Tödliche Zungenküsse

8. März 2010, 21:00
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Fantastisch elastisch: Die Schleuderzunge eines Chamäleons schlägt auch bei Kälte blitzschnell zu

Washington/Wien - Chamäleons leben zwar vor allem in tropischen und subtropischen Regionen, sie müssen es aber nicht notwendigerweise heiß haben. Eine Art namens Chamaeleo schubotzi haust etwa auf 4500 Metern Seehöhe an der Schneefallgrenze des Mount Kenia.

Allen Chamäleons gemeinsam ist hingegen ihre Schleuderzunge, die ihnen auch den Zweitnamen "Wurmzüngler" eingebracht hat. Das eher unansehnliche Ding, das doppelt so lang werden kann wie die Tiere selbst, wird zum Beutefang aus dem Maul herausgeschleudert. Die tödliche Waffe ist gerade einmal 0,07 Sekunden unterwegs, dann trifft das verdickte Ende auf das Opfer, das an der nassen Oberfläche kleben bleibt.

Wie ist das nun aber mit der gummiartigen Zunge in der Kälte? Normalerweise fahren die Reptilienmuskeln bei kühlen Temperaturen ihre Energie nach unten - was für Chamäleons in kälteren Regionen eigentlich den Hungertod bedeuten müsste.

US-Forscher haben nun herausgefunden, dass die Schnellkraft der Zunge bei einer Temperaturspanne von 15 bis 35 Grad erhalten bleibt. Der Grund dafür liegt im besonders elastischen Bindegewebe der Zunge, die wie ein Gummiband zusammengezogen auf dem Zungenbein liegt. Das wiederum verschaffe dem Chamäleon einen Vorteil gegenüber anderen wechselwarmen Tieren, wie die Forscher im Fachblatt PNAS schreiben. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 9. 3. 2010)

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    Hochwirksame Wunderwaffe: Die Zunge eines Pantherchamäleons funktioniert auch bei niedrigen Temperaturen bestens.

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