Aber bis zur Versorgung von ganz Österreich mit Glasfaser ist es noch ein langer, teurer Weg
Vergangenen Herbst gab die Telekom Austria den Milliarden-Euro-Startschuss zur größten Investition ihrer Festnetzgeschichte: Die Aufrüstung der die letzten Jahre im übergroßen Schatten des Mobilfunk stehenden Leitungen zum Next Generation Network (NGN) vulgo "Glasfasernetz".
"Glasfaser bis zum Gehsteig"
Dabei ist nicht alles Glas, was schnelles Internet in die Wohnungen bringen soll, erläutert Telekom-Austria-Chef Hannes Ametsreiter im Klub der Wirtschaftspublizisten: Der Großteil des Upgrades besteht in Glasfaser zwischen Verteilerknoten, während die "letzte Meile" weiterhin über Kupfer läuft - von diesen VDSL genannten Anschlüssen gibt es derzeit 300.000. "Glasfaser bis zum Gehsteig" und Kupfernetze in den Häusern (die schnellere Version) macht weitere 50.000 Anschlüsse aus; "ganz Villach ist schon angeschlossen, in zwei Wochen sind wir mit Klagenfurt fertig", sagt Ametsreiter. Bis Jahresende soll eine halbe Million Teilnehmer mit NGN versorgt sein - gerade ein Fünftel der rund 2,7 Millionen Festnetzkunden.
Bündel von Festnetz und Mobilfunk
Das schnellere Festnetz soll, zusammen mit "konvergenten Produkten", also einem Bündel von Festnetz und Mobilfunk, den Rückgang im Festnetzgeschäft stabilisieren, was Ende 2009 gelungen sei: Da gab es erstmals wieder ein Plus bei den Anmeldungen, nachdem die Abmeldungen von 200.000 im Jahr 2007 auf 23.000 im Jahr 2009 zurückgingen.
Auch für den Mobilfunk sei die Aufrüstung des Festnetzes unverzichtbar, sagt Ametsreiter, denn nur so könne der Datenhunger der Teilnehmer vernünftig gestillt werden. Kunden der neuen Netze würden die zehnfache Datenmenge konsumieren wie vorher, 56 Gigabyte im Monat pro Teilnehmer - "hochauflösendes Video aus dem Netz, Filesharing, dabei gibt es so datenintensive Anwendungen wie Hulu oder den BBC iPlayer bei uns noch gar nicht", sagt Ametsreiter.
"Wi-Fi-Offloading"
"Wi-Fi-Offloading" ist das Zauberwort, mit dem die TA so wie andere Telekoms diese Datenexplosion bewältigen wollen: Sobald man daheim angekommen ist, switcht das Handy oder das Notebook vom Mobilfunknetz in das leistungsfähigere Festnetz, mittels Wi-Fi-Hotspot daheim. "80 Prozent des Datenvolumens fallen zu Hause an. Wenn man die Mobilfunknetze davon entlastet, kann man das Netz effizienter nutzen."
Während die Gesamtinvestitionen im Konzern im Vorjahr zurückgingen, stiegen jene für das Festnetz um zehn Prozent auf 290 Millionen Euro, sagte Ametsreiter. Wie viel heuer ins Festnetz investiert wird, gibt die TA nicht bekannt; insgesamt legen Investitionen im Konzern von 711 auf 800 Mio. Euro zu, und ein großer Teil des Zuwachses soll dem Festnetzausbau zugutekommen.(spu, der STANDARD Printausgabe)