Spardiktat

Suche nach Geldquellen

Johanna Ruzicka und Andreas Schnauder, 10. März 2010 17:53

Neben einer höheren Spritsteuer könnte die Regierung eine Abgabe auf Wasserkraft einführen

Erhöhung der Mineralölsteuer, Einführung einer Wasserkraft-Abgabe oder der kilometerabhängigen Pkw-Maut: Die Energiestrategie bietet viele Ansätze zum geplanten Stopfen des Budgetloches.

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Wien - 1,7 Milliarden Euro an Mehreinnahmen sind rasch gefunden. Auch wenn die Regierung - mit Ausnahme der 500 Mio. Euro schweren Bankenabgabe - noch keine Festlegung zur Budgetsanierung getroffen haben will. Eine Geldquelle könnte bereits am heute, Donnerstag, angezapft werden, wenn die "Energiestrategie 2020" vorgestellt wird: Sie enthält Vorschläge zur Anhebung der Mineralölsteuer (MöSt) ebenso wie eine neue Abgabe auf Wasserkraft.

Konkret könnte man nach dem Schweizer Modell die Flusskilometer versteuern, die für Wasserkraft genutzt werden. Eine andere Variante wäre die Belastung nach erzeugter Energie, wobei in beiden Modellen 500 Mio. Euro zu erzielen wären. Die Höhe einer solchen Abgabe steht innerhalb der Energiestrategie - mit dieser soll bis 2020 der Anteil der Erneuerbaren auf 34 Prozent gehoben werden - noch nicht fest, ließe sich aber relativ einfach einführen, sind die dazugehörigen Kraftwerke für die Energieversorger in der Regel doch bereits amortisiert.

Auch eine Erhöhung der Mineralölsteuer steht, wie der Standard berichtete, im Raum. Eine Anhebung der MöSt um zehn Cent je Liter Benzin undDiesel würde laut Wifo eine Milliarde Euro bringen. Abzüglich möglicher Ausgleichsmaßnahmen für Transportunternehmer oder Haushalte mit niedrigem Einkommen würden dem Staat immer noch 500 Mio. Euro bleiben. Einer Studie der Johannes-Kepler-Universität Linz zufolge hätte eine Anhebung der MöSt um zehn Cent bei entsprechender Zweckwidmung positive Auswirkungen auf die Volkswirtschaft. Demnach solle ein Drittel der Einnahmen für sozial schwache Haushalte und zur Althaussanierung verwendet werden. "Damit könnten ganz wesentlich die negativen Effekte abgemildert werden" , so die Uni Linz.

Rechnung für Autofahrer ...

Allerdings:Beschlossen wird heute gar nichts, lediglich ein bunter Strauß an Vorschlägen präsentiert. Die MöSt-Anhebung findet sich darin ebenso wie eine generelle Kohlendioxidabgabe oder die fahrleistungsabhängige Pkw-Maut (Road-Pricing). Die Maßnahmen wurden von allerlei Interessenvertretungen ausgearbeitet.

Die MöSt-Erhöhung wäre nicht nur eine willkommene Aktion zum Stopfen des Budgetlochs, sie würde auch die Klimabilanz verbessern. Auf den Tanktourismus müsste Österreich dennoch nicht verzichten, weil Treibstoffe immer noch billiger wären als in Italien und Deutschland. "Energiesteuern ohne Lenkungseffekt werden wir nicht zustimmen" , meint dazu die Umweltsprecherin der Grünen, Christine Brunner. BZÖ und FPÖpolterten gegen die generelle Mehrbelastung durch höhere Steuern. Autofahrerklubs und Mineralverband warnten am Mittwoch vorsorglich vor eine Anhebung der MöSt.

Ausgabenseitig ist das Bild noch nebuloser als auf der Einnahmenseite. Die meisten Ressortchefs konnten auch einen Tag nach der Präsentation der Budgetvorgaben durch die Regierungsspitze keine Angaben über Einsparungsobjekte machen. Mit 4,3 Milliarden Euro über vier Jahre macht der ausgabenseitige Konsolidierungsbedarf in Relation zur Wirtschaftsleistung sogar weniger aus als bei früheren Sparpaketen, beispielsweise 1997.

Was der Regierung besonders auf den Kopf fällt, sind die im Herbst 2008 im Wahlkampf beschlossenen Mehrausgaben, die nun wieder kompensiert werden müssen.

... und Familien

Das könnte beispielsweise die 13. Familienbeihilfe treffen, die 250 Millionen und damit in etwa so viel kostet, wie an Konsolidierung im Budget Familie und Jugend für 2011 eingestellt wurde. Der Präsident des Katholischen Familienverbands, Präsident Clemens Steindl, bezeichnete die Kürzungen in diesem Bereich bereits als "falsches und fatales gesellschaftspolitisches Signal" . Nicht weniger groß ist die Aufregung in anderen Segmenten. "Verwundert und enttäuscht" , zeigte sich die Universitätenkonferenz über Einschnitte bei Bildung und Forschung. "Die Rektoren fordern die Regierung auf, ihre eigenen Absichtserklärungen ernst zu nehmen und nicht im Interesse der einzelnen Institutionen, sondern im Gesamtinteresse der Republik die Mittel für Bildung und Forschung aufzustocken, anstatt zu kürzen" , erklärte ihr Präsident Hans Sünkel.

Große Aufregung gibt es naturgemäß auch wegen befürchteter Einschnitte in der Entwicklungszusammenarbeit. Das treffe die Ärmsten der Armen, sagten Vertreter von Diakonie, Caritas und Care unisono und verwiesen darauf, dass sich Österreich schon in den letzten Jahren von den EU-Ausgabezielen in Sachen Entwicklungshilfe entfernt habe. (Johanna Ruzicka, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.03.2010)

 

Kommentar posten
22 Postings
Tintifax2000
15.03.2010 10:08
bitte - endlich! - ...

die (nach oben unbegrenzte) steuerliche Absetzbarkeit von Steuerberatungsleistungen STREICHEN.

Man muß sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, hier wird GESPONSERT dass sich Bürger Geld vom Staat zurückholen (und der Steuerberater ist ja dafür da, dass man sich möglichst MEHR vom Staat retourholt, als einem eigentlich zusteht ...)

Diese Absetzmöglichkeit bringt natürlich nur Besserverdienern was - also ist sie 3-fach sozial antiverträglich ...

Walter Bimini
11.03.2010 23:59
und wieder einmal wird österreich am ende zugeben müssen, daß es pleite ist.

aber immerhin werden wir die eudssr wieder los.

Doris Altmann
11.03.2010 14:01
Österreich ist schon jetzt fast Weltmeister beim Abzocken der Bürger!

Abgabenquote in Österreich: ca. 43 % des BIP
Abgabenquote im EU-Schnitt: 38% des BIP
Abgabenquote im OECD-Schnitt: 35% des BIP

Weltweit liegen nur mehr vier Staaten vor Österreich! Und die Dänen haben da wir bald eingeholt, weil wir im Vergleich zu ihnen unsere Schulden zu stark erhöhen.

Übrigens auch eine Steigerung der Vermögensbesteuerung in Ö. von jetzt 0,55 % des BIP auf den OECD-Schnitt von 1,92 % des BIP kann daher keine ausreichende Entlastung der Steuern auf Arbeitseinkommen erreichen. Abgabenquote und Sozialquote in Ö. endlich insgesamt von ihren Weltrekordniveaus herunterkommen! Zum Wohle aller.

Tom Bisch
 
11.03.2010 10:42
Wir haben schon den ÖKO-Strom Zuschlag!

Bitte besser recherchieren! Alles wird teurer, neue Steuern kommen. Betroffen sind die Pensionisten, die Arbeitnehmer werden sich bei den nächsten Tarifverhandlungen schadlos halten!

Barry aus DC
11.03.2010 10:15
"Energiestrategie" zum Stopfen des Budgetloches

diese Aussage entlarvt sich (wie erwartet) selbst. unter dem Deckmantel Klimaschutz und Klimawandelhype lässt sich ja Geld schlagen ohne einen Volksaufstand herbeizuführen.

Und die Klimawandelpropheten können wieder lauter werden....

badlwand
11.03.2010 09:26
es ist genug da,

weil unsere volkswirtsch. immer wachsen und gewachsen sind. das heißt, der output steigt ständig.
der kuchen wird immer größer!!!!!

Das wort sparen in den mund zu nehmen ist unter diesem aspekt lächerlich. (außer man meint damit downsizeing im sinne der endlichkeit der rohstoffe und des glob. fußabdruckes etc.)

wenn die staaten budgetprobleme haben, und die zahl der armutsgef. steigt, ist das ein reines verteilungsproblem.

Die politik muß international handeln.

es kann nicht sein, dass stronach und mateschitz in der schweitz leben und dort nur einen bruchteil an den fiskus abliefern.
genauso bei internationalen konzernen, die nebenbei ganze abteilungen haben, sich subvent. zu sichern.
und natürlich steuern auf spekulationen.

big-burger
11.03.2010 08:47
Mutlosigkeit

Unserer derzeitigen Regierung fehlt jedlicher Mut zu echten Reformen.

Es ist viel einfacher dem "Steuervolk" mehr abzuknöpfen als gegen die eigene Klientel Reformen durchzubringen. Weder die Verwaltungsreform, noch eine "richtige" Vermögenszuwachssteuer, noch eine Kürzung diverser Subventionen oder eine Optimierung der Krankenhausstandort (siehe NÖ 12km Abstand) wird es mit der ÖVP geben.

Die ÖVP kann nicht wirtschaften! Sie wirtschaftet nur in die eine Tasche ihrer Klientel.

also dann ...
11.03.2010 01:27
und immer, immer . . . wieder : es fehlen die "einsparungen bei den s u b v e n t i o n e n" (16 mrd = 5,5 % des BIP)

von ca. 10 % = 1,6 mrd !
es muss ja nicht jeder bauern-kegelverein in unter-giggerl-brunn ... durch tatkräftige verteilung der steuergelder gefördert werden - o d r ?

auch wird eine KRÄFTIGE erhöhung der vermog.bez.steuern nicht debattiert :
von 0,6 % des BIP (Ö) auf das eu-niveau von 2,1 % = 4,2 mrd einnahmen !

und ob nun faymann
(woh TOTAL VERBLENDET durch seine teilnahme am bilderberg-treffen in GR ...) seine medien-heinis
(ja - ich meine cato + die fellner-boy-group...)
einen gefallen tun muss, sollte uns st.zahler wirklich nicht im geringsten tangieren ! ! !

ein tipp - rote socken :
bei den vermög.bez. steuern gibt es k e i n e n
mittelstand - alles klar . . . ?

James T. Kirk
10.03.2010 22:21
Wer kann mir erklären..

..warum man die Erbschafts- und Schenkungssteuer abgeschafft hat? Warum man die MwSt auf Medikamente halbiert hat? Warum man die letzte Pensionserhöhung weit über der Inflationsrate angesetzt hat? -- Irgendwo unter uns müssen all die Unbedarften sitzen, die all diese Idiotien dieser politischen Funktionäre für bare Münze halten. Es könnte aber auch nur bedeuten, dass die Gerontokratie bereits eingesetzt hat...die Angst der Politiker vor den Rentnern und Rentenerwartern, die Furcht vor den Schenkern und Beschenkten und ihrer Rache in der Wahlzelle. Zukunft? Bildung? Globaler Wettbewerb? Ach nicht so wichtig, Hauptsache die Spin Doktoren haben den nächsten Pensionistenbrief schon verfasst. Täusche ich mich?

11.03.2010 13:12
Ja, Sie täuschen sich,

denn sie spielen das Spiel mit, einzelne Bevölkerungsgruppen zwecks Machterhalt der ggw. politischen Elite gegeneinander auszuspielen.

Die Produktivität unserer Wirtschaft wächst weiterhin, wie in den letzten Jahrzehnten, enorm. Wohn fließen die Profite - wer tritt wenigstens a) für Transparenz ein, b) für wissenschaftliche Redlichkeit in allen den Diskursen, wo es um Arbeitsplatz-, Wirtschafts-Standorts-, und Finanzplatzsicherung geht, ein? c) für Steuergerechtigkeit (Einkommens- vs. Kapitalsteuern, bzw. Bevölkerungsgruppenspezifisch gerechte Belastung durch Umweltsteuern ein? Wer?

4311503
11.03.2010 08:16

Die Erbschafts/Schnekungssteuer wurde (in ihrer damaligen Form) vom VfGH wegen Verfassungswidrigkeit gekippt.

angelo6
11.03.2010 11:06
das aht die ÖVP zum Vorwand genommen, jede Reform zu boykottieren

und die SPÖ schweigt dazu wie immer.

hinterm mond gleich links
10.03.2010 21:24
mich wunderts

da stellt sich ein dicker hin
verlangt nach geld
und alle guschen, wehren sich nicht, machen es dem dicken leicht...
kein widerstand......


rosenkranz war nur geplante ablenkung der övp

ino
10.03.2010 20:44
nur weil was bankensteuer heißt...

bedeutet das nicht, dass auch die banken und ihre eigentümer blechen. die mehrwertsteuer führt ja auch der handel ab, aber blechen tut der konsument.

wo bleibt also der beitrag der kapitalschmarotzer, wie zB des iv-präsi, der mit der hypo-alpe adria noch schön fett gewinn gemacht hat, bevor der steuerzahler den salat hatte. von dem hätte ich gern mein geld zurück, und auch von den anderen an diesem insidergeschäft beteiligten.

bei der bildung sparen ist wirklich das letzte, wo in ö die schulen seit jahren von so idi*ten wie neugebauer systematisch chlecht gehalten werden.

Stinkefinger für Pröll
10.03.2010 20:27
meine geldquelle schließe ich

ich zapf nur mehr den staat an und die gesellschaft die das zuläst und wegschaut - aber im wirtshaus groß die gosc...n aufreißt

10.03.2010 20:09
Folgendes darf keinesfalls geschehen:

- Wiedereinführung von Vermögens- und Erbschaftssteuer
- Abschaffung der Höchstbeitragsgrundlagen für Sozialversicherung
- Deckelung von Beamtenpensionen
- Herabsetzung der Parteienfinanzierung - zusätzlich zu deren vollständiger Offenlegung
- Begrenzung der PR-Ausgaben der Ministerien, Ländern und Gemeinden (insbesondere im Wahlkampf)
- und weiteres derartiges.

nicht wahr?

angelo6
11.03.2010 11:08
klar, das kommt ja alles der ÖVP-Lobby zugute

Die Liste wäre natürlich beliebig fortzusetzen:
- Besteuerung der bäuerlichen Einkommen
- Limitierung der Argrarförderungen
- etc.

11.03.2010 13:05

Sie haben mich verstanden

iotu
10.03.2010 19:07

haha, das wäre lustig, auf wasserkraft eine steuer.

eine steuer auf solar & co wäre auch noch toll, haben auch schon viele.

kakaniengeist
10.03.2010 20:27
luft, die einem, bei den politischen kasperlkapriolen, wegbleibt,

sollte auch einmal kräftig besteuert werden!

minimonk
10.03.2010 19:03

klingt wie aus der gerd-show

http://www.youtube.com/watch?v=mV5r7SwS-YY

zauberstein
10.03.2010 18:54

ja,ja es wird enger und enger.......

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