Genossenschaften

"Echtes Gedränge" um leistbare Mietwohnungen

Martin Putschögl, 08. März 2010 16:35
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    Foto: derstandard.at

    Um Engpässen bei Bankkrediten engegenzuwirken, hat die Stadt Wien vor rund zwei Wochen eine Wohnbauanleihe im Volumen von 200 Millionen Euro begeben. Diese kann bei den Wohnbaubanken gezeichnet werden und wird von der Stadt besichert. Gleichzeitig verpflichteten sich die Banken, die gleiche Summe für den geförderten Wohnbau samt Einhaltung einer vereinbarten Zinsobergrenze bereitzustellen. Zahlreiche Wohnbau- und Sanierungsprojekte sollen damit in den nächsten Jahren finanziert werden.

Die Gemeinnützigen rüsten sich für magere Wohnbau-Jahre und wollen zur Finanzierung die Pensionskassen anzapfen

Österreichs gemeinnützige Wohnbauträger errichteten im Jahr 2009 rund 15.500 Wohneinheiten, was einen Zuwachs von sechs Prozent bzw. 840 Wohnungen gegenüber dem Jahr 2008 bedeutet. Auch für das heurige Jahr erwartet Karl Wurm, Obmann des Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV), eine Steigerung bei den Fertigstellungen auf rund 15.700 Wohnungen. Die Gemeinnützigen erbringen damit etwa 30 Prozent der gesamten Bauleistung und mehr als die Hälfte im Mehrfamilienhausbau, so Wurm am Montag auf einer Pressekonferenz.

2011 wird die Neubauleistung allerdings auf 14.000 Wohneinheiten sinken. Schon heuer werde der Neubau im "frei finanzierten" Wohnbau um 30 Prozent einbrechen, erwartet man beim GBV. Grund dafür sei einerseits, dass sich die Banken derzeit mit der Vergabe von langfristigen Wohnbaudarlehen zurückhalten, konjunkturbedingt sinke aber auch die Nachfrage auf dem (teureren) frei finanzierten Wohnungsmarkt aufgrund von Rückgängen beim Einkommen der Haushalte, etwa wegen Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit. Seit Beginn der Wirtschaftskrise habe sich die Nachfrage nach leistbaren Mietwohnungen dagegen immens gesteigert, um Wohnungen mit 70 bis 80 Quadratmeter um unter 550 Euro herrsche ein "echtes Gedränge", so Wurm. Speziell junge Erwachsene, die auf dem Arbeitsmarkt ohnedies Probleme hätten, würden diese Wohnungen nachfragen, insbesondere in städtischen Gebieten.

Ausdünnung bei der Finanzierung

Weil die "Gemeinnützigen" mit vergleichsweise viel Eigenkapital arbeiten, seien ihre Kosten bei der Aufnahme von Fremdkapital um rund 150 Basispunkte (1,5 Prozentpunkte) niedriger als jene von kommerziellen Anbietern. Dieses gemeinnützige Eigenkapital sei neben der Wohnbauförderung eine wichtige Quelle billigen Wohnbau-Geldes. "Die Gemeinnützigen bringen 10 bis 15 Prozent der Gesamtkosten einer Neubauwohnung durch Eigenmittel auf, was zu einer Dämpfung der Miete beiträgt", so Wurm. Die gemeinnützige Wohnungswirtschaft schlägt daher zur Stärkung dieser Wohnbaufinanzierungskomponente eine verfassungsrechtliche Absicherung der Bindung und Bildung gemeinnützigen Eigenkapitals vor.

Weiters wünschen sich die GBV eine "bedarfsgerechte" Dotierung der Wohnbauförderungsbudgets der Bundesländer. Im Rahmen des laufenden Finanzausgleichs bis 2013 zahle der Bund jährlich rund 1,78 Mrd. Euro für den Wohnbau (in Form von Steueranteilen), die in die Budgets der Länder wandern - ohne Zweckbindung. Wurm befürchtet nun, dass im Zuge der Wirtschaftskrise der Druck auf die Länder, diese Mittel nicht mehr zur Gänze zur Wohnbaufinanzierung aufzuwenden, weiter wachsen könnte. Der GBV plädiert daher für eine selbst verordnete "Deckelung nach unten" durch die Bundesländer, mit einer nicht zu unterschreitenden "Schwelle" in Höhe der Wohnbauförderungsausgaben des Jahres 2008. In der Steiermark werde im Übrigen bereits wieder an eine "landes-eigene" Zweckbindung der Wohnbaufördermittel nachgedacht, so der GBV-Obmann.

Pensionskassen als Finanzierungsquelle

Um den gemeinnützigen Wohnbau auch nach drohenden Kürzungen in der Wohnbauförderung sicherzustellen, hat man sich im GBV bereits auf die Suche nach alternativen Finanzierungsquellen gemacht - und ist dabei auf die Pensionskassen gestoßen. Nach Vorbild der Schweiz, wo dies bereits praktiziert werde, will Wurm nämlich mittels gesetzlicher Auflagen einen Teil des Kapitals von Pensionskassen in den Wohnbau umgeleitet wissen. "Dort liegen die Gelder, teilweise unsicher angelegt." Der Wohnbau werfe zwar eine geringere Rendite ab, könne aber dafür umso mehr an Sicherheit bieten, so Wurm.

Durch öffentliche Haftungen der Bundesländer erhofft man sich weiters, das von 2007 auf 2009 um 50 Prozent eingebrochene Volumen bei den Wohnbauanleihen (2,4 bzw. 1,2 Mrd. Euro) wieder in die Höhe zu bringen. Die Stadt Wien hat etwa kürzlich eine von Wohnbaubanken emittierte Anleihe im Volumen von 200 Millionen Euro besichert. Das erlöste Geld wird für die Finanzierung von neuen Wohnungen oder Sanierungen eingesetzt. Wurm hofft, dass dieses Modell weiter forciert wird.

Die Sanierungstätigkeit der Gemeinnützigen legte von 2001 auf 2009 um 44 Prozent zu, für heuer wird mit einem
weiteren Wachstum auf 624 Millionen Euro gerechnet.  (Martin Putschögl, derStandard.at, 8.3.2010)

Kommentar posten
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Träume sind Schäume.
10.03.2010 11:16
So etwas wie billige oder fast gratis Wohnungen kann's eigentlich nicht geben.

Irrational und unmöglich.

Irgendwie zahlt man IMMER dafür, und wenn es der Mehrwertseuerzuschlag an der Supermarktkasse ist :)

natoll
09.03.2010 14:23

man kann auch die wahrheit sagen und es öffentlich subventionierten wohnbau nennen. wieder so eine subvention die dringend weg gehört, denn jede subvention verfälscht und verdeckt nur strukturprobleme.

robert rittersmann
10.03.2010 12:20

also doch lieber alles der Baumafia überlassen?
auch eine Idee.

Zukunftsoptimist
11.03.2010 22:51
eben nicht ALLES.

mag2412
09.03.2010 13:10
ich bin dankbar

für die möglichkeit eine genossenschaftswohnung zu haben.
ich hab vorher etwa 10 jahr in einer mietwohnung kategorie A gelebt. bei einstieg war die miete etwa 620 euro hoch, heute kostet die wohnung 760 euro im monat (d.h. euro 12,81 pro m2)

meine genossenschaftswohnung hat 85 m2 der eigenmittelanteil kostete 38000 euro davon muss man 1 % jährlich wertminderung und 1,5 % euro mindestens inflation rechnen. das ergibt in zehn jahren einen monatlichen schnitt von 68 euro, den man der miete anrechnen muss.

die miete kostet 520 euro plus der 68 euro wertminderung und verlust an kapital

somit kostet die wohnung etwa 590 euro im monat.
m2 6,98 euro

d.h. die wohnung ist um nahezu 50 % billiger.

DANKE

Saurer Zivi
10.03.2010 10:26
Sie haben ein paar wesentliche Vergleichsfaktoren vergessen!

1) Wurde ihr Altbau-MV (dh Vollanwendung) gerichtlich hinsichtlich der höchst zulässigen Richtwertmiete überprüft?

2) Warum führen Sie beim Eigenmittelanteil von 38.000 Euro nur die 1% Abstufung u die Inflation an?

3) Die Gesamtmiete 12 vs 6 €/m2 ist unzulässig. BK sind auszublenden!

Richtig wäre gewesen über die Nutzungsdauer der Wohnung zb 10/20 Jahre auch den verlorenen Zins(eszins)gewinn (den die € 38.000 auf einem längerfristig gebundenen Sparbuch erzielen können) zu veranschlagen.

Schon aus diesem Grund ist eine seriöse Vergleichbarkeit schwer.

Nach 10 Jahren haben Sie bereits 11.400Euro an einfachem Zinsgewinn (bei 3% Eckzinssatz) liegen gelassen!

Und: auch Genossenschaften erhöhen Mieten inflations/index-angepasst

Chocoholic
09.03.2010 15:59
Sie wissen aber, dass die Genossenschaft in vielen Faellen die Miete nach 10 Jahren auf Marktstand erhoehen kann....

myschkin
09.03.2010 20:02

Das stimmt so nicht. Solange nicht abbezahlt, gelten die Annuitäten als Miete, mehr dürfen sie nicht verlangen.
Aber sie sorgen dafür, dass so wenig wie möglich kaufen. Sie lassen sich die Wohnungen schenken, im wahrsten Sinne des Wortes, und wenn alles abbezahlt ist, beginnt das Verdienen.
Wobei die Miete begrenzt bleibt: derzeit laut Gesetz 70 % des burgenländischen Richtwertes. Es muss aber nur die Umsatzsteuererhöhung auf 20 % kommen, was möglich ist, dann schaut es finster aus.

Aber da sie von in vielen Fällen schreiben, wissen sie es vielleicht genauer. In meinem Fall hier ist es so.

Chocoholic
09.03.2010 22:58
Es ist gut, dass Sie sich so ausfuehrlich erkundigt haben.

Oftmals ist das bei Mietern von Genossenschaftswohnungen nicht so und nach einer gewissen Zeit, oftmals 10 Jahren kommt dann das boese Erwachen. Es kommt offensichtlich, wie Sie schon angefuehrt haben, auf die Vereinbarungen an ,die zum Zeitpunkt des Erwerbens der Mietrechte eingegangen wurden. Sie sind auch offensichtlich besser informiert als ich, ich kann hier nur von den vielen Einzelerfahrungen sprechen ,die ich im Bekannten- und Freundeskreis habe, wo mir erklaert wurde, dass es so ueblich waere, dass die Mietpreise nur einen gewissen geschuetzen Zeitraum von ueblicherweise 10 Jahren anhalten. Ich nehme an, das haengt mit dem weiter unten geposteten Ankaufsrecht zusammen oder so....

myschkin
10.03.2010 08:49

Da habe ich mich doch undeutlich ausgedrückt: es gelten immer die aktuellen Rechte natürlich. Was das Recht auf Kaufeigentum betrifft, sogar rückwirkend, oder anders ausgedrückt, wie es damals war, unter welchen Voraussetzungen ich für mich abgeschlossen habe, galt voriges Jahr nicht mehr. Vor zwölf Jahren wären noch Teile der Mietzahlungen angerechnet worden, bei Erstmietern, heute nicht mehr, der Preis wäre gerichtlich festgelegt worden, heute nicht mehr. Der Genossenschaft ist das egal, sie hat zwar geworben damit, Märchenzahlen laut gesagt, was angerechnet wird (mitdenken hätte geholfen, war mathematisch unmöglich - trotzdem belogen im Büro der Genossenschaft), die Werbungen, Versprechungen damals, vergessen. ....

myschkin
10.03.2010 08:49

Was auf den Käufer für ein Angebot zukommt, wird von Genossenschaft zu Genossenschaft etwas verschieden sein, aber der sogenannte Verkaufserlös haut einem um. Auf meine Beispiele ist man nicht einmal in einer mündlichen Verhandlung eingegangen. So ist das Gesetz, das hat damit nichts zu tun. Also auch die Null Euro Eigenkapital der Genossenschaft.
Wenn ich die Zahl ganz oben sehe, die 38.000 Euro, so stimmt die Rechnung ja nur, wenn er diese wirklich hingelegt hat, ohne Kredit. Hätte ich das gehabt, hätte ich mir eine Eigentumswohnung damals gekauft.
Gefördert bleibt die Wohnung (es sei Genossenschaft zahlt die Förderung zurück, wozu aber), deswegen dieser burgenländische Richtwert, was es aber nur unmerklich billiger macht.

immofuchs
09.03.2010 14:40

Das ist zwar eine "wilde" Berechnung des Vorteils, aber es gibt ihn zweifellos!
Gerade deshalb sollten Viele die Möglichkeit bekommen leistbare - weil billig ists ja trotzdem nicht - ordentliche Wohnungen zu bewohnen.
Vollautomatisch würde der Druck zur Qualitätssteigerung auf Besitzer von "Ratzenstadeln" erhöht. Gleichzeitig müssen aber die Mieten am freien Markt freigegebn werden um die Qualitätsstufe 1 auch wirtschaftlich darstellen zu können.

max ritz
09.03.2010 12:58
wieviele Wohnungen stehen leer?

nur weil die Wohnungen dem leidigen Mieterschutz unterliegen. innterhalb von 6 Monaten könnte ich 3 Wohnungen mehr vermieten - aber nicht zum Preis von € 4,-

Para Dox
09.03.2010 23:50
Vermietest du Kategorie E Wohnungen?

Chocoholic
12.03.2010 11:35
Es tut mir Leid, aber Sie sind wohl nicht ganz im Bilde.

Kategorie A - befristet vermietet, weil ansonsten kann man die Wohnung ja gleich verkaufen, sind 4,7 minus 25%. Das sind nicht einmal ganze 3 Euro 60 pro m2.

Das ist der fuer Altbauwohnungen vorgeschriebene Mietpreis....

datengeisel
18.03.2010 13:36
hä?

mit bk gibts nix unter 10 pro m2 zu mieten ...

Chocoholic
22.03.2010 22:57
Worueber reden wir hier? Die Mietpreise oder die Betriebskosten fuer das Haus?

Oder sollen die Wohnungsvermieter jetzt auch noch fuer das Stiegenhaus, das ausschliesslich die MieterInnen verwenden inklusive dessen Wartung, Reinigung sowie der gesamten Elektrik im Haus, Wasserzuleitung, und vielem mehr zahlen?

Natuerlich ist zu unterscheiden zwischen der Miete, die Sie dem Eigentuemer fuer die Wohnung zahlen und den Kosten, die fuer die allgemeine Anlage des gesamten Hauses, in dem die von Ihnen gemietete Wohnung liegt. Komischerweise wird aber nicht ueber die hohen Muellabfuhr-, Elektrizitaets-, Wasser-, Handwerkerkosten (also Betriebskosten) von AK debatiert, sondern ausschliesslich um die Mietkosten...

Laughing-Man
22.03.2010 23:14

40m2, 500miete + 200bk, ???

Chocoholic
25.03.2010 23:20
40m2 koennen maximal 4,70 pro m2 kosten ohne Betriebskosten,

und das auch nur, wenn es sich um definitive A Kategorie handelt. Sie koennen sich bei der AK ueber die Richtwertmieten erkundigen.....

max ritz
10.03.2010 19:49
Kategorie A - € 3,08/m2

datengeisel
18.03.2010 13:36
suche

60m2 wohnung

Chocoholic
22.03.2010 22:59
Wenn Sie Betriebskosten mit Mietkosten verwechseln

wuerde ich mich vorher ein bisschen besser aufklaeren lassen, wie das bei Erwachsenen, die nicht von anderen ausgehalten werden, so ablaeuft mit Lebenskosten ....

Laughing-Man
22.03.2010 23:14

soso

kiwi99
09.03.2010 13:12

also wirklich...
Bissl Zuschläge dazugeben, Standort, Lage, Ausstattung, ein paar Möbel vom Flohmarkt reinstellen, bißl das Bad putzen und schon kommens auf Ihre 10-14 Euro, machns eine schräge in die Wohnzimmerdecke, schon is a Dachgeschoßwohnung......des werns schon hinkriegn, schaffen die andern ja auch!

immofuchs
10.03.2010 11:05

also wenn ich in meinem Kellerloch mit 2 metern raumhöhe noch eine Schräge einbaue, hab ich eine Dachwohnung in Ruhelage Ziegelmassiv!
Ich geh mal gleich Rigipsplatten kaufen ;-))

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