Mark Lanegan: Beim Kuscheln dann bitte ohne Kaugummi.
Kuscheln mit dem besten Sänger der Welt.
Das erste mal ist nichts draus geworden. Damals hat Mark Lanegan mit seiner Band im Wiener Flex gespielt und ich hatte einen bestätigten Interviewtermin, doch am Weg ins Hotel, in dem das Gespräch hätte stattfinden sollen, kam ein Anruf vom Plattenfirmenmann: Sorry, Lanegan bzw. sein Tourmanager hätten eben alle Interviews abgesagt.
Pech. Passiert. Dennoch, es gab nicht wahnsinnig viele Musiker da draußen, die mich zu der Zeit so interessiert haben, wie Lanegan, also hat es mich schon gewurmt. Eineinhalb Jahre später war es soweit. Lanegan, US-Sänger, einst Stimme der Screaming Trees, Solokünstler und Hired Gun bei Bands wie QOTSA, Soulsavers oder den Twilight Singers, war mit Letztgenannten auf Tour, und es hieß, ich solle einfach am Nachmittag zum Flex kommen, da würde sich dann schon was ergeben, Interview-technisch. Also saß ich da und wartete mit Andreas von der Plattenfirma und dem Flex-Peter auf den Bus der Band. Kaum stand der am Kanal, bog daraus Lanegan mit einem zweiten Typen raus und ab. Ich nach: "Äh, Hi Mark, bla bla bla, erklär, erklär, erklär - bitte Interview usw. usf."
Er hat mich ein wenig gemustert, dann ja gesagt, aber gemeint, er brauche zuvor einen Kaffee. Und zwar dringend! Darauf habe ich ihn gefragt, ob er wisse, wo er deswegen hinwolle oder ob ich ihnen nicht ein halbwegs okayes Kaffeehaus zeigen und mitkommen sollte, weil: win! win!
Darauf haben sich die beiden todesmutig eingelassen. Der zweite war der Gitarrist der TS, aus New Orleans, netter Typ, Name vergessen. Am Weg zum Kaff entwarf ich Lanegan, was ich mit ihm vor hatte, nämlich ihm Musik vorzuspielen, die er erraten und kommentieren sollte. Schließlich saßen wir im Aera, und nachdem Lanegan von Zigarette (Camel ohne) und doppeltem Espresso neu eingestellt war, gings los. Ich war mir ziemlich sicher, wie ich ihn sofort knacken konnte, mit einer Gospelnummer von den Sunset Travelers, von denen er "On Jesus Program" gecovert hat: "Hide Me In Your Bosom".
Er hat es zwar nicht erkannt, aber als ich ihm sagte, wer das war, lächelte er verschwörerisch, weil so spezielles Klumpert kennen wenige. Ab da war alles easy. Lanegan, ein Enigma am Rande des Abgrunds, der auch im Gespräch klingt, als hätte er eben ein paar Schaufeln Schotter von der Straße gefressen, parlierte freizügig über Lee Hazlewood, SST oder Jeffrey Lee Pierce, erzählte, wie er auf dessen letzter Platte mitgesungen hatte, und warum sein Part leider nicht aufs Album kam, weil nämlich seine Stimme so ruiniert war, und das es ihn bis heute jedes Mal fröstelt, wenn er Pierce hört. Das war dann auch der Titel der Geschichte: "Es fröstelt mich jedes Mal".
Apropos!
Später, Backstage nach dem Konzert, während Greg Dulli von den Twilight Singers sowie der Rest der Band sich für die anwesenden Damen interessiert und diese unterhalten haben, habe ich, sexuell uninteressiert, mit Lanegan - dito - noch lange über Soul, Gospel, Howlin' Wolf, O.V. Wright, Bobby Bland usw. gequatscht. Freak-Meeting.
Ich habe mir sogar ein Album ("I'll Take Care Of You") von ihm signieren lassen. Das tu ich normal nie. Ich habe vielleicht fünf, sechs signierte Alben (Lee Hazlewood, Grant Hart ...). Mir ist das nämlich peinlich bis wurscht, dabei kenne ich Kollegen, die sich jede CD von jeden Roadie signieren lassen. Eh okay, aber nicht mein Tee.
Na ja, seitdem kuscheln Lanegan und ich jedes Mal wenn er in Wien ist ein bisschen. Ich habe ihm nämlich auch diese eine super rare O.V. Wright-Gospel-CD gegeben, und seitdem sind wir quasi Haberer. Zumindest kann er sich an mich erinnern. Und das zählt, bitte schön, denn so einer wie ich wartet auf ihn in jeder Stadt.
Warum ich da aus meinem geheimen Fanboytagebuch gar so offenherzig vortrage? Nun, nachdem mich ein Poster schon mal den Smithers von Mark Lanegan genannt hat - obgleich Mr. Burns nicht so schön singen kann -, darf ich mitteilen, dass Mark und ich demnächst wieder kuscheln werden. The Voice spielt am 12. Mai mit Band im Wiener Flex einen Akustikgig - wie es nach jetzigem Wissenstand des Veranstalters heißt. Wie auch immer: I WILL BE THERE!
Tipps und Warnungen, Beobachtungen, mit Irrtümern und Treffern, erweiterten Berichten von in der Zeitung veröffentlichten Geschichten und, und, und. Nicht täglich, aber regelmäßig. Hart, aber herzlich. Schauen wir mal, was wird. In diesem Sinn: Welcome to the Blog Party!
Ich gebs regelmäßig zu, wenn es so ist, weil ich umgekehrt auch kritisch bis mal goschert bin:
Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen, Herr Fluch!
Ja manches "Outing" ist mir sogar sympathisch!
Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht noch anfreunden.
Auf fb zum Beispiel, oder gar in der Wirklichkeit.
Woah, ich find den Mark echt so genial. Diese Stimme...die Bands in denen er spielt...einfach genial! Hoffe ich kann ihn bald mal wieder sehen. Letztes mal war mit den Gutter Twins voriges Jahr (vom allerfeinsten!!!)
Nicht ganz so interessant wie der Aufsatz meines achtjährigen Neffen "Mein schönstes Ferienerlebnis" aber trotzdem sehr, sehr spannender Lesestoff, wirklich! Habe ich schon einmal erzählt, dass ich einmal Vernon Reid die Hand geschüttelt habe? Habe ich, ehrlich! Aber gegen diese schmerzhafte Offenheit, mit der hier die Geschichte vom signierten Album erzählt wird, stinkt so was natürlich ab.
hahaha! guter einwand! aber ich bezweifle, dass allzu viele labels heutzutage vinyl unter die journalistInnen bringen. eher denke ich, dass die erlöse aus den weiterverkäufen der cds in vinyl umgemünzt werden?
jedenfalls bin ich ein wenig neidisch bezüglich des kuschelpartners. wenn ich dann aber wieder an die unsäglichen tv-kolumnen denke...however.
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