Budgetloch

Steuern werden um 1,7 Milliarden erhöht

Günther Oswald, 8. März 2010, 17:13

Sanierung zur Hälfte mit Mehreinnahmen - Sparzwang für Ressorts

Finanzminister Josef Pröll hat seine Ankündigungen einer überwiegend ausgabenseitigen Budgetkonsolidierung offenbar verworfen. Wie DER STANDARD aus Regierungskreisen erfuhr, setzt die Koalition für die Rückführung des Defizits im Jahr 2011 je zur Hälfte auf Einnahmensteigerungen und Ausgabenkürzungen von jeweils 1,7 Milliarden Euro. Dadurch soll der Budgetabgang von heuer 4,7 auf 4,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken.

Beim Zahlenwerk, das am Dienstag im Ministerrat beschlossen werden soll, handelt es sich um Vorgaben ohne konkrete Maßnahmen. Auf der Einnahmenseite dürften sich aber Befürchtungen bewahrheiten, wonach neben der Einführung einer Bankensteuer auch bestehende Abgaben erhöht werden könnten. Zuletzt waren vor allem die Mineralöl- und die Mehrwertsteuer im Gespräch.

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Wien - Ungeschoren kommt kein Minister davon. So viel zeichnet sich bei der anlaufenden Budgeterstellung für die nächsten Jahre bereits ab. Im Schnitt müssen die Ressorts 2011 ihre Ausgaben um 3,5 Prozent reduzieren, erfuhr der Standard am Montag aus Verhandlerkreisen.

Über das Wochenende haben Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) und Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) den Finanzrahmen für die Budgets 2011 bis 2014 ausgehandelt. Damit legt die Regierung die Ausgabenobergrenzen für alle Ministerien fest. Für das erste Jahr, also für 2011, sind die vereinbarten Werte bindend. Für die Folgejahre haben sie quasi empfehlenden Charakter.

Zu den Eckpunkten:In Summe müssen die Ministerien 2011 rund 1,7 Mrd. Euro einsparen. Die Detailverhandlungen finden erst im Herbst statt. Der Budgetbeschluss könnte, wie berichtet, erst Anfang 2011 fallen. Dem Vernehmen nach will man auf die anstehenden Landtagswahlen Rücksicht nehmen.

Ebenfalls 1,7 Mrd. Euro sind auf der Einnahmenseite eingeplant, es handelt sich also um Steuererhöhungen. Für Finanzminister Pröll bleiben davon freilich nur 1,1 Mrd. übrig. Rund ein Drittel der Steuereinnahmen geht nämlich automatisch an die Länder. Der Konsolidierungsbedarf des Bundes liegt also bei 2,8 Mrd. Euro (1,7 plus 1,1 Mrd.). Im Vergleich zur letzten Schätzung wurde er um 200 Mio. Euro angehoben.

Im Finanzministerium möchte man sich die Steuermehreinnahmen der Länder aber wieder zurückholen, sozusagen als deren Beitrag zur Budgetkonsolidierung. Bei den Landeshauptleuten ist hier Widerstand programmiert. Burgenlands Hans Niessl, der am 30. Mai Wahlen zu schlagen hat, winkt im Standard-Gespräch schon mal ab:"Die Länder werden sich sicher nicht über den Tisch ziehen lassen." Man müsse ohnehin immer mehr Aufgaben vom Bund übernehmen.

Welche Steuern erhöht werden, ist noch unklar. Fix scheint lediglich die Einführung einer Bankenabgabe, die 500 Mio. Euro einspielen soll. Über andere Vorschläge gibt es noch keinen Konsens. Die SP möchte Stiftungen stärker besteuern und die Spekulationsfrist bei Aktiengeschäften streichen. Auf VP-Seite wurde - vorsichtig - über die Erhöhung der Mineralölsteuer diskutiert.

Etwas mehr Infos sind zur Reduktion der Staatsausgaben durchgesickert. Die geringsten Einsparungen gibt es demnach bei Bildung, Wissenschaft und Forschung. Hier ist ein Minus von 1,3 Prozent geplant. Bei den Bereichen Arbeit und Inneres liegt die Sparvorgabe bei zwei Prozent. Und bei den Kapiteln Pensionen und Sozialversicherung müssen 2,6 Prozent gekürzt werden. Zur Orientierung: Letzterer Punkt würde 2011 Einsparungen von über 400 Mio. Euro bedeuten.

Alle anderen Posten müssen um rund 3,6 Prozent gekürzt werden. Die Ressortchefs wurden darüber am Montag von Pröll informiert. Für heute, Dienstag, ist der Beschluss im Ministerrat geplant.

Bei den prozentuellen Defizitzahlen hält man an den im Jänner an die EU gemeldeten Werten fest (2011: 4 Prozent, 2012: 3,3Prozent, 2013:2,7 Prozent, 2014:2,3 Prozent). Da gleichzeitig der Konsolidierungsbedarf angehoben wurde, ist damit zu rechnen, dass sich die Einnahmenseite des Haushalts schlechter entwickelt als bisher angenommen.

Zwischen SPÖ und ÖVP hat der neue Finanzrahmen bereits einen Deutungsstreit ausgelöst. Die SPÖ sieht die Verteilung zwischen Einsparungen und Steuererhöhungen bei 50:50 (je 1,7 Mrd. Euro). Im Finanzministerium, das immer die "ausgabenseitige Budgetsanierung" in den Vordergrund gerückt hat, kalkuliert man den Länderbeitrag ein, die Einnahmenseite mache daher nur 40 Prozent aus. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.03.2010)

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gast9999
00
10.3.2010, 09:43
mein kommentar

typisch ö: sparen müssen wir, aber bitte nicht bei mir!
Vorschlag: ich als ottonormal schlucke brav die krot (möst, etc. und indirekt sicher die bankensteuer -> giro gebühr erhöhung)
Aber glzeitig will ich eine vw-reform ohne streiks, dgl von BETON göd !!!

zitronen_bob
01
Interessante Faymann-Zitate:

7.4.09: "Das steht nicht auf der Tagesordnung der Koalition. Im Regierungsübereinkommen ist festgehalten, dass es in dieser Legislaturperiode keine neuen Steuern geben soll. Wir haben vereinbart, keine neuen Steuern einzuführen. Daran muss man sich halten."

30.7.09: "Sobald wir vom Urlaub zurück sind, werden wir mit Hochdruck jene Sparmaßnahmen beschließen, die nötig sind, um das Budget in Ordnung zu halten, ohne Steuererhöhungen - wie etwa eine höhere Mehrwertsteuer - zu beschließen."

20.8.09: "Ich habe versprochen, die Steuern in dieser Regierungsperiode nicht zu erhöhen. Und das halte ich."

Ja und jetzt? Dauert es wohl nicht mehr lange, bis diese Zitate aus den Archiven gelöscht werden ...

Maxim Muster
00
Jetzt dauert es nicht mehr lange ...

.. dann ...

fliegt einer mit dem Flugzeug ins Finanzamt
http://www.youtube.com/watch?v=ZSgXfIYkbbk

gehen die Menschen auf die Straße
http://www.youtube.com/watch?v=3UIktCr-K2o

kamba
10
und wir?

eine viel einfachere lösung um unser defizit auszugleichen wäre es, wenn wir die einzelnen stärker besteuern würden, dass hören die meisten zwar nicht gerne, aber in unserer republik war es immer schon so das die mittelschicht die unterschicht getragen hat. Woher sollen wir den sonst geld nehmen? die firmen stärker besteuern? Dann gehen die nach osteuropa

Maxim Muster
00
Welche Mittelschicht?

asinus
00

Man müsste nur einmal die Verantwortlichen für die Misere realiter zahlen lassen, wetten, dass da schon einige hundert Millionen zusammenkommen? Die Verträge überprüfen usw. - Wo ist der Vorschlag geblieben, auch Gesetze auf ihre Kosten zu überprüfen? Jetzt werden die bestraft, die an der Krise sowieso schon leiden - die arbeitende Bevölkerung, der man immerwährenden Wohlstand versprochen hat - wenn sie nur die Leute wählt, die ihnen das versprechen ohne jede Garantie, das halten zu können.

isodora
00
Die Konzerne - gingen ohnedies nach Osteuropa. Dafür gibt es (ja) die EU in dieser autokratischen Form, wie sie ist. Und für nix anderes. Damit SIEMENS und Co. den Osten ergründen, die nadren dann folgen können.

Am Tag nach Maastricht (vor etwa 15 Jahren) kamen in einem kleinen Ort in der Nähe von Maastricht die größten 235 europäischen Konzerne zusammen, um ...

"Die Zukunft Europas zu besprechen ..." (Zit. KURIER, 1spalter, etwa 8 Zeilen).

DANN

kommen diese Konzerne und Firmen nach Österreich zurück: hier können sie ihre Investitionen voll abschreiben am Stammsitz. Zahlen (wie die Banken, wie die Reichen) keinerlei Steuern und investieren das mühsam abgestattete Mehrwertsteuergeld der Supermarkt-Kassiererin wieder nach Osten.

Diesmal in die ehemalige Sowjetunion, nach Tatschikistan, oder vielleicht in diese wundervolle Öl-Pipeline mit dem schönen Namen.
Klytemnestra fehlt noch. Momentan sind Puccini und Nabucco am Zug.

Zum Speiben.

keep cool
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In Wahrheit gibt es noch viel mehr einzusparen!

Heftigen Ministerprotesten zum Trotz gibt es noch immer genug einzusparen! Man muss es nur wollen! Z.B. ersatzlose Abschaffung der unseligen Hacklerpension OHNE Auslaufregelung, die unnötig bis 2012 aus wahltaktischen Gründen verlängert wurde. Dass 1/3 der Steuererhöhungen automatisch an die Länder gehen, sollte hinterfragt werden! Als Voraussetzung wäre von Ländern/Gemeinden die rasche Umsetzung des beim Bund umgesetzten reformierten Beamten-Dienstrecht (Besoldung, Pensionsregelung, Pensionsalter, Abschaffung von Unkündbarkeit, Versetzungsschutz etc.) einzufordern. Auch Rechenschaftsberichte für regionale Verwendung der Steuereinnahmen!
Wo bleibt ferner die überfällige Staatsreform - die Mutter aller wirklichen Verwaltungsreformen?

Cornwell
11
Tja, die Schulden von heute...

sind die Steuern von morgen. Alte Binsenweisheit. Nur unsere Politik kennt sie offenbar nicht oder versucht seinem Volk einzureden, dass es nicht so wäre.

Will das jemand aufzeigen wird er sofort als herzloser, unsozialer Buchhalter mundtot gemacht. Naja auch wenn Steuererhöhungen nicht schön sind, wenigstens müssen alle Wähler, die auf den Schmäh von der sozialen Wärme zum Nulltarif hineingefallen sind, nun für ihre Dümmheit bezahlen.

Siegl Christian
00
...wenigstens müssen alle Wähler, die auf den Schmäh von der sozialen Wärme zum Nulltarif hineingefallen sind, nun für ihre Dümmheit bezahlen

Ihnen ist aber schon klar, dass sie ebenfalls dafür bezahlen, oder?
Übrigens mit einer ÖVP hätten wir auch kein Nulldefizit erreicht, das haben die schon einmal gemeisam mit der FPÖ versucht. Aber wahrscheinlich sind´s von der SPÖ sabotiert worden ;-)

Ritzi
 
01
Die soziale Wärme zum Nulltarif...

seit wann genau haben wir die? Ist mir gar nicht aufgefallen da wir z.B. keine fortschrittlichen Methoden bei Brustkrebs Vorsorgeuntersuchungen anwenden. Ist ja auch nicht so wichtig, das bissl Krebs...

Als meine Freundin übrigens mal eine etwas aufwändigere Zahnbehandlung brauchte ist das auch nicht aufgefallen, zumindest nicht als sie die Rechnung bekommen hat. Und meiner Mutter die Mindestpension bekommt fällts auch nicht auf...

Hauptsache wir haben 9 Landeskaiser + Landtage + Verwaltungsapparat! Hauptsache wir haben keine Tranparenz in der Parteifinanzierung! Hauptsache wir haben Eurofighter! Hauptsache wir subventionieren fleißig - wen und warum ist Geheimsache...

wolken kratzer
 
00
schwupps...

... und schon ist der artikel in die randkolumne verschwunden...

Walther von der Vogelweide, der 1.
01
Wir leben bereits im Postkapitalismus ...

Seit Kriegsende wurde bereits mehrere Jahrzehnte unser Wohlstand hochgeschraubt. Spätestens im März 2000 wurde das Zenit erreicht. Doch weder die Politik und schon gar nicht die Wirtschaft wollte das Wahrhaben. Jetzt leben wir bereits auf Kredit und greifen vor auf die Ressourcen der Zukunft. Die Umverteilung des Kapitals von unten nach oben, der Bankencrash sind dabei nur die unschönen Begleiterscheinungen einer Elite die es nicht wahrhaben will. An einer allgemeinen Reduzierung des Wohlstands und ein Leben in Einklang mit Natur und Umwelt werden wir alle nicht vorbeikommen.

Just N. Opinion
01
"An einer allgemeinen Reduzierung des Wohlstands und ein Leben in Einklang mit Natur und Umwelt werden wir alle nicht vorbeikommen."

sie meinen, wir werden so verarmen, dass wir unter bruecken schlafen und in oeffentlichen parks wohnen muessen und uns zu essen nur noch das leisten koennen, was wir von baeumen und straeuchern pfluecken... freu mich schon auf dieses "zurueck zur natur" und ein herzliches dankeschoen den herren schuessel und grasser dafuer.

Walther von der Vogelweide, der 1.
10

Wenn Sie unter Verarmung verstehen, dass Sie mit einem Auto das für 5 Personen konstruiert ist nicht mehr tagtäglich alleine herumkutschieren können, dann ist es eben Verarmung.

Just N. Opinion
01
10.3.2010, 16:15
wenn sie meinen kommentar nicht nur gelesen, sondern auch verstanden haetten,

wuessten sie, was ich unter verarmung verstehe:
job verlieren, kein geld mehr fuer miete und lebensmittel haben, delogiert werden, obdachlos sein.

wer nicht mehr weiss, wo er schlafen, was er anziehen und wo er was zum essen herbekommen soll, dem ist ein leben in einklang mit natur und umwelt schxxxegal.

her wig
00
Eine gute Nachricht!

Es gibt Fortschritte bei der Budgeterstellung!

Wie es scheint gibt es hier im Forum eine massive Misskonzeption, man hat offensichtlich ein Ostergeschenk erwartet und jetzt sind alle enttäuscht von den Akteuren und fürchten das Ende der Regierung, der Staaten, oder zumindest der Welt. Wo es doch - real gesehen - vorwärts geht.

ja aber
02
wird "das geld das arbeitet" auch besteuert oder

nur die menschen die arbeiten? wann wird endliche eine verwaltungsreform durchgefuehrt? brauchen wir eine so grosse verwaltung in den bundeslaendern?

Süffisant
86
warum regen sich spö-wähler auf?

diese budgetäre katastrophe haben wir alle vor allem faymann zu verdanken, der am 24.9.2008 sein 5-punkte programm durch den nationalrat boxte, und das uns jetzt 3 milliarden euro pro jahr (!!!!) kostet!
---> http://diepresse.com/home/poli... /index.do?
es haben schon damals alle halbwegs intelligente vor dem dadurch resultierenden desaster gewarnt, jetzt haben wir den scherbenhaufen. danke faymann!!!!

RogerRabbit
13

ui, wohl die Jahre 2000 bis 2008 einfach vergessen, oder?? bin kein SPÖ Wähler, aber so zu argumentieren ist schon "sehr waghalsig"

Siegl Christian
00
Die bösen SPÖ Wähler...

...sind also Schuld weil nur die SPÖ schmeißt das Geld zum Fenster hinaus. Die ÖVP/FPÖ Regierung (damaliger Wahlslogan: Nulldefizit) hat keine Neukosten verursacht, gell? Das nicht erreichen des Nulldefizit hängt nicht unter anderem mit dem Kauf der Eurofighter zusammen. Die böse SPÖ hat immer gegen das Nulldefizit gearbeitet.

Childerich von Bartenbruch
01
wieso sie sich "süffisant" nennen, ...

... ist und bleibt ein rätsel!

Thomas Felder
53

diese budgetäre katastrophe haben wir alle vor allem den Banken und Spekulanten zu verdanken, des weiteren all jenen, deren Einnahmen immer noch wenig besteuert werden. Wir sind in der EU am letzten Platz bei der Vermögensbesteuerung, das bitte zu ändern

wolken kratzer
 
00

unerklärlich, warum man für die wahrheit rote striche bekommt...

badblackguy.blogspot.com
 
10

Was soll daran die Wahrheit sein? Der Schuldenberg
von 161 Mrd. € ist nicht wegen der Finanzkrise entstanden!

Die SPÖ hat 30 Jahre den Finanzminister gestellt und
der Schuldenberg ist unter diesen von 3,4 Mrd. € auf
120 Mrd. € angewachsen!

Die höchste Nettoveränderung der Schulden unter
einem SPÖ Finanzminister betrug 63,5%!

Das ist die Wahrheit, die Sozis nicht sehen wollen!

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