Kaum Kontakt zu englischer Tierschutzszene - Zusammenarbeit mit anderen Vereinen kampagnenbezogen und im Bereich der Legalität
Wiener Neustadt - Laut Plan hätte seine Einvernahme einen Tag dauern sollen. Doch auch am vierten Verhandlungstag gegen 13 Tierschützer am Landesgericht Wiener Neustadt stand immer noch Hauptangeklagter Martin Balluch Rede und Antwort.
Im Mittelpunkt der Befragung am Montag: Balluchs Kontakte zu Tierschützern in England, die Straftaten begangen haben und für diese verurteilt wurden. Er kenne die Betreffenden, aber überwiegend nur per Internet, erläuterte Balluch. Mehrfach habe er Interessierte aufgefordert, inhaftierten englischen Tierschützern Briefe ins Gefängnis zu schicken: "Ich bin einfach der Meinung, dass sich Leute in Haft in psychischen Ausnahmesituationen befinden und daher unterstützt werden sollten", sagte der Obmann des Vereins gegen Tierfabriken (VGT).
Mit anderen heimischen Tierschutzvereinen wie den Vier Pfoten wiederum habe der VGT bei Kampagnen eine "psychologische Doppelstrategie" gefahren. Die Vier Pfoten hätten die politischen Gespräche, der VGT die Aktionen des zivilen Ungehorsams übernommen. Von einer Zusammenarbeit im Rahmen einer "kriminellen Organisation" laut Paragraf 278a, wie sie allen 13 Beschuldigten vorgeworfen wird, könne aber nicht die Rede sein.
Der Prozess geht am Mittwoch mit der Befragung Balluchs weiter. Die Angeklagten dürfen im Verhandlungssaal ihre Laptops nicht verwenden, bestätigte Richterin Sonja Arleth (APA, bri/DER STANDARD, Printausgabe, 9.3. 2010).