Ohne Gaggerl-Flaggerl, aber mit Kritik am System

Rosa Winkler-Hermaden, 10. März 2010 10:36
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    Die GAJ will zwar keine Wahlempfehlung abgeben, setzt aber in der Zeit des Wahlkampfs Aktionen.

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    Dezember 2007: Ein Flaggerl, ein Gaggerl und viel Aufregung.

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    1998 präsentierte die GAJ ihre Kandidatin für das Präsidentenamt.

Die Grünalternative Jugend macht Wahlkampf für die Wiener Grünen - Das Verhältnis zur Mutterpartei war nicht immer rosig

"Nimm dein Flaggerl für dein Gaggerl" und "Wer Österreich liebt, muss scheiße sein". Diese beiden Sätze auf einem Plakat der Grünalternativen Jugend (GAJ) sorgten vor zwei Jahren für Aufregung. Die GAJ Wien wollte eine Debatte über Nationalismus lostreten. Die FPÖ bezeichnete sie daraufhin als "Tarnorganisation von heimatverachtenden Kommunisten" und ein Zeitungskommentator nannte die GAJ "bockige Jungspunde". Das Plakat wurde aus der Parteizentrale entfernt.

In der Zwischenzeit haben die Wiener Grünen der GAJ offenbar verziehen. Im Wahlkampf vor der Gemeinderatswahl, die im Oktober stattfindet, wird die GAJ nämlich mitmischen und die Grünen unterstützen. Unter dem Motto "Don't panik - get active" (sic!) ist eine Broschüre geplant. "Zielgruppe sind alle Wiener Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 20", erklärt Fabian Richter, Aktivist bei der GAJ Wien. Aus Angst vor Rechtsextremen verrät er seinen richtigen Namen nicht. Die Broschüre soll kurze Texte beinhalten, in denen linke Positionen erklärt werden, sagt er. Schwerpunktthemen werden dabei Feminismus und Rassismus, aber auch Anti-Nationationalismus und Ökologie sein. "Wir wollen die Jugendlichen ermuntern, Position zu beziehen", erklärt Richter. Ziel sei es in erster Linie aber nicht, Wahlwerbung für die Grünen zu machen. Die GAJ will generell Interesse wecken.

"Rassistischer Wahlkampf"

Als unmittelbare Reaktion auf die Strache-Comics will Richter das Projekt nicht sehen, aber er befürchtet "einen rassistischen Wahlkampf". Deshalb habe man es für sinnvoll gehalten, "dass wir unsere linken Positionen auch einmal zugänglich machen". Im Juni soll es außerdem ein Fest mit Band-Auftritten geben.

"Wir freuen uns über die Unterstützung", sagt Robert Korbei, Landesgeschäftsführer der Wiener Grünen, im Gespräch mit derStandard.at zur GAJ-Beteiligung am Wahlkampf. Die Partei sei eingebunden und wisse "natürlich" von den Plänen der Parteijugend. "Wir haben keine Direktive ausgegeben", aber man gebe Feedback.

Seitenhiebe auf die Partei

Das Verhältnis zur Mutterpartei war - auch abseits der Flaggerl-Gaggerl-Geschichte - nicht immer rosig. Gegen die Parteispitze gab es oft Seitenhiebe. Zum Beispiel 2002, als die GAJ den Parlamentsklub der Grünen aus Protest gegen die Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP besetzte. Oder 2006, als das Bild eines erhängten Alexander Van der Bellen umgegangen sein soll. Es ist kein Geheimnis, dass der ehemalige Grünen-Chef von solchen Aktionen nicht begeistert war.

Aufmerksamkeit erlangte die Jugendorganisation 1998, als sie gegen den Beschluss der Bundespartei ankündigte, eine eigene Kandidatin für die Bundespräsidentschaftswahl aufzustellen. Die Überraschung war groß, als zwei Wochen später Pippi Langstrumpf als Kandidatin präsentiert wurde mit den Worten: "Pippi steht für ein selbstbestimmtes Leben und Ablehnung von Autorität."

"Man muss ihnen den Spielraum geben"

Albert Steinhauser war in den 1990er-Jahren - vor der Pippi-Langstrumpf-Aktion - Sprecher der GAJ. Heute sitzt der 38-Jährige als grüner Justizsprecher im Nationalrat. "Die GAJ war nie eine klassische Vorfeldorganisation", sagt er im Gespräch mit derStandard.at, "ihr ist Autonomie und Eigenständigkeit wichtig". Steinhauser ist der Meinung, man brauche keine Jugendorganisation, die dann das macht, "was die Altvorderen sagen". Deswegen müsse es die Partei "aushalten, dass die Jungen eine kritische Meinung kund tun. Man muss ihnen den Spielraum geben."

Er glaubt aber, dass das nicht alle in der Partei so sehen: "Viele irritiert das Verhalten der GAJ". Für die Parteispitze sei es nicht immer "lustig" zu erklären, was die Jungen machen.

Keine "offizielle" Mitgliedschaften

Darüber, wie viele Jugendliche sich in der GAJ engagieren, gibt es keine Aufzeichnungen. Zu den Treffen in Wien kommen monatlich circa 15 Personen. Die Organisation ist dezentral aufgebaut, es gibt weder "offizielle" Mitgliedschaften noch Mitgliedsbeiträge. Die verschiedenen GAJ-Teilorganisationen in den Bundesländern sind zwar von den jeweiligen Landesparteien finanziell abhängig, dürfen aber tun und lassen, was sie wollen.

Die Jugendsprecherin der Grünen im Parlament Tanja Windbüchler-Souschill steht vereinzelt in Kontakt mit den GAJs in den Bundesländern. Sie hält die GAJ gerade in der Antirassismusarbeit für einen "großartigen Partner", wie sie zu derStandard.at sagt. "Was ich nicht goutiere ist, wenn es heftig wird", übt sie aber auch Kritik und spricht die erwähnte Van der Bellen Diffamierung an.

"Schwierigkeiten bei Systemkritik"

Generell findet sie aber, dass es kaum Themen gibt, wo die Meinungen bei Grünen und GAJ nicht deckungsgleich sind. Deshalb glaubt sie auch nicht, dass die Wiener Kollegen zurückschrecken sollten, wenn es um eine Beteiligung der GAJ beim Wahlkampf geht. Nur in einem Punkt ist sich Windbüchler-Souschill nicht sicher, ob im Wahlkampf alles reibungslos funktionieren wird: "Schwierigkeiten könnte es bei genereller Systemkritik an der Partei geben." Also daran, wie sich die Partei aufstellt.

Robert Korbei, der Landesgeschäftsführer der Wiener Grünen, gibt sich dennoch unbeeindruckt. "Diese Frage verstehe ich nicht", sagt er auf die Frage, ob die GAJ nicht zu unberechenbar für den Grünen-Wahlkampf sein könnte. Die GAJ habe schon viele Aktionen durchgeführt. Das Gaggerl-Flaggerl sei "nicht nach unserem Geschmack" gewesen, aber mehr Kritikpunkte nennt er nicht. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 10.3.2010)

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cantanto
28.03.2010 13:45
Aus Angst vor Rechtsextremen verrät er seinen richtigen Namen nicht.

So ein Schwachsinn!

_trazk_
29.05.2010 16:51
uuuuh ein experte

wie ihnen mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit nicht bekannt ist, tauchten in letzter zeit mehrmals drohungen gegen gaj-aktivist_innen auf rechtsradikalen websites auf.
erst im april haben nazi-schlägertrupps ein alternatives strassenfest angegriffen. uswusw

hier handelt sich's um keine fiktive bedrohung, sondern um eine höchst reale.

=> vorschlag: erst informieren, dann stänkern.
danke.

Vintageologist
 
29.05.2010 11:36
Genau das gleiche wollte ich auch posten.

Immer schön vor der fiktiven rechten Gefahr warnen.

Müsste er sich wirklich fürchten, dann wäre es sehr blöd, dass die ganzen Daten der Versammlungen etc. auf: http://www.gajwien.at/ zu finden sind.

Man braucht sich eigentlich nur allein die Wahlplakate ansehen und wo Vandalismus betrieben wird, um zu sehen, auf welcher Seite die radikalen Demokratiefeinde wirklich sitzen.

Oder seinen Mercedes (die mit dem Stehstern auf der Haube!) im Bereich der Mariahilferstraße über Nacht parken.

Dumme Linksfaschisten. Haha.

SchneeWolf
30.03.2010 16:12
Nichts besseres zu tun?

Schämen sollten sich diese Jugendlichen die bei so einer Grünen Hetz-Organisation dabei sind!!
Sieht der Leser die Bilder auf der Linken Seite, so muss er doch schon einsehen, dass die nichts gutes wollen.
Unsere Jugend sollte etwas besseres zu tun haben, als für solche Parteien Unruhe zu stiften!!
Auch die sogenannte Mutterpartei sollte aufhören ihr Netz mit Ködern über Österreich auszulegen und unwissende Wähler zu fangen.

Woyt'sa Vadshn?
 
15.03.2010 13:34
Zu den Treffen in Wien kommen monatlich circa 15 Personen

Buah! So viele? Na da haben die Grünen ja sicher kein Nachwuchsproblem!

Aber diese mickrige Anzahl bestätigt meine Hoffnung, dass die Jugend nicht völlig hirntot ist und das sinkende Schiff schon längst verlassen haben!

Südmährer
13.03.2010 15:28
Das ganze ist ohnehin nur eine virtuelle Konstruktion

Niemand weiß über Mitgliederzahlen etc. Da treffen sich einfach ein paar junge Leute u lassen sich ihre Partys von den Grünen finanzieren...

rorschach
17.03.2010 18:56
sie verwechseln da was

fürs saufen bis zum umkippen ist eher die jvp berüchtigt - ungefähr das ist auch ihr politisches programm

beim rfj kommt zum saufen noch das ausgiebiege anstreifen und eintauchen in die nationalsozialistische gesinnung hinzu ...

Vintageologist
 
29.05.2010 11:38
Ich durfte schon einmal einer GAJ Gruppe live beiwohnen...

Glücklicherweise schon Jahre her... aber... was Südmährer da geschrieben hat, trifft es sehr gut.

Kasamandl
29.03.2010 10:05
Bist du vielleicht einer von den 15?

Dann macht so weiter. Abschreckende Beispiele sind die besten.

mistvieh666
11.03.2010 20:49

bei den unter 30 jaehrigen haben die GRUENEN 1/3 der stimmen von FPOE/BZOE.
normale menschen wuerden sich ueberlegen, warum das so ist, gegenstrategien entwerfen, sich der realitaet stellen.
lustig zu sein als lebenseinstellung, ja, eh okay.

Mario Rutar
11.03.2010 12:59

I bin grün. Bitte hilf mir über Autobahn...

Vedralo-Spiralo
11.03.2010 12:44
Eine eigenständige ...

...Jugendorganisation, die auch manchmal etwas aufmuckt, hat ja etwas für sich. Aber so wie die Grünen ihre Selbstzerfleischung betreiben, das grenzt schon an Sadismus.

Herr und Frau Österreicher
 
11.03.2010 11:40
"Für die Parteispitze sei es nicht immer "lustig" zu erklären, was die Jungen machen"

Dieses Problem hat die FPÖ nicht! deren Jugend ist ganz auf Linie: http://derstandard.at/126774361... s-Verdacht

ThePeanut
11.03.2010 13:56

ich denke nicht, dass das irgendwen überrascht ...

kamelchen hat beim grossen höckerschupfen gewonnen
11.03.2010 10:00

"ich waehle gruen"?????

warum nicht gleich: "ich bin ein trottl" bzw. "ich bin arbeitsscheu" bzw. "ich bin geistiger vegetarier"

ThePeanut
11.03.2010 13:58

sie scheinen wohl farbblindheit zu haben... grün ist ungleich blau

Kasamandl
29.03.2010 10:09
Farbenlehre:

Bei subtraktiver Farbmischung erreicht man Grün durch Mischung der Farben Cyan (Blau) und Gelb...

Herr und Frau Österreicher
 
11.03.2010 11:37

Ja wie sich selbst bezeichnen, da haben die anderen keinen Einfluss drauf... Aber was sie da schreiben, wird wohl zutreffen, auch wenn sie - wie ich annehme - nicht grün wählen.

Wir sind die Guten!
11.03.2010 09:34
Für die Parteispitze sei es nicht immer "lustig" zu erklären, was die Jungen machen?

und vice versa wird´s wohl auch nicht immer leicht sein der grünen jugend zu erklären, was die parteispitze so macht, oderß

Vintageologist
 
29.05.2010 11:39
Und schon gar nicht "lustig" ist es...

dem Rest der Österreicher zu erklären, was die kleinen und großen Grünen da eigentlich machen :D

Claidheamh Mòr
11.03.2010 10:13
an (konstruktiver) Kritik waechst man

jedenfalls ein besseres Konzept , als Kadersoldaten heranzuschmieden.

kalinka karechta
11.03.2010 08:20
Kann man die Grünen nicht nach dem Terroristenparagraphen anklagen?

Johnny Brainstorm
 
11.03.2010 13:26

Man kann sogar die Pfadfiner nach 278a anklagen...

Mahlzeit!
11.03.2010 09:53
Mafiaparagraph...

Wir sind die Guten!
11.03.2010 09:35
klar! nach dem "terrorismusparagraphen" kann man leider alles und jeder je nach gusto anklagen!

und darum gehört er auch weg!

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