Lob von vielen Seiten und auch von Bayern-Trainer Louis van Gaal für den Auftritt von David Alaba in Florenz. Dem Youngster hat es "Spaß gemacht"
Florenz - Für Bayern München gab es neben der Qualifikation für das Viertelfinale der Champions League am Dienstagabend in Florenz noch einen Grund zur Freude: das
vielversprechende Debüt des erst 17 Jahre alten
David Alaba auf der linken Abwehrseite. "Sehr zufrieden' war Trainer Louis van
Gaal mit dem jungen Österreicher: "Er hat mein Vertrauen nicht
enttäuscht." Der Youngster selbst gab sich gelassen: "Es war eine
Super-Erfahrung und es hat Spaß gemacht."
Van Gaal, der auf Martin Demichelis und Diego Contento
verzichten musste, brachte seine Stars Franck Ribery und Robben
wieder von Beginn an. Und er
verschaffte Alaba, der am vergangenen Wochenende mit seiner Einwechslung in
Köln zum jüngsten Bayern-Profi in der Bundesliga-Geschichte
aufstieg, ausgerechnet in der Königsklasse seinen ersten Einsatz
bei den Profis von Beginn an. Van Gaal informierte seinen Schützling schon
zwei Tage vor dem Match über seine Pläne. "Am Spieltag war ich dann angespannt, es war
schon eine Nervosität da. Aber die Mannschaft, der Trainer und das
ganze Umfeld haben mir viel Vertrauen geschenkt, dadurch ist alles
leichter gewesen", meinte der Österreicher.
Mit 17 Jahren, 8 Monaten und 13 Tagen hatte er im Stadio Artemio Franchi den Auftrag erhalten,
Marco Marchionni zu bremsen. Alaba erledigte den Job
in der ersten Hälfte ohne Fehl und Tadel, kam aber dann nach dem
Wechsel doch einige Male in Bedrängnis. Global gesehen trat der Wiener vor 42.282 Zuschauern so couragiert auf, als würde er schon
immer auf dieser für ihn ungewohnten Position spielen. Der Linksfuß
hatte die meisten Ballkontakte (87) aller Spieler. "Er ist ein linker
Verteidiger, auch wenn er selbst das nicht denkt", befand Van Gaal
und fügte hinzu: "Er ist von den jungen Spielern der Stabilste."
Der Youngster scheute sich
nicht, seinen prominenten Vordermann Franck Ribery, dem man noch die
fehlende Spielpraxis ansah, aufzufordern,
defensive Arbeit zu verrichten. "Es ist nicht einfach, hinter Ribery
zu spielen. Da muss man viel Laufarbeit leisten. Alaba ist ein
mutiger Spieler, der Nervenstärke gezeigt hat", analysierte Sky-TV-Experte
Ottmar Hitzfeld. Das Verhältnis zum Franzosen scheint besonders gut: "Wir verstehen uns super.
Er ist ein Wahnsinns-Typ, es macht riesigen Spaß, mit ihm zu
spielen."
Warme Worte kamen auch von Van Gaal: "Er ist 17, spielt seine ersten 90 Minuten und
das auf dieser Bühne. Er hat ein sehr gutes Spiel, bei eigenem und
bei generischem Ballbesitz seine Arbeit gemacht und mein Vertrauen
nicht enttäuscht", meinte der 58-Jährige. Kapitän Mark van Bommel
hatte schon der Partie gesagt: "Wir haben vollstes Vertrauen in ihn.
Dass er es kann, zeigt er jedes Mal im Training. Er ist ein guter
Bursche mit sehr viel Qualität."
Vor dem Spiel war Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in
der Kabine gewesen und hatte Alaba irrtümlich darauf
aufmerksam gemacht, er könne als
erster Österreicher ins Viertelfinale der Champions League kommen. Doch das hatte Wolfgang Feiersinger bereits 1997 mit
Borussia Dortmund geschafft.
Rummenigge hatte über Alaba ein Interview-Verbot verhängt, das
nach dem Schlusspfiff aber nicht ganz durchzuhalten war. "Wir wollen keinen Hype
um ihn haben, der kommt von selbst. Wir tun gut daran, ihn jetzt ein bisschen vor den Medien zu
verstecken", erklärte der Vorstandschef.
Die Presse ließ es sich aber nicht nehmen, Alaba in den
Vordergrund zu rücken. Die ungewohnte Rolle des Verteidigers habe der
Mittelfeldspieler mit "Bravour und bemerkenswert selbstbewusst
ausgefüllt, schrieb die "Bild"-Zeitung unter dem Titel "Alaba
wunderbar!". Die Münchner "Abend-Zeitung" bescheinigte Alaba
Abgeklärtheit und Souveränität. Sie kam zu dem Schluss: "Der Jüngste
blieb cool". (sid/rob)