Colleen LaRose sollte auf Befehl von unbekannter Seite schwedischen Cartoonisten ermorden
Washington - Geheimdienste haben wahrscheinlich einen Mordanschlag auf einen
skandinavischen Mohammed-Karikaturisten verhindert: Die US-Justiz hat eine Amerikanerin wegen des Versuchs
angeklagt, im Internet Kämpfer für den islamischen "Heiligen Krieg" zu
rekrutieren. Darüber hinaus soll die Verdächtige Pläne gehabt haben, den schwedischen Künstler Lars Vilks zu ermorden.
Colleen LaRose aus dem US-Staat Pennsylvania habe mit fünf über den
Erdball verstreuten Komplizen Männer für Terroranschläge in Europa und Südasien
angeworben, teilte das US-Justizministerium am Dienstag (Ortszeit) mit. Sie ist seit ihrer Rückkehr im letztem Oktober in Haft.
Daneben
hätten sie Frauen rekrutiert, die mit unverdächtigen Pässen in Europa
umherreisen und den "Jihad" unterstützen könnten. LaRose, die auch als "Fatima
LaRose" und "JihadJane" bekannt sei, müsse im Falle eine Verurteilung mit
lebenslanger Haft rechnen, hieß es weiter.
Mord an schwedischen Zeichner geplant
Die 1963 geborene Frau habe einen "direkten Befehl" erhalten, den schwedischen Künstler Lars Vilks in seiner Heimat zu ermorden. Wie der Rundfunksender SR am Mittwoch in Stockholm meldete, soll sie den Zeichner nach Erkenntnissen der Justizbehörden in den USA ausspioniert haben.
Damit solle "die ganze
Welt der Ungläubigen" das Fürchten gelehrt werden, hieß es in der Mitteilung,
allerdings ohne näher zu erwähnen, wer den Befehl erteilte. LaRose sei daraufhin
nach Europa gereist und habe das potenzielle Opfer über das Internet
ausgekundschaftet, "mit dem Ziel, die Aufgabe zu Ende zu bringen."
Der Schwede hatte 2007 eine Zeichnung des Religionsstifters Mohammed als Hund
veröffentlicht. Vilks sagte im Rundfunk, er lasse sich durch die Drohungen nicht
einschüchtern. Er will in seinem Haus in Südschweden mit allgemein bekannter
Adresse wohnen bleiben.
Mohammed-Zeichnung wiederveröffentlicht
Schwedische Tageszeitungen haben unterdessen am Mittwoch
Vilks' Zeichnung als Reaktion auf das Mordkomplott wiederveröffentlicht. Die Skizze stellt ein von ihm ersonnenes Kunstwerk in Form eines
Hundes mit dem Kopf des Propheten Mohammed dar. Unter
anderem erschien die Zeichnung im liberalen "Dagens Nyheter", dem Boulevardblatt "Expressen" sowie im in
Malmö erscheinenden "Sydsvenska Dagbladet".
Während die Skizze auch im Schwedischen Fernsehen gezeigt wurde, verzichtete
das größte Boulevardblatt Schwedens, "Aftonbladet", auf eine Neuveröffentlichung
und begründete dies mit fehlendem News-Wert. "Aftonbladet" hatte die Skizze vor
zweieinhalb Jahren bereits im Kulturteil veröffentlicht.
Die Skizze war erstmals im Sommer 2007 von der Regionalzeitung "Nerikes
Allehanda" veröffentlicht worden, nachdem Vilks' Entwurf für eine
Kreisverkehr-Skulptur bei einer Ausstellung abgelehnt worden war. Die Folge
waren Protestkundgebung vor der Redaktion der Zeitung und diplomatische
Reaktionen aus Teilen der muslimischen Welt. Im Herbst 2007 wurde Vilks erstmals
von einer sich der Al Kaida zurechnenden Gruppe mit dem Tod bedroht. Die Gruppe
setzte auch ein Kopfgeld auf Vilks aus. (red/APA)