Drei Beben schüren große Ängste

9. März 2010, 21:17
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Das Erdbeben vom Montag in der Türkei nährt Spekulationen, dass es heuer noch öfter heftig beben könnte

Ankara/Santiago de Chile/Port-au-Prince/Wien - Nach dem Erdbeben von Montagmorgen kam die Erde im Osten der Türkei in der Nacht auf Dienstag nicht zur Ruhe. Seit dem Hauptbeben, das fast 60 Menschenleben gekostet hatte, bebte die Erde in der Region noch hunderte Male - wenn auch nie mit der Intensität des mächtigsten Erdstoßes (6,0 nach Richter).

Aus Angst verbrachten hunderte Menschen trotz winterlicher Temperaturen die Nacht auf Dienstag im Freien. Die Bebenwarte Kandilli in Istanbul warnte, dass die Nachbeben noch etliche Tage lang andauern würden.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, die für die Bebenstärke sehr hohe Opferzahl sei auf die in der Region vorherrschende Lehmbauweise zurückzuführen. Die Behörden wurden angewiesen, nun erdbebensichere Bauten zu errichten.

Angst vor großem Beben

Neben der massiven Kritik an der Bauqualität wird in der Türkei derzeit aber vor allem die Angst vor einem großen Beben thematisiert, das in den dichtbevölkerten Regionen des Landes verheerende Folgen haben könnte. Nach den Beben von Haiti und Chile wird vielerorts ein hochaktives "Bebenjahr" befürchtet.

In Chile hatte die Erde am 27. Februar gebebt. Der stärkste Stoß erreichte 8,8 nach Richter. Nach aktuellen Angaben kamen dabei 487 Menschen ums Leben.

Verschobene Städte

Durch das Erdbeben in Chile ist nach einer Studie die Stadt Concepción um drei Meter verrückt worden. Die zweitgrößte Stadt des Landes befinde sich nach dem Beben 3,04 Meter weiter westlich als vorher, befand eine Untersuchung von chilenischen und US-Wissenschaftlern, welche die Universität von Ohio am Montag (Ortszeit) veröffentlichte.

Demnach verschob sich auch Chiles Hauptstadt Santiago de Chile leicht, nämlich um knapp 28 Zentimeter ebenfalls nach Westen. Auch Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires verschob sich um vier Zentimeter nach Westen.

In Haiti, wo bei einem verheerenden Beben vom 12. Jänner mindestens 220.000 Menschen ums Leben kamen, leben heute, zwei Monate nach der Katastrophe, immer noch mehr als 600.000 Menschen in Zelten und Notunterkünften. Die massive internationale Lebensmittelhilfe soll nach Ansicht von Staatspräsident Préval aber nun sukzessive zurückgefahren werden - nicht zuletzt, um die heimische Produktion wieder anzukurbeln, erklärte Préval am Dienstag vor seiner Abreise nach Washington.

Dort soll er heute, Mittwoch, US-Präsident Barack Obama treffen, nicht zuletzt um "der internationalen Gemeinschaft und besonders den USA" für die bisher geleistete Hilfe zu danken. Dennoch steht Haiti die nächste Prüfung bald bevor: Im Juni beginnt die Hurrikansaison. (red/DER STANDARD - Printausgabe, 10.3.2010)

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