Einsparungen

Gerangel um Forschungsbudgets voll entbrannt

09. März 2010 16:19

FFG plädiert für "klaren Wachstumspfad" - IV setzt auf indirekte Forschungsförderung

Wien - Im Zuge der Arbeit an der Forschungsstrategie und des heute, Dienstag, im Ministerrat beschlossenen Budgetrahmens und der geplanten Einsparungen ist das Gerangel um künftige Forschungsbudgets voll entbrannt. Während man seitens der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) die direkte Förderung gestärkt sehen will, priorisiert der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Markus Beyrer, die indirekte Förderung, sprich die Erhöhung der Prämie auf 12 Prozent.

Sowohl die beiden FFG-Geschäftsführer Henrietta Egerth und Klaus Pseiner als auch Beyrer plädierten in APA-Interviews am Rande der IV-Veranstaltung "Future Innovation Trends" am Dienstag in Wien gegen Kürzungen bei der wirtschaftsnahen Forschung. "Wir brauchen zwar eine Exit-Strategie aus der Krise aber auch eine Einstiegsstrategie in die Zukunft", sagte Beyrer. Einsparen könne man dort, "wo es nicht an die Substanz" gehe, die Forschungsförderung sei dafür völlig ungeeignet.

Beispiele, wo man einsparen sollte, nannte der IV-Generalsekretär allerdings nicht. Keinesfalls sollte man die angewandte Forschung und die Grundlagenforschung gegeneinander ausspielen. In Forschung und Wissenschaft gehe es immer mehr um Netzwerke. Er, Beyrer, würde sich allerdings wünschen, dass es im Bereich der Unis "mehr Wettbewerb im System" gebe. Als positives Beispiel nannte er etwa "leistungsbezogene Zugänge" zu den Hohen Schulen.

Im Bereich der angewandten Forschung würde seitens der IV derzeit klar die steuerliche Förderung favorisiert. Eine Erhöhung der Forschungsprämie auf 12 Prozent sei schon deshalb dringend nötig, da Österreich im OECD-Vergleich bei der indirekten Forschungsförderung auf Rang 22 zurückgefallen sei.

Dieser von Beyrer geforderten Priorisierung können sich Pseiner und Egerth nicht anschließen. Vielmehr garantiere nur die direkte Förderung über strenge Prüfungen der Anträge die Qualität der Forschungsvorhaben. "Wir sind kein Bankomat", so Pseiner, "Strukturveränderungen" seien nur über qualitativ hochwertige Projekte möglich.

FFG: Weitere Einsparungen fatal

Egerth verwies darauf, dass die FFG nach einem Hoch im Jahr 2008 in den vergangenen zwei Jahren mit sinkenden Budgetzahlen zu kämpfen gehabt habe. Weitere Einsparungen wären daher fatal und das falsche Signal an die Wirtschaft. Durch die Wirtschaftskrise habe sich auch der Anteil der öffentlichen finanzierten zur privaten Forschung zur öffentlichen verschoben. Durch mehr Mittel und entsprechende Hebelwirkungen gelte es, diesen Trend wieder umzukehren. Wenn man das Ziel einer Forschungsquote von drei Prozent noch erreichen wolle, sei jedenfalls "ein massiver Anreiz" nötig.

Wie auch Beyrer möchte Egerth die angewandte Forschung nicht gegen die Grundlagenforschung ausspielen. Diese beiden Bereiche seien als "Wertschöpfungskette" zu verstehen, die aufeinander aufsetzen würden. Der für Grundlagenforschung zuständige Wissenschaftsfonds FWF kämpfe zudem mit ähnlichen Problemen wie die FFG. (APA)

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