Methode vor knapp zehn Jahren in Österreich eingeführt - 500ster Fuß vor kurzem operiert
Wien - Eines von 900 Babys in Österreich kommt mit Klumpfüßen zur Welt. Bei dieser Fehlstellung sind die Füße des Neugeborenen sehr stark deformiert. Trotz der massiven Verformung können mit der modernen Ponseti-Methode, die auf eine Gipsbehandlung beruht, die Füße wieder in Normalstellung gebracht werden. Das Kind kann dann wieder normal gehen und laufen, und sogar leichte Sportarten ausüben. Darauf wiesen heute Spezialisten des Orthopädischen Spitals Speising in Wien hin.
Die Methode ist unblutig - eine offene Operation ist nicht notwendig - und ist in mehr als 90 Prozent aller Fälle erfolgreich. Im Vergleich zur früher üblichen Operation ("Release-Operation", Anm.) bietet die Ponseti-Methode die Vorteile, dass sie zu keiner Narbenbildung und kaum zu Bewegungseinschränkung führt.
Zeit für die Knochen
Durch wöchentliche zarte Manipulation und durch Anlegen von Ober- und Unterschenkelgipsen für fünf bis acht Wochen werden die Füße korrigiert. Das dehnt die Bänder und Sehnen des Fußes und gibt den Knochen Zeit, sich durch die korrigierenden Kräfte im Gips umzuformen.
Nachdem der Fuß korrigiert ist, wird bei über 90 Prozent der Kinder eine perkutane Achillessehnen-Tenotomie (pAST) durchgeführt - ein kleiner Eingriff, bei dem in einer Kurznarkose die Achillessehne durch einen Fünfmillimeterschnitt durchtrennt wird. Dadurch kann der Fuß nach oben bewegt werden und die Achillessehne heilt in dem postoperativ angelegten Gips aus.
Nach Abnahme des letzten Gipsverbandes braucht das Kind spezielle Schuhe, die mit einer Stange verbunden sind und die Füße nach außen drehen. Die Schienen müssen in den ersten drei Monaten 22 Stunden am Tag angelegt werden. Danach werden die Schienen nur noch in der Nacht und bei Schläfchen getragen. Erst zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr, je nach Fußform und ursprünglicher Fehlstellung, kann die Schiene weggelassen werden.
Österreichischer Spitzenreiter
Das Orthopädische Spital Speising ist in Europa laut eigenen Angaben einer der Spitzenreiter in dieser Methode. m Jahr 2002 führte Franz Grill, der Ärztliche Direktor der Klinik, gemeinsam mit Oberarzt Christof Radler diese Behandlungsweise in Österreich ein. „Mittlerweile hat Speising die meiste und längste Erfahrung mit der Ponseti-Methode im deutschsprachigen Raum, und neben einer Klinik in Italien auch EU-weit", resümiert Radler. Vor kurzem wurde in der Spezialklinik in Wien-Speising der 500ste Babyfuß nach Ponseti therapiert. (red)