"Echtes Gedränge" um leistbare Mietwohnungen

8. März 2010, 16:35
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Die Gemeinnützigen rüsten sich für magere Wohnbau-Jahre und wollen zur Finanzierung die Pensionskassen anzapfen

Österreichs gemeinnützige Wohnbauträger errichteten im Jahr 2009 rund 15.500 Wohneinheiten, was einen Zuwachs von sechs Prozent bzw. 840 Wohnungen gegenüber dem Jahr 2008 bedeutet. Auch für das heurige Jahr erwartet Karl Wurm, Obmann des Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV), eine Steigerung bei den Fertigstellungen auf rund 15.700 Wohnungen. Die Gemeinnützigen erbringen damit etwa 30 Prozent der gesamten Bauleistung und mehr als die Hälfte im Mehrfamilienhausbau, so Wurm am Montag auf einer Pressekonferenz.

2011 wird die Neubauleistung allerdings auf 14.000 Wohneinheiten sinken. Schon heuer werde der Neubau im "frei finanzierten" Wohnbau um 30 Prozent einbrechen, erwartet man beim GBV. Grund dafür sei einerseits, dass sich die Banken derzeit mit der Vergabe von langfristigen Wohnbaudarlehen zurückhalten, konjunkturbedingt sinke aber auch die Nachfrage auf dem (teureren) frei finanzierten Wohnungsmarkt aufgrund von Rückgängen beim Einkommen der Haushalte, etwa wegen Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit. Seit Beginn der Wirtschaftskrise habe sich die Nachfrage nach leistbaren Mietwohnungen dagegen immens gesteigert, um Wohnungen mit 70 bis 80 Quadratmeter um unter 550 Euro herrsche ein "echtes Gedränge", so Wurm. Speziell junge Erwachsene, die auf dem Arbeitsmarkt ohnedies Probleme hätten, würden diese Wohnungen nachfragen, insbesondere in städtischen Gebieten.

Ausdünnung bei der Finanzierung

Weil die "Gemeinnützigen" mit vergleichsweise viel Eigenkapital arbeiten, seien ihre Kosten bei der Aufnahme von Fremdkapital um rund 150 Basispunkte (1,5 Prozentpunkte) niedriger als jene von kommerziellen Anbietern. Dieses gemeinnützige Eigenkapital sei neben der Wohnbauförderung eine wichtige Quelle billigen Wohnbau-Geldes. "Die Gemeinnützigen bringen 10 bis 15 Prozent der Gesamtkosten einer Neubauwohnung durch Eigenmittel auf, was zu einer Dämpfung der Miete beiträgt", so Wurm. Die gemeinnützige Wohnungswirtschaft schlägt daher zur Stärkung dieser Wohnbaufinanzierungskomponente eine verfassungsrechtliche Absicherung der Bindung und Bildung gemeinnützigen Eigenkapitals vor.

Weiters wünschen sich die GBV eine "bedarfsgerechte" Dotierung der Wohnbauförderungsbudgets der Bundesländer. Im Rahmen des laufenden Finanzausgleichs bis 2013 zahle der Bund jährlich rund 1,78 Mrd. Euro für den Wohnbau (in Form von Steueranteilen), die in die Budgets der Länder wandern - ohne Zweckbindung. Wurm befürchtet nun, dass im Zuge der Wirtschaftskrise der Druck auf die Länder, diese Mittel nicht mehr zur Gänze zur Wohnbaufinanzierung aufzuwenden, weiter wachsen könnte. Der GBV plädiert daher für eine selbst verordnete "Deckelung nach unten" durch die Bundesländer, mit einer nicht zu unterschreitenden "Schwelle" in Höhe der Wohnbauförderungsausgaben des Jahres 2008. In der Steiermark werde im Übrigen bereits wieder an eine "landes-eigene" Zweckbindung der Wohnbaufördermittel nachgedacht, so der GBV-Obmann.

Pensionskassen als Finanzierungsquelle

Um den gemeinnützigen Wohnbau auch nach drohenden Kürzungen in der Wohnbauförderung sicherzustellen, hat man sich im GBV bereits auf die Suche nach alternativen Finanzierungsquellen gemacht - und ist dabei auf die Pensionskassen gestoßen. Nach Vorbild der Schweiz, wo dies bereits praktiziert werde, will Wurm nämlich mittels gesetzlicher Auflagen einen Teil des Kapitals von Pensionskassen in den Wohnbau umgeleitet wissen. "Dort liegen die Gelder, teilweise unsicher angelegt." Der Wohnbau werfe zwar eine geringere Rendite ab, könne aber dafür umso mehr an Sicherheit bieten, so Wurm.

Durch öffentliche Haftungen der Bundesländer erhofft man sich weiters, das von 2007 auf 2009 um 50 Prozent eingebrochene Volumen bei den Wohnbauanleihen (2,4 bzw. 1,2 Mrd. Euro) wieder in die Höhe zu bringen. Die Stadt Wien hat etwa kürzlich eine von Wohnbaubanken emittierte Anleihe im Volumen von 200 Millionen Euro besichert. Das erlöste Geld wird für die Finanzierung von neuen Wohnungen oder Sanierungen eingesetzt. Wurm hofft, dass dieses Modell weiter forciert wird.

Die Sanierungstätigkeit der Gemeinnützigen legte von 2001 auf 2009 um 44 Prozent zu, für heuer wird mit einem
weiteren Wachstum auf 624 Millionen Euro gerechnet.  (Martin Putschögl, derStandard.at, 8.3.2010)

  • Um Engpässen bei Bankkrediten engegenzuwirken, hat die Stadt Wien vor rund zwei Wochen eine Wohnbauanleihe im Volumen von 200 Millionen Euro begeben. Diese kann bei den Wohnbaubanken gezeichnet werden und wird von der Stadt besichert. Gleichzeitig verpflichteten sich die Banken, die gleiche Summe für den
geförderten Wohnbau samt Einhaltung einer vereinbarten Zinsobergrenze
bereitzustellen. Zahlreiche Wohnbau- und Sanierungsprojekte sollen damit in den nächsten Jahren finanziert werden.
    foto: derstandard.at

    Um Engpässen bei Bankkrediten engegenzuwirken, hat die Stadt Wien vor rund zwei Wochen eine Wohnbauanleihe im Volumen von 200 Millionen Euro begeben. Diese kann bei den Wohnbaubanken gezeichnet werden und wird von der Stadt besichert. Gleichzeitig verpflichteten sich die Banken, die gleiche Summe für den geförderten Wohnbau samt Einhaltung einer vereinbarten Zinsobergrenze bereitzustellen. Zahlreiche Wohnbau- und Sanierungsprojekte sollen damit in den nächsten Jahren finanziert werden.

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