Preisdruck im Tourismus hält weiter an - Österreich gewinnt Marktanteile
Berlin - "Es muss uns gelingen, die Stimmung mit der tatsächlichen Datenlage in Einklang zu bringen." Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner brachte zum Auftakt der Internationalen Tourismusbörse (ITB) am Mittwoch in Berlin auf den Punkt, was vielen in der Branche Sorgen bereitet: Die aktuellen Wirtschaftsdaten zeigen, wenn auch vorsichtig, wieder nach oben; dennoch wollen große Teile der Bevölkerung in Deutschland und anderswo nicht so recht daran glauben. Das führe dazu, dass der Preisdruck in der Branche steige und die fetten Jahre in noch fernere Zukunft rückten.
Durch einen gezielteren Mitteleinsatz soll die Österreich Werbung (ÖW), Österreichs größte Tourismus-Marketingorganisation, versuchen, die Diskrepanz zwischen Sein und Schein zu verringern. Zusätzliches Geld für die ÖW (drei Viertel Bund, ein Viertel Wirtschaftskammer) wird es so schnell nicht geben, ließ Mitterlehner mit Hinweis auf die Situation des Staatsbudgets durchklingen. Derzeit verfügt die ÖW über ein Jahresbudget von 52,2 Mio. Euro, wobei für Marketingmaßnahmen effektiv 31,85 Mio. Euro zur Verfügung stehen.
Trotz Einbußen im Tourismusjahr 2009, die sich in den ersten Monaten der laufenden Wintersaison (November bis Jänner: minus 2,0 Prozent) fortgesetzt haben, mussten andere Länder noch stärkere Einbrüche verkraften. Nach Zahlen des Wirtschaftsforschungsinstituts hat sich folglich Österreichs Anteil an den Einnahmen der internationalen Gäste innerhalb der EU-15 von 6,16 Prozent (2008) auf 6,72 Prozent (2009) verbessert. Damit liegt Österreich hinter Spanien (17,9 Prozent), Frankreich (15,8), Italien (13,3), Deutschland (11,5) und Großbritannien (10,2) an sechster Stelle.
Ziel sei es, die Marktanteile nach Möglichkeit weiter zu verbessern, sagte die Chefin der ÖW, Petra Stolba. Mitte der 1990er-Jahre lag Österreichs Marktanteil bei den internationalen Reiseeinnahmen bei mehr als acht Prozent.
In den Werbeanstrengungen will sich die ÖW auch heuer auf Deutschland, den wichtigsten Herkunftsmarkt der Österreich-Urlauber, sowie auch Zentral- und Osteuropa konzentrieren. Dabei gehe es einmal mehr darum, den Trend zu immer kürzeren Aufenthalten zu brechen und die Anzahl der Gäste, die länger als fünf Tage im Land bleiben, zu erhöhen.
Hans-Dieter Toth, Chef der Incoming-Tochter des Verkehrsbüros Eurotours, ist skeptisch. "Gegen einen gesellschaftlichen Trend anzukämpfen ist sinnlos" , sagte Toth dem STANDARD. (Günther Strobl aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.03.2010)