Nationaler Sicherheitsberater entlassen - Polizei setzt Zahl der Opfer herab - Untersuchung und Schutz der Zivilbevölkerung gefordert
Nairobi/Abuja - Nach dem Blutbad mit Hunderten Toten in Nigeria haben Schüsse am Dienstagabend
Angst vor neuer Gewalt geschürt. Mehr als 100 Menschen, vor allem Frauen und
Kinder, suchten in der Stadt Jos in einerKaserne Schutz, nachdem in den Straßen
Gewehrfeuer zu hören war. Die Behörden erließen ein nächtliches Ausgehverbot.
Menschenrechtsgruppen forderten eine unabhängige Untersuchung der Gewalt
zwischen Muslimen und Christen.
Inzwischen hat sich die Lage in der
Region wieder beruhigt. Die Einwohner
des Vorortes Bukka Uku seien am Mittwoch wieder in ihre Häuser
zurückgekehrt, sagte eine Bewohnerin der Nachrichtenagentur AFP. Der Frau zufolge
schossen Polizisten in die Luft, um eine Gruppe Christen
auseinanderzutreiben. Die verängstigten Bewohner hätten zunächst aber
an einen Schusswechsel gedacht.
96 Festnahmen, Opferzahl nach unten korrigiert
Nach dem jüngsten Massaker haben Polizei und Militär fast 100 mutmaßliche Täter festgenommen. Ein Polizeisprecher berichtete, 96 Männer vom muslimischen Nomadenstamm der Fulani Hausa seien festgenommen worden. Bei dem Überfall auf drei christliche Dörfer im zentralnigerianischen Bundesstaat Plateau waren in der Nacht zum Sonntag etwa 500 Menschen getötet worden, wie es ursprünglich hieß.
Inzwischen hat die Polizei die Zahl der Opfer aber deutlich nach unten korrigiert. Bei dem Überfall seien 109 Menschen getötet worden, teilte
der Polizeichef des Bundesstaates Plateau, Ikechukwu Aduba, am
Mittwoch mit. Diese Zahl sei "authentisch und unstrittig". Frühere
Angaben der Behörden seien "gefälscht" gewesen. Vertreter der örtlichen
Zivilgesellschaft hatten von 200 bis 400 Todesopfern gesprochen.
Der amtierende nigerianische Präsident Goodluck Jonathan entließ als Konsequenz den nationalen Sicherheitsberater. Zum Zeitpunkt des Massakers galt eigentlich eine Ausgangssperre, und Soldaten
hätten die Region patrouillieren sollen. Die Menschenrechtsorganisation Human
Rights Watch appellierte deshalb an Präsident Jonathan, die Polizei und das
Militär zum Schutz der Dorfbewohner zu verpflichten. Erst im Jänner waren mehr als 300 Menschen bei Unruhen zwischen Christen und Muslimen getötet worden.
Mehrere hundert Opfer des Angriffs vom Wochenende wurden noch am Montag in Massengräbern beigesetzt, wie die Zeitung "Vanguard" berichtete. In den Dörfern wurden Soldaten stationiert, um weitere Übergriffe und Plünderungen zu verhindern. (APA)