In Internetforen hat die Verschwörungstheorie in der Zwischenzeit ein seltsames Eigenleben angenommen
Innsbruck/Wien - Für Ferdinand Karlhofer "ist das Ganze ein Nicht-Thema". Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der Vorstand des Instituts für Politikwissenschaft knapp und sachlich von den in einem STANDARD-Interview geäußerten Verdacht seiner Institutskollegin Claudia von Werlhof distanziert, dass das Erdbeben in Haiti möglicherweise durch Maschinen des US-Geheimprojekts HAARP verursacht worden sei.
Derartige Aussagen würden jeder wissenschaftlicher Grundlage entbehren, hatte Karlhofer zu Protokoll gegeben. Von Werlhof konterte in einem offenen Brief - ohne weitere Belege für ihren Verdacht. Karlhofer bleibt im Gespräch mit dem STANDARD dabei: "Für mich ist die Geschichte erledigt."
In Internetforen freilich hat die Verschwörungstheorie von Werlhofs, die sich auf keinen einzigen auch nur halbwegs ernst zu nehmenden Geophysiker berufen kann, in der Zwischenzeit ein seltsames Eigenleben angenommen. So sah sich zuletzt sogar jemand aus dem Bundesvorstand der KPÖ genötigt, die ökofeministische Erdbebentheorie zu unterstützen, während diese am wissenschaftlich seriösen Scienceblogs.de zerlegt wird.
Aber so ist das mit Verschwörungstheorien: Auch die seriöseste Kritik an ihr ist eben Teil der Verschwörung. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 16. 3. 2010)
--> Vorgeschichte: Innsbrucker Politologin verteidigt skurrile Verschwörungstheorie