Das tollpatschige Kätzchen bekommt Konkurrenz

10. März 2010, 12:00
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Der neue Trend: Kandidaturen auf Youtube zu verkünden - Aber ist das alles, was Videoportale können?

Es ist fast ein Treppenwitz der Geschichte, dass gerade Bundespräsident Heinz Fischer - sicher der Letzte, dem man Modernität um der Modernität Willen vorwerfen kann - als "Internetversteher" in die Schlagzeilen gekommen ist. Als Fischer seine Kandidatur über Youtube bekanntgab, verkündete er damit gleichermaßen: Ich verstehe, dass dieses Medium wichtig ist - ich benütze es, wenn auch auf meine Art.

Wenn Fischers Wahlkampfleiter Stefan Bachleitner jetzt verkündet, dass "das Internet eine zentrale Drehscheibe der Fischer-Kampagne" werden soll, dann kann man gespannt sein - wird diese Kampagne endlich der Wendepunkt im doch großteils noch verkrampften Umgang des offiziellen Österreich mit den neuen Medien?

Ausschlaggebend wird sein, ob Fischers Team das Internet als reines Verkündigungsmedium, also quasi eine neue Art von Pressemitteilung betrachtet (wie es das Gros der Politiker tut) - oder ob man die Chance und Herausforderung von Kommunikation und Interaktion erkennt. Modernität schön und gut; aber wer neue Medien als kommunikative Einbahn begreift, kann nicht authentisch darin wirken.

Das Videoportal Youtube wurde ursprünglich nicht geschaffen, um als Newsportal zu dienen, erzählt die Youtube-News-Leiterin Olivia Ma im Gespräch mit derStandard.at. Zunächst ging es um "Filmchen von tollpatschigen Katzenbabys und Omas Geburtstag". Erst die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigte das große Potenzial im Nachrichtenbereich. Um 650 Prozent sind die Zugriffe auf News-Videos in den vergangenen zwei Jahren gestiegen, berichtet Ma. Sieben von 16 Präsidentschaftskandidaten haben ihre Kandidatur auf Youtube angekündigt, 80 Prozent der US-amerikanischen Members of Congress haben einen eigenen Youtube-Channel.

Aber das ist nicht die einzige neue Entwicklung. "Citizen Tube" wurde als interaktives Medium gestartet, um aus der Einbahn-Kommunikation eine Kommunikation in mehrere Richtungen zu starten. User hatten beispielsweise die Möglichkeit, Fragen an US-Präsidenten Barack Obama zu stellen, die dieser in einer Videobotschaft beantwortete.

Konkurrenz für die Chats und Videos, die klassische Medienunternehmen produzieren? Noch nicht, aber was nicht ist könnte noch werden. "Wir arbeiten massiv daran, Newsvideos für Nachrichtenorganisationen besser nutzbar zu machen", so Ma. Citizen Tube solle "bedeutend ausgebaut" werden. Wie genau? Das, so Ma, ist noch streng geheim.

  • Politiker auf Youtube machen den Schmusekätzchen Konkurrenz.
    foto: screenshot: derstandard.at

    Politiker auf Youtube machen den Schmusekätzchen Konkurrenz.

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