"Die Kunst ist meine Heimat"

    8. März 2010, 14:03
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    Die Malerin Mitra Shahmoradi-Strohmaier erzählt über ihren Alltag als freischaffende Künstlerin

    Bereits im Alter von 15 Jahren war sich Mitra Shahmoradi sicher, dass sie die Kunst zu ihrem Beruf machen und ihr Leben der Malerei widmen will. Sie hat in Teheran das Kunstgymnasium und anschließend die Kunstakademie absolviert. 1978 begann sie ein weiterführendes Studium an der Universität in Isfahan. Ein Jahr später verließ sie ihr Heimatland in Richtung Österreich. Obwohl sie in Iran bereits fertigstudiert hatte, absolvierte Shahmoradi-Strohmaier in Wien die Meisterklasse der Malerei an der Universität für Angewandte Kunst. Seit mehr als 15 Jahren, "als die Kinder schon älter wurden", gibt sie an Wiener Volkshochschulen Erwachsenen Mal-, und Zeichenunterricht.

    Sich mitteilen

    Kunst ist für Shahmoradi-Strohmaier eine Art sich mitzuteilen. "In dem Moment, in dem das Kunstwerk gezeigt wird, habe ich sofort ein Publikum, ein Gegenüber. Ich teile das was ich gemalt habe, mit den Menschen", so die Künstlerin. Die Reaktionen der Zuschauer sind ihr auch sehr wichtig. "Ohne diese Kommunikation kann man nicht wirklich weiterarbeiten. Es geht um die Sehnsucht, das Bedürfnis, etwas zu sagen. Das was der Künstler sagt, kommt an, das Publikum reagiert darauf." Welche Sehnsüchte sich in ihren Bildern widerspiegeln, das will sie nicht preisgeben. "Das sollen die Zuschauer spüren", lautet ihre Antwort. Sie versuche in ihren Bildern ihre Gefühle auszudrücken - dabei kommen natürlich Themen wie Heimweh und Verlust vor.

    "Nicht nach Herkunft einordnen"

    Shahmoradi-Strohmaier will an ihrer Kunst bewertet werden, nicht an ihrer Herkunft. " Es ist nicht richtig, dass man nur in bestimmte Sparten eingeordnet wird. Ich würde am liebsten als gute Künstlerin anerkannt werden, nicht weil ich aus dem Iran komme, sondern aufgrund meiner Bilder." In Österreich, fährt die Malerin fort, werde die Trennung zwischen österreichischen KünstlerInnen und denen mit Migrationshintergrund besonders gerne vorgenommen. In anderen Ländern sei dies nicht so stark ausgeprägt, man wundere sich zum Beispiel in England nicht, darüber das jemand mit anderer Muttersprache gut auf Englisch schreiben kann, sondern es gehe darum, dass die Person ein gutes Buch geschrieben hat, nicht woher sie komme, stellt Shahmoradi-Strohmaier fest.

    Mutter und Künstlerin

    Ein Leben ohne Kunst kann sich die Malerin nicht vorstellen. "Kunst ist meine Heimat", meint Shahmoradi-Strohmaier.  Wie konnte sie als Mutter dem Bedürfnis nach Abschottung in der Zeit künstlerischen Schaffens nachkommen? "Diese Zeit muss man sich als Frau gut organisieren und genau einplanen. Leicht war es nicht. Manchmal habe ich die Kinder mit ins Atelier genommen, vor allem in den Ferien, da war es dann natürlich schwieriger sich auf das Malen zu konzentrieren." Aber Shahmoradi-Strohmaier bereut es nicht sich für Kinder und Kunst entschieden zu haben. Sie ist glücklich darüber, dass sie das Muttersein mit dem Beruf der Künstlerin verbinden konnte, auch wenn das manchmal weniger Zeit im Atelier bedeutete. Das Atelier bezeichnet sie als ihren Tempel, in dem sie sich konzentrieren und abschalten kann. Sie könne sich nicht vorstellen zuhause zu arbeiten, da sie zum Malen Distanz und Ruhe braucht.

    Künstlerleben

    Mit dem Bild des romantisch verklärten Künstlerlebens kann Shahmoradi-Strohmaier nicht viel anfangen. "Das Künstlerleben ist ein hartes Leben. Hinter all der Kunst steckt sehr viel Arbeit und Selbstdisziplin, die nicht gesehen wird. Man sieht nur die Bilder, nicht die vielen unbezahlten Stunden dahinter. Um alles muss man sich selbst kümmern, wie um das Organisieren und Vorfinanzieren von Ausstellungen", erzählt die Malerin. Der Beruf als freischaffende Künstlerin bedeute auch unregelmäßigen Verdienst und hohe Materialkosten, so Shahmoradi-Strohmaier.

    Lyrik als Ergänzung zur Malerei

    Seit einigen Jahren schreibt sie auch Gedichte. Lyrik sieht sie als zweite Möglichkeit ihre Seele mitzuteilen, in Kürze wird auch ein Gedichtband veröffentlicht, den sie als Ergebnis ihrer Gefühle und Gedanken beschreibt. "Ich schreibe so wie ich in mir sehe." Was ist ihr lieber das Malen oder die Lyrik? "Die Malerei ist mein Beruf, aber ich kann Malerei und Poesie nicht trennen, es gibt eine innere Verschmelzung zwischen meinen Bildern und den Gedichten."

    • Mitra Shahmoradi-Strohmaier in ihrem Atelier
      foto: margarete neundlinger

      Mitra Shahmoradi-Strohmaier in ihrem Atelier

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