Goldenes Verdienstzeichen für Peter Kern

10. März 2010, 13:46
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Wien würdigt "großen Egomanen" des heimischen Kinos - Premiere von "King Kongs Tränen" in Kürze bei der Diagonale

Wien Zuletzt sorgten sein gescheiterter Versuch, auf die Kandidatenliste der Grünen für die Wien-Wahl im Oktober zu gelangen, und eine gefakte Parteikampagne als Werbung für seine schwule Nazisatire "Blutsfreundschaft" für Aufsehen: Nun hat der Schauspieler, Regisseur, Produzent und Autor Peter Kern das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien erhalten. Er bedanke sich, werde die einst damit verbundene Dienerschaft und Loyalität mit dem "Herrscher" aber auch in Zukunft verweigern, beschied das 61-jährige Enfant terrible in seiner Dankesrede.

Kern trage zu Recht den Ehrentitel "großer Egomane", beschied sein Laudator Helmut Schödel. So feuere der Künstler seit Jahrzehnten mit seinem "Kino der Verletzten" eine "Breitseite gegen den ewigen Spießer" ab. Im Kern sei es aber Kerns Poesie, die in all seinen oft hämisch-hart formulierten Kritiken durchscheine und ihn als Künstler ausmache, so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

Nach dem Besuch der deutschen Schauspielschule Polly Kügler und Engagements an diversen Mittel- und Kleinbühnen wirkte der einstige Sängerknabe beim Musical "Hair" mit und ging damit auf Tournee. Als Schauspieler arbeitete er später mit Rainer Werner Fassbinder in "Despair", "Faustrecht der Freiheit" und "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel" zusammen, mit Hans-Jürgen Syberberg in "Ludwig" und "Hitler", mit Peter Zadek in "Die wilden Fünfziger", mit Wim Wenders in "Falsche Begegnung" oder mit Werner Schroeter in "Malina".

Bei "Eine Handvoll Vergnügen - Crazy Boys" führte Kern 1986 erstmals selbst Regie. Es folgten das dokumentarisch anmutende Porträt eines 15-jährigen Strichers, "Gossenkind" (1992), sein Publikumserfolg "Domenica" (1993) und der Streifen "Knutschen, Kuscheln, Jubilieren" (1998) über das Leben alternder Schwuler. Die 2002 produzierte Science-Fiction-Satire "Haider lebt - 1. April 2021" hatte für Proteste der Kärntner FPÖ wegen der im Film enthaltenen Ermordung Jörg Haiders gesorgt. Retrospektiven der Filme von Kern gab es bereits in New York, Chicago, Houston, Düsseldorf, Manila, Montreal und Kairo. Für seine Rollen in "Falsche Bewegung", "Flammende Herzen" und "Ludwig" erhielt er jeweils den Bundesfilmpreis in Gold.Bei der Diagonale in Graz feiert Kerns neuester Film "King Kongs Tränen" Premiere. (APA)

 

  • Kern-Gala bei der Viennale'09
    foto: standard / newald

    Kern-Gala bei der Viennale'09

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