Den Nationalisten ein Dorn im Auge

10. März 2010, 17:33
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Bosnierin Dunja Mijatović ist OSZE-Beauftragte für Medienfreiheit

"Wenn wir an Versammlungen, die Bosnien-Herzegowina betreffen, teilnehmen, geht es fast immer um etwas Negatives. In diesem Moment war ich aber stolz, eine Bosnierin zu sein", erinnert sich Dunja Mijatović im Gespräch mit dem Standard an den Augenblick, an dem sie im Namen der etablierten europäischen Staaten aufgefordert wurde zu sprechen. Als erste Frau und als erste Person, die keinem EU-Mitgliedstaat angehörte, war sie 2007 zur Vorsitzenden der Dachorganisation europäischer Regulierungsbehörden (Epra) gewählt worden. Ihr Mandat wurde 2009 einstimmig erneuert.

Die hartnäckige und selbstbewusste Kämpferin für Medienfreiheit aus Bosnien-Herzegowina (BiH) ist seit heute, Donnerstag Beauftragte für Medienfreiheit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), nachdem es bis gestern keinen Einspruch von einem der Mitgliedsländer gegeben hatte.

Mijatović begann ihre Karriere bei der Unabhängigen Medien-Kommission in Bosnien, ab 2001 führte sie die Rundfunkregulierungsbehörde in Bosnien. Sie studierte in Sarajevo und Bologna und schloss im Fach Europawissenschaften an der London School of Economics mit einer Arbeit zum Thema "Internet und Meinungsfreiheit" ab. In ihrer Heimat wird Mijatović geschätzt, weil sie die Dinge beim Namen nennt. Für ihre Mitbürger, die genug von der Ethnopolitik im Land haben, ist die Kämpferin gegen Nationalismus und Verhetzung eine wichtige Symbolfigur für die Entwicklung der Zivilgesellschaft und eines friedlichen Miteinanders der Menschen.

Nicht serbisch genug

Aus demselben Grund ist sie den nationalistischen Politikern ein Dorn im Auge. Der Regierungschef der Republika Srpska (RS), Milorad Dodik bezeichnete sie als eine "nicht ausreichend große Serbin" , um die Abteilung für Rundfunk bei der Regulierungsbehörde in BiH leiten zu können.

Es war wohl gerade ihre bosnische Herkunft, die Mijatovićs Bewusstsein für die Notwendigkeit eines ständigen Kampfes für eine freie und unabhängige Presse geschärft hat. Im bosnischen Krieg wurden die Medien "instrumentalisiert, um Hass zu schüren und zu Gewalt und letztendlich auch ethnischen Säuberungen anzustacheln" , sagte Mijatović am Mittwoch in Wien. Sie selbst weigert sich strikt, Informationen über ihren politischen oder familiären Hintergrund preiszugeben und will damit wohl zeigen, dass für sie die professionelle Arbeit zählt und nicht der in BiH allzu oft hochgespielte ethnische oder politische Hintergrund einer Person.

"Mein gesamtes Leben, habe ich mit einem Ziel vor Augen gearbeitet - der Etablierung von Medienfreiheit" , sagt Mijatović. Zu Beginn ihrer Karriere hätten viele gedacht, das sie auf einer "mission impossible" sei. Heute, nach Jahren des Kampfes würde sie selbst sagen, "dass die Mission zwar nicht erfüllt, aber möglich ist" .

Als OSZE-Beauftragte für Medienfreiheit will sich Mijatović gegen Verhetzung, Gesetze für Medienfreiheit und rechtliche und physische Sicherheit von Journalisten einsetzen. Als eine große Herausforderung für die Pressefreiheit sieht sie die "neuen Medien" . Die Frage sei, wie Gesellschaften "auf die wirtschaftliche, politische und kulturelle Globalisierung" reagieren würden, so Mijatović. (Damir Imamović aus Sarajevo, DER STANDARD, Printausgabe 11.3.2010)

  • Dunja Mijatović setzt sich seit Jahren gegen Verhetzung ein.
    foto: osze

    Dunja Mijatović setzt sich seit Jahren gegen Verhetzung ein.

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