Festnahmen am Jahrestag des Tibet-Aufstands

10. März 2010, 13:43
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Peking attackiert Dalai Lama - Exil-Oberhaupt: KP-Regime will Buddhismus auslöschen

Peking/Dharamsala - Am 51. Jahrestag des tibetischen Volksaufstands, der von China blutig niedergeschlagen wurde, hat Peking wieder scharfe Attacken gegen den exilierten Dalai Lama gerichtet. Der tibetische KP-Chef Zhang Qingli warnte am Mittwoch den Friedensnobelpreisträger vor weiteren Versuchen, "Chaos" in Tibet zu erzeugen. Die "antichinesischen Kräfte und die Dalai-Clique" seien durch nichts von ihrem Vorhaben abzubringen, "die Stabilität und Harmonie in Tibet zu erschüttern", erklärte Zhang in einem in Peking veröffentlichten Interview. Der Dalai Lama hat den chinesischen kommunistischen Behörden die Absicht vorgeworfen, den Buddhismus in Tibet auszulöschen.

In seinem Exilort Dharamsala in Nordindien bekräftigte der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, weder er noch Mitglieder der Exilregierung würden politische Posten anstreben, sollten die Verhandlungen über eine Autonomie Tibets eines Tages zum Erfolg führen. Er rief tibetische Beamte, die unter der chinesischen Führung dienten, dazu auf, tibetische Exil-Gemeinden "in der freien Welt" zu besuchen, um sich ein Bild von deren Lage zu machen. Im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 in Peking hatte die chinesische Führung unter internationalem Druck der Aufnahme von Gesprächen mit der tibetischen Exilführung zugestimmt, die jedoch keine Ergebnisse brachten. "Nach der Haltung der derzeitigen Führung zu schließen, gibt es wenig Hoffnung, dass bald ein Ergebnis erzielt wird", sagte der Dalai Lama. Dennoch solle der Dialog fortgesetzt werden. "Es wird eine Zeit kommen, in der die Wahrheit siegen wird. Deswegen ist es wichtig, dass jeder geduldig bleibt und nicht aufgibt."

Mönche und Nonnen müssten unter gefängnisähnlichen Bedingungen leben und könnten nicht in Frieden studieren und ihren Glauben leben, erklärte der Dalai Lama vor Tausenden von Tibetern. Die Bedingungen der von Peking betriebenen "patriotischen Erziehungskampagne" führten dazu, dass die Klöster oft nur die Funktion von Museen hätten. So solle der Buddhismus in Tibet ausgelöscht werden.

Zusätzliche Polizeikräfte und Festnahmen in Lhasa

In der tibetischen Hauptstadt Lhasa wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Zusätzliche Polizeikräfte patrouillierten die Straßen. Vor zwei Jahren war es zu blutigen Ausschreitungen gekommen. Die Proteste der Tibeter hatten sich auf andere Regionen ausgebreitet und die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Peking überschattet. Die Polizei hat im Zuge einer Kampagne zur Wahrung der Stabilität und Verbrechensbekämpfung seit Anfang März allein in Lhasa mehr als 400 Menschen festgenommen. Peking stockte die Sicherheitskräfte in Tibet massiv auf. Den Dalai Lama beschuldigte die chinesische Führung, die Unruhen vom März 2008 angezettelt zu haben und einen "Geheimplan" zur Erlangung der Eigenstaatlichkeit zu verfolgen. KP-Chef Zhang hat für eine strikte Kontrolle der Klöster sowie des politischen und gesellschaftlichen Lebens in der nominell autonomen Region gesorgt. Der 59-jährige Han-Chinese ist ein enger Vertrauter von Staats- und Parteichef Hu Jintao, der selbst in den 1980er Jahren Parteichef in Tibet gewesen war.

Die 1965 errichtete Autonome Region Tibet ist wesentlich kleiner als das alte Tibet, das große Teile der heutigen chinesischen Provinz Qinghai und den Westen der Provinz Sichuan umfasste. Der schwer zugängliche buddhistische Klosterstaat war von 1720 bis 1912 chinesisches Protektorat und nach dem Ende des chinesischen Kaisertums faktisch selbstständig unter der Herrschaft des Dalai Lama. 1950/51 marschierten chinesische kommunistische Truppen in Tibet ein. 1959 schlugen sie einen Volksaufstand blutig nieder, der 14. Dalai Lama floh mit über 100.000 Landsleuten über die Grenze nach Indien. (APA/apn)

  • Anlässlich des 51. Jahrestages des tibetischen 
Volksaufstands wurden auf den Straßen der tibetischen Hauptstadt Lhasa die chinesischen Polizei- und Militärkräfte verstärkt.
    foto: ap/david wivell

    Anlässlich des 51. Jahrestages des tibetischen Volksaufstands wurden auf den Straßen der tibetischen Hauptstadt Lhasa die chinesischen Polizei- und Militärkräfte verstärkt.

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