Recht(s) geht vor Geschlecht

10. März 2010, 07:00
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Barbara Rosenkranz machte durch ihre Affinität zum NS-Regime Schlagzeilen - Rechtskonservative Ideologien prägen auch ihr Frauenbild

Nun haben wir es also Schwarz auf Weiß: Barbara Rosenkranz verurteilt die ungeheuren Verbrechen des Nazi-Regimes. In einer eidesstattlichen Erklärung hatte sich die FPÖ-Kandidatin für das höchste Amt im Staat am Montag "entschieden von der Ideologie des Nationalsozialismus" distanziert. Leicht dürfte ihr dieses Bekenntnis, das zu den Basics humanen Denkens und eines durchschnittlichen Demokratieverständnisses zählt und somit selbstverständlich sein sollte, jedoch nicht gefallen sein.

Jede andere Person, die diese Selbstverständlichkeit in sich trägt, würde nicht zögern auszuführen, was es alles an Abscheu über ein solch menschenverachtendes mörderisches System zu sagen gibt. Jede andere Person würde sich nicht damit begnügen, sich vom NS-System bloß "zu distanzieren". Jede andere Person würde aber auch nicht dazu angehalten werden (müssen), diese "Distanz" notariell beglaubigen zu lassen.

Dieses Schwarz-auf-Weiß-Bekenntnis bringt uns also gar nichts. Und wir können nur hoffen, dass die Rosenkranz-AnhängerInnen eine verschwindend kleine Minderheit darstellen, vor allem die weiblichen unter ihnen. Denn auch das Frauenbild der FP-Politikerin entspricht nicht im Entferntesten dem frauenpolitischen österreichischen Konsens 2010, sondern bewegt sich in Sphären, die vor den großen Reformen der 1970er-Jahre liegen.

In einem Interview gegenüber der "Presse" vom vergangenen Sonntag wurde deutlich, dass für Rosenkranz der Feminismus keine Daseinsberechtigung hat. Wenn sie über Frauen redet, meint sie automatisch die Rolle der Mutter, wenn sie über Rollen redet, verneint sie die Existenz des sozialen Geschlechts: "Die Gendertheorie ... ist unwissenschaftlich und falsch. Es gibt selbstverständlich das biologische Geschlecht". Wenn sie über Kindererziehung redet, spricht sie sich zwar nicht eindeutig gegen Halbe-Halbe aus, meint aber, der Staat habe kein Recht, Lebensverhältnisse vorzuschreiben, worunter die zehnfache Mutter die "Bestrafung traditioneller Rollenbilder" versteht.

So geschickt ausweichend kann Barbara Rosenkranz gar nicht argumentieren. Egal, wozu sie sich äußert, durch ihr vorsichtiges Ja-nicht-zuviel-Sagen kommt mehr zum Vorschein als ihr lieb sein könnte. Und das bedeutet nicht nur nichts Gutes über ihr Geschichtsverständnis und ihre politische Ideologie, die logischerweise darauf basiert, sondern eine Bedrohung für die eingangs erwähnten demokratischen Basics. Ob eine Person dieses Zuschnitts für das Präsidentschaftsamt zulässig ist, sollte noch weiter diskutiert werden.
(Dagmar Buchta/dieStandard.at, 10.03.2010)

  • Barbara Rosenkranz beherrscht das ausweichende Antworten und sagt dadurch mehr als ihr lieb sein könnte.
    foto: der standard/matthias cremer

    Barbara Rosenkranz beherrscht das ausweichende Antworten und sagt dadurch mehr als ihr lieb sein könnte.

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