Bachelor für Arbeitsmarkt ungeeignet

10. März 2010, 14:44
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Nur 15 Prozent der Hochschulen bezeichnen Bachelor als "angemessene Vorbereitung" aufs Berufsleben - 80 Prozent der österreichischen Absolventen beginnen Masterstudium

Der Bachelor-Titel scheint für den Arbeitsmarkt ungeeigent zu sein. Nur 15 Prozent der über 800 Universitäten und Hochschulen, die von der European University Association (EUA) zur Umsetzung des europäischen Hochschulraumes befragt wurden, gaben an, dass der Bachelor eine "angemessene Vorbereitung auf das Berufsleben" sei. Nach Untersuchungen der Statistik-Austria beginnen 80 Prozent der Bachelor-Absolventen ein Masterstudium.

Laut der EUA-Studie haben bereits 95 Prozent der Universitäten das dreistufige System aus Bachelor-, Master- und Doktorratsstudium umgesetzt. Die Mehrheit der Universtitäten (58 Prozent) sieht die Realisierung des europäischen Hochschulraumes als "sehr postiv", 38 Prozent geben jedoch an, dass die Realisierung "gemischte Ergebnisse" erzielt hat. Die 24 befragten österreichischen Hochschulen, liegen im Mittelfeld (zwischen 50 und 70 Prozent haben mit "sehr positiv" geantwortet).

Keine hohen Erwartungen in Mobilität zwischen Fakultäten

Nur ein Viertel der Hochschulen glaubt daran, dass die Möglichkeiten der Studierenden an verschiedenen Fakultäten oder Institutionen zu wechseln "signifikant" steigen wird, die Hälfte sieht diese Chancen mit der Umsetzung des Bologna-Prozesses zumindest "leicht" steigen. 

Herausforderungen für das nächste Jahrzehnt sieht die EUA-Studie viele. So sollte die Informationsarbeit ausgeweitet werden, um "Sinn, Zweck und Vorteile" der Bologna-Reform zu erklären. Die Studie empfiehlt auch, "innovative Bildungskonzepte" zu entwickeln und dabei Studierende und Hochschulen miteinzubeziehen. Zudem seien "Zusatzfinanzierungen" von einzelnen Staaten notwendig. 

Österreich: 80 Prozent beginnen sofort Masterstudium

Die Statistik-Austria hat die Umsetzung des Bologna-Prozesses in Österreich untersucht. Seit der Einführung des Systems gab es über 16.000 Bachelorabsolventen. Im Studienjahr 2007/2008 erreichte bereits über ein Viertel (26 Prozent) der Absolventen diesen Titel. 80 Prozent davon begannen unmittelbar nach ihrem Abschluss ein Masterstudium. Frauen setzen mit 76 Prozent weniger oft ihr Studium fort als Männer (86 Prozent). (lis, derStandard.at, 10. März 2010)

Wissen:

Die European University Association (EUA) ist mit 46 Teilnehmer-Ländern der größte Verband europäischer Hochschulen. Ihr Sitz ist in Brüssel.
Bei der Studie "Trends 2010" der EUA wurden 821 Universitäten, 27 nationale Universitätsverbände und Forschungsbesuche in 16 europäischen Ländern befragt.

Link:

European University Association

  • 86 Prozent der Männer, aber nur 76 Prozent der Frauen beginnen nach ihrem Bachelor-Abschluss ein Masterstudium.
    foto: standard/cremer

    86 Prozent der Männer, aber nur 76 Prozent der Frauen beginnen nach ihrem Bachelor-Abschluss ein Masterstudium.

  • Die Studie der EUA sieht viele Herausforderung für den Reformprozess von Bologna.

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