Forscherinnen verdienen weniger

9. März 2010, 19:30
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Frauen mit Kindern haben deutlich geringere Aufstiegschancen

Immerhin: In zehn Jahren hat sich der Anteil an Frauen, die im Bereich Forschung und Entwicklung tätig sind, mehr als verdoppelt. Genauer gesagt betrug der Anstieg zwischen 1998 und 2007 148 Prozent. 2008 lag der Frauenanteil in der naturwissenschaftlich-technischen Branche im Schnitt bei 18 Prozent.

Dabei liegt das Jahreseinkommen von Frauen um durchschnittlich 29,7 Prozent unter dem ihrer männlichen Kollegen. Damit ist die Differenz etwas geringer als in der Gesamtwirtschaft, wo sie 38,6 Prozent beträgt. Das geht aus einer Studie hervor, die anhand von 1510 F&E-Betrieben mit 32.530 Beschäftigten Ausmaß und Ursachen für Einkommensunterschiede erhob und anlässlich des Weltfrauentages von Infrastrukturministerin Doris Bures im Rahmen des Frauenförderprogramms Femtech präsentiert wurde.

Demnach resultiert die Einkommensschere vor allem aus den Unterschieden beim Einstiegsgehalt, das bei Akademikerinnen mit 2800 Euro brutto deutlich niedriger ausfällt als bei Akademikern mit 3600 Euro (siehe Grafik). Nur ein kleiner Teil sei auf geringere Arbeitszeiten zurückzuführen - schließlich sind 85 Prozent der Forscherinnen Vollzeit beschäftigt. Dagegen zeigt die Studie, dass Kinderbetreuungspflichten von Frauen die Karrierechancen beträchtlich schmälern und die Einkommensunterschiede vergrößern, während Frauen ohne Kinder im Schnitt eine raschere Aufstiegsgeschwindigkeit als Männer aufweisen. Ein Teil der Ungleichheit sei auch darin begründet, dass das Durchschnittsalter der Frauen in der Forschung geringer ist als das der Männer.

Das Ausbildungsniveau spielt den Studienautoren zufolge für Frauen eine wesentlich größere Rolle als für Männer. Das Einkommen der Männer mit bzw. ohne Hochschulabschluss liegt deutlich enger beieinander als bei Frauen mit bzw. ohne akademische Ausbildung.

Bures betonte, dass Frauen im F&E-Sektor zwar im Vergleich zu anderen Branchen ein vergleichsweise hohes Lohnniveau erwartet, die Einkommensschere aber geschlossen werden müsse. Für das Femtech-Programm zur Unterstützung von Frauen in Forschung und Technologie stünden daher heuer 4,6 Millionen Euro zur Verfügung - um 70 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. (kri/DER STANDARD, Printausgabe, 10.03.2010)

 

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