"Ich fühle mit Google" - Steve Jobs, Bill Gates und Steve Ballmer sollen einst Sun massiv gedroht haben
"Ich fühle mit Google - Steve Jobs hat auch mir gedroht, mich zu
verklagen", so beginnt der ehemalige Sun-Chef Jonathan Schwartz seinen Blogeintrag Good Artists Copy,
Great Artists Steal. Der gesamte Blog steht unter dem Motto "What I Couldn't Say ... " und gibt Einblicke in die Welt von Apple und Microsoft. Steve Jobs, Steve Ballmer und Bill Gates sollen Sun massiv gedroht und so das Unternehmen immer wieder unter Druck gesetzt haben.
"Wir werden euch verklagen"
So berichtet Ex-Sun-Chef Jonathan Schwartz wie Apple und Microsoft einst versuchten, Sun zu Lizenzzahlungen zu zwingen.
So soll Schwartz 2003 nach der Präsentation des Linux-Desktop-Projekts "Project Looking Glass" einen Anruf von Apple-Chef Steve Jobs erhalten haben, der meinte, dass "die grafischen Effekte des Desktops Apples geistiges Eigentum verletzen". Er soll gedroht haben: "Wenn ihr die Software kommerzialisiert, werden wir euch verklagen."
Jobs schweigend
Schwartz soll geantwortet haben: "Steve, ich habe gerade deine letzte Präsentation gesehen und Keynote sieht exakt aus wie Concurrence - gehören auch diese Rechte euch?" Bei Concurrence handelte es sich um eine Präsentationssoftware, die von Lighthouse Design für NeXTSTEP entwickelt wurde. Lighthouse wurde 1996 von Sun übernommen. Den Apple-Chef endgültig zum Schweigen brachte Schwartz laut eigener Aussage mit den Worten: "Als ich das letzte Mal MacOS angesehen habe, das ja auf Unix basiert, dachte ich auch, dass Sun in diesem Bereich einige Patente hält."
Drohungen wegen OpenOffice.org
Diese Erfahrung sollte sich später als nützlich erweisen, als Microsoft wiederum Drohungen bezüglich OpenOffice.org ausgesprochen habe. Bei einem Treffen zwischen Bill Gates und Steve Ballmer von Microsoft mit dem damaligen Sun-CEO Scott MacNealy, Suns Technikchef Greg Papadopoulos und Schwartz habe Gates erklärt, dass "Microsoft den Office-Markt besitzt und OpenOffice unsere Patente verletzt. Wenn ihr uns für jeden Download Lizenzen zahlt, sind wir wieder weg."
.Net hat sich an Java orientiert
"Microsoft ist kein Unbekannter, wenn es darum geht, erfolgreiche Produkte zu imitieren und dann seine Vertriebsmacht zu nutzen, um jede wettbewerbliche Bedrohung zu eliminieren - von Tablet-Computern bis hin zu Suchmaschinen, ihre Inspiration ist oft offensichtlich", so schreibt Schwartz. Er habe Bill Gates daraufhin hingewiesen, dass bei der Entwicklung von .Net offensichtlich Suns Java Pate gestanden habe und gefragt, ob Microsoft nun plane, für jede Kopie von Windows Lizenzgebühren an Sun zu zahlen.
"Bill antwortete, dass es im Softwaregeschäft darum gehe, variable Umsatzquellen zu erschließen, um die Fixkosten der Entwicklung zu bezahlen, weshalb entsprechende Lizenzzahlungen nicht in ihr Modell passen. Anders gesagt, es war ein kurzes Treffen", so Schwartz.
Klagen sind ein Fehler
Schwartz ist der Meinung, dass Patentklagen in der Softwarebranche keinen Sinn haben und "ein Zeichen von Verzweiflung" darstellen. Als Beispiele führt er unter anderem die Klage Nokias gegen Apple an, die keinerlei Auswirkungen auf den iPhone-Hype hatte. Und ebenso die Klage von Apple gegen HTC beziehungsweise Android, die wenig sinnvoll sei. Apple schaffe mit der Klage nur mehr Aufmerksamkeit für Android und mache es für EntwicklerInnen interessanter, urteilt Schwartz . "Ich frage mich, wer wohl als erster gegen das iPad klagen wird." Vorschläge hätte Schwartz parat - so etwa den Tablet-Pionier Go, der von AT&T aufgekauft wurde, womit als Kläger AT&T auftreten könnte.
Die dümmste Klage
Das krasseste Beispiel und die wohl dümmste Klage sieht Schwartz in einem Verfahren zwischen Sun und Kodak. Aus seiner Sicht habe Kodak ein Unternehmen gekauft, einzig und alleine um Sun zu verklagen. Was dann auch passiert sei. "Der Fall kam vor das Gericht in Rochester, New York, der Heimat von ... der Eastman Kodak Company. Die lokalen Geschworenen entschieden, dass Sun mehr als 100 Millionen Dollar an Kodak zahlen sollte. Also hier haben sie nun etwas, was ich als Sun-CEO niemals hätte sagen können."(red)