Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Nach fünf Minuten war alles vorbei. Links gegen Rechts prallte in dem Innenstadtlokal in Graz aufeinander. Die Bilanz: Nasen- und Jochbeinprellungen, gebrochene Nasen und Augenbögen, ungezählte blaue Flecken.
Ende Jänner feierten 15 Jugendliche in dem Grazer Lokal "Zeppelin", nahe der Universität, eine Geburtstagsparty. Laut einigen der Anwesenden, die aus Angst vor etwaigen Racheaktionen ihre Namen nicht öffentlich nennen wollen, kamen um etwa 23 Uhr sieben junge Burschen hinein - einschlägig gekleidet mit Bomberjacken, Springerstiefeln, Hakenkreuz-T-Shirts, "Blood and Honour"-Tattoos. Sie fühlten sich durch die Musik provoziert, sagen die Augenzeugen. Gespielt wurden die Toten Hosen, Rolling Stones, die Ärzte. Bierdeckel und Kugelschreiber fliegen auf die Tische der Feiernden, die gegenüberliegende Gruppe prostet sich zu. "Heil H. C.", "Heil Hitler" sollen sie gerufen haben. Auch das Horst Wessel Lied sei gesungen worden, erzählt man später der Polizei: "Die Fahne hoch! SA marschiert". Die Stimmung wird angespannter. Das Geburtstagskind möchte vermitteln, er geht zu dem Tisch, sagt: "Wir wollen keinen Stress haben heute."
Schwere Körperverletzung und Wiederbetätigung
Er wird am Kragen gepackt, zu Boden gestoßen, vier Leute schlagen auf ihn ein. Zwei seiner Freunde wollen ihm zu Hilfe kommen. Der Großteil der Geburtstagsgesellschaft ist, den späteren Aussagen der Anwesenden nach, wie erstarrt. Bevor noch klar wird, was eigentlich passiert, kommt die Polizei. Die Hälfte der Rechten türmt, drei werden vor Ort festgehalten und ihre Ausweise überprüft. Die restlichen vier identifizieren die Augenzeugen später anhand einer Lichtbildkartei bei der Polizei, wie der zuständige Polizist der Dienstelle Andritz gegenüber derStandard.at angibt. Ermittelt wird gegen sie laut Angaben des Anwalts wegen schwerer Körperverletzung und Wiederbetätigung im Sinne des NS-Verbotsgesetzes.
Die Betroffenen, für welche die Unschuldsvermutung gilt, sind keine Unbekannten: Sie sind zum Teil Mitglieder des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ). So sorgte der Deutschlandsberger RFJ-Funktionär Stefan J. bereits im April 2007 für Aufregung als er die Abschaffung des Verbotsgesetzes forderte. Mutmaßlicher Rädelsführer der Truppe war laut Zeugenberichten Gerhard T., der sich laut DÖW im neonazistischen Umfeld bewegt. Auf seiner Facebook-Seite bezeichnet er sich selbst als "politischen Soldat" und "Rassismus ist gesunder Volkserhaltungstrieb", er begrüßt mit Vorliebe mit "Heil dir", als seine Lieblingsmusiker nennt er die verbotene deutsche Neonaziband "Landser" und Michael Müller. Im Februar 2009 marschierte er in Dresden beim neonazistischen Trauermarsch auf, verlangte bei einer Demo Freiheit für Gert Honsik und ist auf Fotos gemeinsam mit dem bekennenden Nationalsozialisten Gottfried Küssel abgebildet.
"Deutschösterreich, du herrliches Land"
Letzteres gilt auch für den bei der Schlägerei ebenfalls anwesenden ehemaligen Grazer RFJ-Funktionär Richard P.. Dieser pflegte gute Kontakte zu dem vom DÖW als offen rechtsextrem eingestuften Bund freier Jugend (BfJ), unter anderem tauchte er bei dessen "Sommerfest" 2007 auf, gemeinsam mit Küssel und dessen Vertrautem Felix Budin, ehemaliger VAPO-Aktivist (Volkstreue Außerparlamentarische Opposition).
Ausgeschlossen wurde er aus dem RFJ allerdings nicht deshalb, sondern aus übertriebener Loyalität zu seinem Chef: Nachdem im Jänner 2008 per "Falter" bekannt geworden war, dass der Grazer Gemeinderat und FP-Klubchef Armin Sippel beim "Aufruhr-Versand" zwei T-Shirts mit der Aufschrift "Germania - 88 wear" und "Nationalist - Ehre, Freiheit, Vaterland" bestellt haben soll, was dieser aber immer dementiert hat, ließ sich P. in Treue zu seinem Herrn dazu hinreißen eine Aussendung herauszugeben. Darin empfahl er, man solle die Mitarbeiter einer "nachrichten- und erkennungsdienstlichen Untersuchung" unterziehen, "Nasen- und Anuskontrolle" mit einbezogen. Der RFJ schmiss P. daraufhin offiziell hinaus. Die Burschenschaft "Germania im CDC" - bei der Sippel und Stefan J. Mitglieder sind - zog nach und strich laut deren Obmann, P. als "nicht brauchbar und nicht in unsere Gesellschaft integrierbar" von der Mitgliederliste.
Bei der Schlägerei anwesend soll übrigens auch der Bruder von J., Christian, gewesen sein. Dieser posiert auf seiner Facebook-Seite stolz in Tracht und findet Lieder wie "Deutschösterreich, du herrliches Land" ganz super.
Parlamentarische Anfrage
Laut Polizeidienststelle sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, man habe insgesamt drei Monate Zeit, den Fall abzuschließen und der Staatsanwaltschaft zu überreichen. Den Grünen dauert das zu lange, sie bringen eine parlamentarische Anfrage ein, um zu erfahren, in welchem Stadium sich die Ermittlungen befinden. Das bestätigt man gegenüber derStandard.at. (Saskia Jungnikl, derStandard.at, 10.3.2010)
derStandard.at/SMS: Nachrichten in Echtzeit auf Ihr Handy!
Gegenoffensive zum Gedenken der schlagenden Burschenschaften: Am Abend des 8. Mai laden die Wiener Symphoniker zum Konzert auf den Heldenplatz
Stagnation im Vorjahr - 519 Tathandlungen
Rassismusreport von ZARA zeigt Zunahme bei Internet-Hetze gegen Minderheiten - Rassismus in Schulen macht Sorgen
FPÖ-Linz-Chef Detlef Wimmer soll Kontakte zu Betreibern der Neonazi-Seite Alpen-Donau.Info gehabt haben - Dieser dementiert
Neonazi-Netzwerk "Objekt 21": Landessicherheitsrat tagt im Frühling erneut
Kripobeamter und Datenforensik-Sachverständiger kämpft privat gegen Neonazis
Oberösterreichisches rechtes Netzwerk im Visier der Justiz
20-Jähriger stach jungem Mann verbotenen Körperschmuck - Urteil bereits rechtskräftig
Mauthausen-Komitee: "Katastrophale Zustände" - Ministerium weist Kritik zurück
Zwei von drei mit Rechtsextremismus befasste Beamte sollen selbst gute Kontakte zur Szene haben - Polizei weist die Vorwürfe zurück
"Alte" Wiener Polizei-Uniform statt SS-Uniform
Die harten Urteile im Küssel-Prozess seien ein wichtiges abschreckendes Signal, die Szene sei jetzt ruhiger, meint DÖW-Experte Andreas Peham
die staatsbürgerschaft abzuerkennen und sie in Nord-Somalia oder im Kongo auszusetzen? am besten noch mit N-Wort-Tattoos quer übers gesicht und durchschnittenen Achillessehnen?
wäre doch sicher ein spass....
… was bemühen sie denn so gewichtige Begriffe wie Gesetz, Moral und Menschlichkeit. Bei einem jungen Gockel schwillt schnell einmal der Kamm das ist ganz natürlich da brauchen´s nicht die Moralkeule zu schwingen. Das ist ja erstens nicht so gemeint und zweitens sicher schon vergessen.
Aber so ist das halt wenn der junge Nazi provoziert und schlägernd durch die Kneipen zieht dann glauben halt manche sie müssten da mit gleicher Münze zurückzahlen - aber solange das nur fantasierte Aktionen sind brauch man sich da keine sorgen zu machen. Ist ja nur eine geäußerte Meinung.
was soll man dazu sagen?
die fpö hat sich die suppe selber eingebrockt.
man muß ja nur schauen wer in der fpö sitzt.
bissl rechts bissl links schadet ja nie.
aber die glauben an dinge die es nicht mehr geben wird.
durch solche aktionen schaden sie sich nur selber, aber sie legen selber sich das holz ins feuer.
ich finde es eine gelungene aktion und ein gutes bespiel auf die wir stolz sein können. es zeigt wie einfach es ist, zwei fronten zum kochen zu bringen. am ende gibts ein haufen schuldsprüche...
Die 100.000 Nazis nach 1945 hatten sich nicht in Luft aufgelöst.Manche gingen zu ÖVP u.SPÖ(z.B.BSA vulgo"BSS").Die deren Ehre Treue heißt zumVdU ,in dem sich auch Deutschnationale Industrielle(später "die Liberalen in der FPÖ")sammelten.Der RFJ war aber immer schon ein Hort von Neonazis und Rechtsextremen(was nicht dasselbe ist).Heute trauen sie sich mehr was wohl mit dem Sündenfall 2000 zu tun hat und mit dem allgemeinen nach Rechts driften der Gesellschaft.
Das Fundament der FPÖ sind die Rechtsextremen Österreichs also muss der RFJ als Jugendorg.noch extremer sein.Von "Nähe zu" zu sprechen ist sehr höflich.Der Kern ist braun und hin und wieder wird mit blauer und orangener Tarnfarbe experimentiert.
lg heinz
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.