FFG plädiert für "klaren Wachstumspfad" - IV setzt auf indirekte Forschungsförderung
Wien - Im Zuge der Arbeit an der Forschungsstrategie und des heute,
Dienstag, im Ministerrat beschlossenen Budgetrahmens und der geplanten
Einsparungen ist das Gerangel um künftige Forschungsbudgets voll entbrannt.
Während man seitens der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) die direkte
Förderung gestärkt sehen will, priorisiert der Generalsekretär der
Industriellenvereinigung (IV), Markus Beyrer, die indirekte Förderung, sprich
die Erhöhung der Prämie auf 12 Prozent.
Sowohl die beiden FFG-Geschäftsführer Henrietta Egerth und Klaus Pseiner als
auch Beyrer plädierten in APA-Interviews am Rande der IV-Veranstaltung "Future
Innovation Trends" am Dienstag in Wien gegen Kürzungen bei der wirtschaftsnahen
Forschung. "Wir brauchen zwar eine Exit-Strategie aus der Krise aber auch eine
Einstiegsstrategie in die Zukunft", sagte Beyrer. Einsparen könne man dort, "wo
es nicht an die Substanz" gehe, die Forschungsförderung sei dafür völlig
ungeeignet.
Beispiele, wo man einsparen sollte, nannte der IV-Generalsekretär allerdings
nicht. Keinesfalls sollte man die angewandte Forschung und die
Grundlagenforschung gegeneinander ausspielen. In Forschung und Wissenschaft gehe
es immer mehr um Netzwerke. Er, Beyrer, würde sich allerdings wünschen, dass es
im Bereich der Unis "mehr Wettbewerb im System" gebe. Als positives Beispiel
nannte er etwa "leistungsbezogene Zugänge" zu den Hohen Schulen.
Im Bereich der angewandten Forschung würde seitens der IV derzeit klar die
steuerliche Förderung favorisiert. Eine Erhöhung der Forschungsprämie auf 12
Prozent sei schon deshalb dringend nötig, da Österreich im OECD-Vergleich bei
der indirekten Forschungsförderung auf Rang 22 zurückgefallen sei.
Dieser von Beyrer geforderten Priorisierung können sich Pseiner und Egerth
nicht anschließen. Vielmehr garantiere nur die direkte Förderung über strenge
Prüfungen der Anträge die Qualität der Forschungsvorhaben. "Wir sind kein
Bankomat", so Pseiner, "Strukturveränderungen" seien nur über qualitativ
hochwertige Projekte möglich.
FFG: Weitere Einsparungen fatal
Egerth verwies darauf, dass die FFG nach einem Hoch im Jahr 2008 in den
vergangenen zwei Jahren mit sinkenden Budgetzahlen zu kämpfen gehabt habe.
Weitere Einsparungen wären daher fatal und das falsche Signal an die Wirtschaft.
Durch die Wirtschaftskrise habe sich auch der Anteil der öffentlichen
finanzierten zur privaten Forschung zur öffentlichen verschoben. Durch mehr
Mittel und entsprechende Hebelwirkungen gelte es, diesen Trend wieder
umzukehren. Wenn man das Ziel einer Forschungsquote von drei Prozent noch
erreichen wolle, sei jedenfalls "ein massiver Anreiz" nötig.
Wie auch Beyrer möchte Egerth die angewandte Forschung nicht gegen die
Grundlagenforschung ausspielen. Diese beiden Bereiche seien als
"Wertschöpfungskette" zu verstehen, die aufeinander aufsetzen würden. Der für
Grundlagenforschung zuständige Wissenschaftsfonds FWF kämpfe zudem mit ähnlichen
Problemen wie die FFG. (APA)