Theologe Picker

"Zölibat abschaffen und damit Männerbund Klerus sprengen"

9. März 2010, 13:02

Der Psychotherapeut sieht derzeitige Vorgänge als Chance: "Großartig, dass das ansprechbar geworden ist"

Das Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche sorgt derzeit in ganz Europa für Skandalschlagzeilen. 2009 in Irland, heuer in Deutschland und nun offenbar auch in Österreich. Warum reißen die Schreckensmeldungen über Pädophilie innerhalb von Kirchen- bzw. Internatsmauern nicht ab? Ist der Zölibat daran schuld? Gibt es Hoffnung auf eine Lösung des Problems?

"Die Kirche hat einen hohen ideellen Wert, da fällt jede Abweichung auf, sie steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, dort darf so etwas nicht passieren", beschreibt Picker ein über Jahrhunderte gewachsenes Verhaltensmuster unserer Gesellschaft. Das derzeitige Aufbrechen, das Ende des Schweigens der Missbrauchsopfer sieht er als Chance: "Es ist großartig, dass das ansprechbar geworden ist." Lange Zeit hätten sich Menschen gefürchtet, Dinge wie diese zu benennen. Deshalb dauere es meist 20, 30, 40 Jahre, bis jemand den Mut aufbringt und darüber redet: "Weil vom Priester eine archaische Macht ausgeht. Man war es einfach nicht gewohnt, so etwas zu melden." Der Geistliche als unantastbares Wesen, als über dem Gesetz stehende Person - ein Problem, mit dem die vielen Missbrauchsopfer im Vorjahr in Irland konfrontiert worden waren.

Für Picker ist der Zölibat ein besonderer Bremser in der Auseinandersetzung der Kirche mit Sexualität: "Es ist für die psychosexuelle Entwicklung eines jungen Menschen eine unglaubliche Irritation. Die Kirche leugnet das aber bis heute. Der Zölibat kann schwere Erfahrungsstörungen bewirken. Außerdem zieht es wie ein Magnet psychisch deformierte Jugendliche an. Auch deshalb gehört es abgeschafft, um damit den Männerbund Klerus zu sprengen." Der Verzicht auf Sexualität als sinnloses Opfer: "Es ist nicht argumentierbar, was Gott davon haben soll."

Männerbund mit großer Macht

Darüber hinaus übe ein Männerbund auf den einzelnen Mann große Macht aus. "Er dient zur Identifikation: Wir haben etwas besonderes gegen Frauen. Das kommt daher, dass die Männer die politische Macht übernommen haben, obwohl sie biologisch gesehen das schwächere Geschlecht sind." Die Kirche müsste diesen Umstand laut Picker gar nicht fürchten, doch ihr kulturelles Erbe hindere sie daran. "Ein Bub ist gar nichts, eine Frau ist der Feind." Sich einem Buben sexuell zu nähern ziehe keinerlei Verantwortung nach sich, es finde kein Zeugungsakt statt, es resultiere daraus keine "Zukunft". "Dabei ist noch viel zu wenig überlegt worden, was eigentlich aus den Kindern geworden ist. Man hat immer gesagt: Ach, was soll das denen schon ausmachen?"

Picker ist selbst Betroffener, wenn auch kein gebranntes Kind. "Ich war mit den Jesuiten am Traunsee. Da hat mich ein Pater alleine im Schlafsaal erwischt und gefragt, ob ich schon geschlechtliche Lust kenne - ein klassischer Anmachspruch. Mich hat das damals kalt gelassen. Aber es gibt halt viele, die das nicht kalt lässt."

Heftige Kritik übte Picker in diesem Zusammenhang am Papsttum generell sowie an Papst Benedikt XVI. im Besonderen. Um einen Wandel herbeizuführen, müsste dieser "auf seine übergroße Macht verzichten. Gegen ihn gibt es keine Chance der Appellation." Dies schaffe ein "Milieu der Gedrücktheit", es entsteht ein Gefühl der Machtlosigkeit. Hoffnung, dass gerade unter Benedikt XVI. Kirche und Sexualität eine Annäherung erfahren, hat Picker nicht. "Der jetzige Papst lebt eigentlich im Hochmittelalter. Er schließt mit einer Seelenruhe die halbe Welt (die Frauen, Anm.) vom Priesteramt aus. Das würde ein Seelsorger nicht schaffen." (APA)

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10 Postings
Bobby W
01
20.3.2010, 20:59
Katholische Kirche muss sich reformieren

wenn sie es jetzt nicht tut, dann braucht sie es auch nicht mehr, denn wer möchte einer Bewegung angehören, die so agiert??
500 Jahre zurück, das hat nicht mit gehorsam zu tun, dass grenzt an ..... ja grenzt aus.

Blickpunkt
00
18.3.2010, 11:32
Zölibat und Missbrauch Teil 2

...Ehefrauen dieser Priester? Würden sie nun eingesetzt werden, um Pädophilie und Sadismus zu behandeln - als "Ablenkung" potentieller Täter? Pädophilie und Sadismus existieren in unserer gesamten Gesellschaft, dazu gehört auch die katholische. Die "Gesellschaft" außerhalb der katholischen Kirche verfährt mit Pädophilie und mit MißhandlerInnen von Kindern und Jugendlichen genau wie dies die katholische Kirche tut. Vertuschen, versetzen, schweigen, verdrängen, verleugnen, verharmlosen.
Deshalb muss die Debatte um Kindesmisshandlung unbedingt auf die Gesellschaft außerhalb der Kirche erweitert werden! Sie darf sich nicht fälschlicherweise auf die katholische Kirche reduzieren! Mißhandlung von Kindern findet überall statt.

Blickpunkt
00
18.3.2010, 11:30
Zölibat und Missbrauch Teil 1

Und wieder schlägt der Hausverstand zu! Von vielen, sich an der Diskussion um die Vorwürfe und Tatsachenberichte rund um die katholische Kirche, Misshandlungen physischer und psychischer Natur an (ehemaligen) Zöglingen ihrer Internate begangen zu haben, Beteiligenden, kommt die Aufforderung, den Zölibat abzuschaffen. Hier wird 1. Trittbrett gefahren 2. Naivität demonstriert und 3. der Lolita - Effekt auf die Ehe übertragen.
ad 1: Was hat denn die Eheerlaubnis für Priester mit Menschen zu tun, die pädophil und/ oder sadistisch sind? Soll hier ad 2. der Öffentlichkeit weisgemacht werden, dass Täter durch Heirat als "Indikation" ihre Krankheit (en) und Perversionen in den Griff bekommen? Und was bedeutet dies ad3. für die zukünftigen...

Corello
 
00
10.3.2010, 10:46
Männerbund?

Das sind doch keine "Männer", das sind alles feige Schweinderl.

- zu feig sich dem richtigen Leben zu stellen
- zu feig für Frauen
- zu feig für offene Sexualität
- zu feig das zuzugeben

Mirabeau
01
15.3.2010, 00:41

alles feige Schweinderl.
Jede Infamie beginnt mit einer Verallgemeinerung.

aiuto
00
10.3.2010, 10:29
Ich finde halt, dass es höchst an der Zeit ist, dass die Kirche den Zölibat abschafft.

Es geht ja schließlich auch bei den Protestanten, dass die Geistlichen heiraten dürfen und auch Frauen Pastorinnen werden.
Dort könnten sich die Kathoiken vielleicht diesbezüglich auch Rat einholen.

w. corso
13
10.3.2010, 13:15
Protestanten

Sind reformierte Katholiken

alles was an Reformbedarf bei den Katholiken angeprangert wird habe Protestanten verwirklicht

wer also mit der kath Amtskirche unzufrieden ist aber trotzdem Christ bleiben will soll konvertieren

aiuto
01
11.3.2010, 13:05
Sie sagen ein wahres Wort. Ich habe auch die Absicht dazu.

Johann Hunger1
21
Und die Ehe auch, denn da geschied der meiste Missbrauch!

Und die werden dann Priester?

Irma la Puce
 
04
O doch:Auch gegen die seltsamen Schweige-Gebote des Kirchenchefs gibt es eine "Appellation":


Die ganz normale STRAFANZEIGE für ein WELTLICHES DELIKT bei einer WELTLICHEN STAATSANWALTSCHAFT:

Für die TAT u n d für die BEGÜNSTIGUNG.



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