Schwein aus Österreich könnte 2010 China erreichen
Wien - Seit 16 Jahren versucht Anka Lorencz, den Chinesen Schweine zu verkaufen - heuer könnte es endlich klappen. "Wenn der Deal funktioniert, köpfe ich eine Flasche Sekt", sagt sie. Lorencz arbeitet für die Sparte Lebensmittelhandel der Wirtschaftskammer, China ist der weltgrößte Importeur von Schweinefleisch. 2009 wurden 425.000 Tonnen allein aus der EU ins Land geschafft.
Nicht nur Schinken, Schulter und Filet will Lorencz verkaufen, sondern vor allem Ohren, Haxen und die Köpfe. Was bei uns niemand essen möchte, ist in China heiß begehrt: Haxen werden gekocht und kosten so viel wie ein Steak. Schweinsohren werden in Streifen geschnitten fritiert oder gesotten als Salat serviert.
"Vor einigen Monaten hat eine Frau von einer chinesischen Firma bei mir angerufen und gefragt, wie viele Ohren wir liefern könnten", sagt Lorencz. "'Wir schlachten jährlich fünf Millionen Schweine, wir haben zehn Millionen Ohren', habe ich als Scherz gesagt. 'Nicht viel', hat die Frau darauf gemeint." Einfach ist es nicht, den chinesischen Markt zu öffnen. Bereits 2004 wurden erste Verträge unterzeichnet - "Doch seit sechs Jahren arbeiten wir jetzt daran, die Zusatzprotokolle zu ratifizieren", sagt Lorencz. Im Mai wird sich entscheiden, wann die chinesische Delegation nach Österreich kommt, um zu unterschreiben.
Bisher dürfen aus der EU nur Frankreich, Irland, Italien, Dänemark und Spanien ihr Borstenvieh nach China bringen. Österreich erreicht den Markt nur über Hongkong: 3775 Tonnen Füße, Ohren und Köpfe lieferten heimische Schlachter 2008, dazu 1500 Tonnen anderer Teile. Das Fleisch wird in Hongkong gegessen, kleine Mengen von Händlern nach Restchina verkauft. Könnten heimische Betriebe direkt liefern, wären Markt und Gewinne größer.
Wie viel abgesetzt werden kann, sollte sich der Markt öffnen, ist schwer voraus zu sagen. Vor allem Brasilien macht Lorencz Sorgen. Das Land ist bereits jetzt Österreichs schärfster Konkurrent auf dem russischen Markt. Der Bedarf jedenfalls ist da: "Wir können gar nicht so viel produzieren, wie China aufsaugen würde." (tob, DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2010)