Konferenz zur Nutzung der Kernenergie in Paris
Paris - Die israelische Regierung plant den Bau von Atomkraftwerken. Der für Infrastruktur zuständige Minister Uzi Landau sagte am Dienstag auf einer Konferenz zur zivilen Nutzung der Kernenergie in Paris, sein Land wolle seine Abhängigkeit von Kohle verringern. Bei der zivilen Nutzung der Kernenergie würde Israel gern mit Ingenieuren und Technikern aus den arabischen Nachbarstaaten kooperieren, betonte Landau. Auf der Konferenz äußerte auch Syrien Interesse an der Nutzung der Kernenergie. Damaskus prüfe derzeit die Nutzung "alternativer Energiequellen einschließlich der Atomkraft", sagte der stellvertretende Außenminister Faisal Mekdad.
Über ein Atomwaffenprogramm verfügt Israel nach Einschätzung von Experten. Die israelische Regierung hat dies niemals dementiert, aber auch nicht bestätigt. Die sogenannte Politik der "atomaren Zweideutigkeit" sei für die Verteidigung des Landes "unverzichtbar", hatte der frühere Ministerpräsident Ariel Sharon erklärt. Israel ist als einziges Land der Region nicht dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten. Der israelische Atomexperte Mordechai Vanunu hatte neun Jahre am Atomreaktor Dimona gearbeitet und der britischen Zeitung "Sunday Times" 1986 Informationen über Nukleargeheimnisse Israels übermittelt. Basierend auf seinen Aufdeckungen und heimlich aufgenommenen Fotos kamen Experten zu dem Schluss, dass Israel über das sechstgrößte Atompotenzial der Welt verfüge. Noch im selben Jahr entführten Agenten des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad Vanunu in Rom und verschleppten ihn nach Israel. Dort wurde er in einem nicht öffentlichen Prozess zu 18 Jahren Haft verurteilt, von denen er zwölf in strenger Einzelhaft absitzen musste.
Der frühere Chef der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO), Mohamed ElBaradei, hatte vor verhängnisvollen Folgen eines etwaigen israelischen Militärschlags gegen Nuklearanlagen im Iran gewarnt: "Es wäre völlig verrückt, den Iran anzugreifen. Das würde die Region in einen einzigen großen Feuerball verwandeln, und die Iraner würden sofort mit dem Bau der Bombe beginnen" - mit "der Unterstützung der gesamten islamischen Welt", hatte der Ägypter gesagt. (APA/apn/AFP)