals hören lassen, dass es allmählich Zeit sei die Abmachung einzuhalten, ansonsten er mit (Foto-) Enthüllungen kommen und sich einige Leute ganz schön wundern würden.

Nun, welche Abmachung? Laut Gerücht gab es das Versprechen, dass er, Proksch, relativ kurz (wegen guter Führung etc.) einsitzen solle um durch diese Sündenbockfunktion Gras über die Sache wachsen zu lassen und so den in der Causa involvierten Personen die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern.

Da aber die Betreffenden keinen Einfluss (oder kein Interesse) mehr hatten, war es scheinbar billiger den guten Udo durch eine missglückte Operation zu entsorgen.
Wenn´s wahr ist

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