Im Unterschied zu den Austriakinnen können die Kanadierinnen auch auf eine söhnelose Textversion ihrer Nationalhymne zurückgreifen
Auch andere Mütter haben schöne Töchter und andere Heimaten große Söhne. Und kanadische Regierungschefs kleine Probleme. Nach nur zwei Tagen, in denen er mit Protesten überschwemmt wurde, gab Stephen Harper entnervt den Plan auf, den englischen Text der Hymne "O Canada" im Parlament einer genderneutralen Anpassung unterziehen zu lassen.
Dabei ging es nicht einmal um eine Neuversion der feministisch beanstandeten Textzeile, sondern um die Rückkehr zur alten Fassung: vom 1914 eingeführten "True patriot love in all thy sons command" (wahre patriotische Liebe gebiete in all deinen Söhnen) zurück zum älteren "True patriot love thou dost in us command" (... gebietest du in uns).
Nicht Antifeminismus, sondern "Haben wir keine anderen Sorgen?" war das Hauptargument der Reformgegner. Es gibt in der Tat Länder, in denen sich's als Frau schlechter lebt als in Kanada - oder als in Österreich. Im Unterschied zu den Austriakinnen können die Kanadierinnen auch auf eine söhnelose Textversion ihrer Nationalhymne zurückgreifen, auf die französische.
Wir nehmen es nicht weiter tragisch - merken aber an, dass das "Haben wir keine anderen Sorgen?" auch den "Thy Sons"-Aktivisten umgehängt werden kann. Welche Energien frei werden, wenn es um die Verteidigung von Anklängen an die gute alte Macho-Zeit geht, ist immer wieder erstaunlich. Transkontinental. Johanna schau obe. (Gudrun Harrer/DER STANDARD-Printausgabe, 10.3.2010)