Sparvorgaben

Heer mit gestutzten Flügeln und gutem Gewissen

10. März 2010, 17:59

Auf Sparvorgaben reagiert Minister Darabos wie ein Musterschüler

Wien - Alle seine Amtsvorgänger haben darüber geklagt, dass das Bundesheer mit den vorgegebenen Budgetmitteln seine Aufgaben bestenfalls eingeschränkt erfüllen könnte. Auch seine Generalität hat genau das vor in einem Brief (dessen Existenz später geleugnet wurde) festgehalten.

Norbert Darabos aber hat ein anderes Verständnis vom Amt des Verteidigungsministers: Als am Dienstag festgestanden ist, dass seinem Ressort im kommenden Jahr weitere 80,3 und im Budget 2012 weitere 129,5 Millionen Euro gestrichen werden sollen, hat er sofort das Generalstabsbüro beauftragt, ein neues Sparprogramm auszuarbeiten und zur Umsetzung zu bringen. Selber konzentrierte er sich lieber darauf, die Geschichte aufzuarbeiten: Auf dem Gelände der Belgier-Kaserne liegen vermutlich noch die Leichen von Nazi-Opfern - ihnen soll nach Jahrzehnten endlich Respekt gezollt und dem Heer ein reines Gewissen verschafft werden. Zum Budget sagte der Minister nur: "Ich sehe es als meine Aufgabe an, die Einsparungen zu realisieren."

Man könne nicht überall sparen - sicher nicht bei den Kasernen und auch nicht bei den Personalkosten. Beim (laut Rechnungshof) teuren und wirkungslosen Assistenzeinsatz im Burgenland zumindest vorläufig nicht: Dieser ist bis zum Jahresende beschlossen - erst dann (und nach der Burgenland-Wahl) werde evaluiert. Sparpotenzial sehe er allein bei den Beschaffungsmaßnahmen. Auf die Frage des Standard, wo er konkret ansetzen könne, nannte Darabos die Fliegerkräfte. Dort gibt es bekanntlich nicht nur Eurofighter, sondern auch die veraltete Saab 105 als Trainingsflugzeug.

Diese Flugzeuge sind technisch am Ende ihrer Lebensdauer. Darabos deutete an, dass man "innovativ nachdenken könnte" , was die Nachbeschaffung dieses Fluggeräts betrifft. Klar ist, dass das Bundesheer nicht ohne solche langsamen Düsenflugzeuge auskommen kann.

Wie der Standard erfuhr, muss sich in den allernächsten Tagen entscheiden, wie es mit der Pilotenausbildung weitergehen soll: Denn am 15. März wird das europäische Kampfpilotenprogramm AEJPT neu strukturiert. Österreich nimmt daran seit Jahren teil - jetzt, wo es konkret wird, müsste klargestellt werden, ob und wie unsere Luftstreitkräfte dabei sein wollen. Vor allem aber: mit welchem Gerät. Denn das geplante neue italienische Trainingsflugzeug, die pro Stück 20 Millionen Euro teure M-346 von Alenia Aermacchi, steht wahrscheinlich erst gegen Ende des Jahrzehnts zur Verfügung. So lange werden aber die alten Saab 105 keinesfalls mehr fliegen können. Schon wird überlegt, ob Österreich für eine Übergangszeit Flugzeuge mieten kann - wie seinerzeit die Schweizer F-5. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2010)

Kommentar posten
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1 2 3 4
Peter Pichler
 
20
16.3.2010, 19:31
Ich finde es gut einen sparsamen Verteidigungsminister zu haben...

... das militärische Bedrohungsszenario, dem Österreich ausgesetzt ist, rechtfertigt beim Heer zu sparen...

Das Bundesheer ist einer jener Bereiche, die am häufigsten genannt werden, wenn ÖsterreicherInnen um Bereiche, in denen gespart werden könnte gefragt werden...

PS: Ich bin froh und dankbar, dass wir ein so günstiges Heer haben... die größte Bedrohung unserer Souveränität sind Staatsausgaben... nicht feindliche Soldaten...

piefkedeluxe
00
27.3.2010, 11:21
brille: fielmann

harte brille.

Der Mann im Fass
 
01
19.3.2010, 12:15
Wieso spart er dann nicht?

Wieso spart Hr. Darabos nicht dort, wo es am einfachsten ginge und am meisten brächte: am Assistenzeinsatz im Burgenland?

Sie haben Recht, nur sparen tut dieser Minister nicht. Leider!

Peter Pichler
 
00
19.3.2010, 16:28
Ich nehme an, dass das wahltaktische Gründe hat,...

... und das der Einsatz nach den Wahlen im Burgenland beendet wird...

... man kann kritisieren, dass das nicht sofort geschieht ...

... im Artikel geht es aber um andere Sparvorhaben und um die Tatsache, dass Darbos nicht wie ein Löwe gegen Einsparungsvorgaben des Finanzministers ankämpft....

Der Mann im Fass
 
00
19.3.2010, 18:32
Zustimmung

Wann wird dieser Minister endlich abgelöst?

Hank Williams1
01
15.3.2010, 21:44

ist das Heer einmal kaputt, gehts dem Norliberti richtig gut

Lünz
02
14.3.2010, 21:36
Mir fehlen die Worte! Der ist ja die absolute Inkompetenz in Person.

Nicht nur daß er Einsparungen in seinem notorisch unterfinanzierten Ressort ohne Widerworte hinnahm (zur Umsetzung der Reform wäre VIEL mehr Geld nötig). Auch die Höhe lässt ihn kalt.
Wenn ich mich recht erinnere will man Ausgabenseitig 1,7Mrd einsparen. Mit 80-130 Mio beteiligt sich das Heer mit ca. 5-7% obwohl es nur ca.1% der Staatsausgaben verursacht.
Nicht einmal bei den EF hat sich Darabos so über den Tisch ziehhen lassen.

rorschach
20
14.3.2010, 17:58
hui ja klar die einsparungen im

bundesheer war auch der erste punkt der mir ins auge gesprungen ist bei dem budgetplan .... und warum das heer bis zu darabos nicht in der lage war seine "Geschichte aufzuarbeiten" ist eine wirklich interessante Frage hat aber mit dem Budget wenig zu tun ...

Prof. Alois
 
01
19.3.2010, 23:15
Welche Geschichte aufarbeiten?

Es gibt da k eine Geschichte aufzuarbeiten.

Lila Panther
40
13.3.2010, 14:41
Ein kleines schlagkräftiges Berufsheer aufbauen, wie es praktisch schon überall auf der Welt üblich ist

Ist effizienter und billiger und stiehlt den jungen Menschen nicht vollkommen sinnlos wertvolle Lebenszeit. Miserabel ausgebildet, ausgestattet und demotiviert wäre ohnehin kein Wehrdiener in der Lage, Ö zu verteidigen, das sowieso nicht mehr in Konflikte zw Ost und West eingebunden ist, sondern in ein friedliches Europa.
Und zur Terrorismusbekämpfung gibt es gut ausgebildete Spezialeinheiten der Polizei.

Lazarus Long
03
14.3.2010, 15:20
Vielleich sollten sie sich einmal informieren, bevor sie einen Kommentar abgeben!

In ihrem Beitrag ist nicht ein Satz, der auch nur ansatzweise etwas mit der Realität zu tun hätte. ALLE Berufsarmeen sind weit aus teurer als Milizarmeen, von Effizienz sind sie Meilen entfernt (die meisten Berufsarmeen haben schon selbst zugegeben, das sie bei größeren Naturkatastrophen vollkommen überfordert wären und nicht mal ansatzweise genügend Personal hätten). Motivation suchen sie unter den Soldaten von Berufsarmeen vergebens und deren ach so gute Ausbildung in Berufsarmeen sorgt bei den den österreichischen Rekruten regelmässig zu Lachkrämpfen, wenn sie bei internationalen Übungen mit denen zu tun bekommen.
Praktisch jedes Land, das auf Berufsarmee umgestellt hat, hat diesen Schritt bereits bereut!

Randalf X.
23
11.3.2010, 22:26
Schafft das Bundesheer ab

weil nur eine verfassungsmäßiges Feigenblatt zu finanzieren das bringst auch nicht. Genießen wir dann die nächsten 20-30 Jahre bis uns die erste echte Krise erwischt und jammern wir dann 200-300 Jahre weil wir kein souveräner Staat mehr sind und es uns so schlecht geht. Opfern wir anschließend 25% der Bevölkerung um die Souveränität wieder herzustellen, wenden wir 10 mal so viel Kapital auf um ein BH wieder herzustellen und dann hoffentlich haben wir etwas daraus gelernt. Hoffentlich.

Hank Williams1
12
11.3.2010, 23:08
leider...

nur zu wahre und präzise Analyse
Eigentlich ein Verbrechen an uns allen was sich da abspielt

in der Tat
61
11.3.2010, 15:32
Möglicherweise

... ein erster Schritt zur Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht. Zuerst wird das Budget immer weiter gekürzt um anschließend festzustellen, dass das Heer in dieser Form nicht mehr zielführend ist. Zu dem Zeitpunkt wird es dann wohl auch bereits eine breite Mehrheit in der Bevölkerung für diesen Schritt geben.

Von der Idee her gar nicht so schlecht. Fragt sich nur: Warum müssen auf dem Weg dorthin so viele Milliarden verbraten werden?

der bunte faschist
13
11.3.2010, 21:40

geh ********.

ihr pfeifen seids doch immer die ersten, die sich in rettungsboot drängen.

kein interesse an solidarität, oder gar gemeinsames miteinander. purer egoismus - gehts meiner wirtschaft gut, gehts mir gut!

ceiberweiber.at
20
11.3.2010, 22:51
Klar...

weil du als letzter gehst, mann, mutiger mann... einfach absurd, da wird gross geredet, sobald es aber darauf ankommt.....

Hank Williams1
00
11.3.2010, 23:10
huu, ...

gaaanz coole(r) ceiberweiber KriegerIn !!!wow

MekongTscharli
02
11.3.2010, 15:05
"Auf Sparvorgaben reagiert Minister Darabos wie ein Musterschüler"

Tja, ohne SPÖ-Rückgrad ist man nicht zu solchen Leistungen fähig.
Da kommt der smarte Regent des BMLVS einem vor wie die (Hirnis), die den Kyoto-Vertrag unterzeichnet haben.

"Darf's ein bisserl mehr sein"

Geht es bei der Aktion um die Pension, wiederbestätigung als Minister, einen neuen besser bezahlten P(f)osten, ...

Functio Laesa
10
11.3.2010, 14:22
Die Geschichte

mit den Naziopfern aufzuarbeiten ist sicher sehr lobenswert aber ich unterstelle mal dass Leute in der Position eines Hrn. Darabos sehr berechnend sind und letztendlich mit der ganzen Aktion von irgendwas abgelenkt werden soll. So werden doch nicht Minister weil sie so ehrlich sind. Ohne Propaganda und schönreden von unangenehmen Dingen werden sie nie Minister. Grundsätzlich muß aber sowieso immer erst etwas passieren damit sich was ändert. So auch beim Bundesheer - also warten wir einfach................irgendwann wirds schon irgendwo mal krachen und dann wird man irgendwie irgendwem die Schuld dafür zuschieben dass der Verein so schlecht beieinander ist. Ein Bauernopfer um von der systemischen Unfähigkeit der Führung abzulenken.

styliann
92
11.3.2010, 13:46

Im 21jahrhundert braucht Österreich sowieso kein so großes Heer. 1-2 Große Kasernen in Österreich mit gut ausgebildeten Spezialtruppen (z.b. Jagdkomando, Katastrophenhilfe) können Österreichs "Pflichten" bei UN-Missionen genauso machen. Luftraumüberwachung ... ist mitten in der EU wohl nutzlos, genauso wie Panzerbrigarden. All das + Heerpflicht abschaffen und die Kosten würden um vermutlich 80% fallen.

Hank Williams1
01
11.3.2010, 23:17
genau...

bitte, bitte als Spezialtruppen eine Gulaschkanone und den Sängerknabenstrosstrupp.... dann lassen sich sicher die anderen EU Staaten aufs Aug drucken, dass sie für uns die Kastanien aus dem Feuer holen sollen ... weu wir so liab san !
Außerdem würde das beweisen,dass wir nie eine Nazigeschichte hatten .... weu wir so liab und eahrlich san ---richtiges Speibvolk !!!

Helmut-S
06
11.3.2010, 14:41
Sie gehören auch zu jenen...

...mit der magischen Kristallkugel die uns vorhersagen das es in den nächsten 20, 30, 100 Jahren immer Frieden in der EU geben wird, gell?

Und das wenn mal was passiert, sowieso sich NATO und EU um uns kümmern werden OHNE das wir einen Beitrag leisten.

Zahlen Sie die Feuerversicherung für Ihren Haushalt selbst, oder erwarten Sie von der Feuerversicherung des Nachbarn das diese mögliche Risiken abdeckt?

SagServus
04
11.3.2010, 14:37

Die Amerikaner werden sich freuen wenn wir unseren Luftraum für Hinz und Kunz aufgeben.

Das verschlingt dann keine Millionen mehr wenn man wieder um Österreich herumfliegen muss.

Functio Laesa
31
11.3.2010, 14:27
Ich bin auch der Meinung

dass ein ganz kleines spezialisiertes "Rumpfheer" vorläufig ausreicht. Aus diesem könnte dann in einer heraufziehenden Krise wieder ein Wehrpflichtigenheer entstehen. Dh. man behält die Kompetenz ein Heer zu betreiben weil man auf Personal zurückgreifen kann um die ursprünglichne Strukturen wieder aufzubauen. Aus nichts etwas zu machen wäre weit weit schwieriger. Ich denke dass überhaupt ein sehr mobiles Heer mit sehr viel tragbaren Lenkwaffen welches man nach Partisanentaktik einsetzen könnte weit sinnvoller wäre als eine klassisch aufgestellte Armee. Eine offene Feldschlacht gegen einen modern gerüsteten Gegner - seien es jetzt die Russen oder Amerikaner hätten wir ja ohnehin nie lange überlebt. Unsere Panzer und Artillerie wäre bald weg!

Randalf X.
02
11.3.2010, 20:55
Antwort an unseren Dipl. Wehrexperten

Krisen zeichnen sich ungefähr ein halbes Jahr vorher ab (siehe Jugoslawienkrise). Ein funktionfähiges Heer aufzubauen dauert Generationen zumindest Jahrzehnte (siehe Slowenien).

Das Rumpfheer von dem sie sprechen haben wir in Österreich bereits weil die Aufträge, die dieses Heer noch erfüllen könnte sind nicht mal das Papier wert auf dem sie stehen. Ich bin nach 10 Jahren vom Heer weggegangen weil es einfach keine Zukunft für diese Truppe gab und die Verantwortung für dieses Desaster trug nicht das Heer sondern die Politik, die Medien und die Bevölkerung.

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