Oscar für Delfinjagd-Doku in Japan kritisiert

08. März 2010 12:57

Internationale Umweltorganisationen loben hingegen die präzise Recherche der Macher von "The Cove"

Los Angeles/München - Der Film "The Cove", der die jährliche Delfin- und Kleinwaljagd in der japanischen Stadt Taiji thematisiert, hat einen Oscar in der Kategorie "Beste Dokumentation" gewonnen. In Japan hat der Film zu heftigen Kontroversen geführt, und auch seine Auszeichnung stößt auf Kritik: Der Bürgermeister von Taiji, Kazutaka Sangen, protestierte gegen die Oscar-Prämierung, die allerdings nicht die erste Auszeichnung war: Seit seiner Veröffentlichung ist die Dokumentation mit unzähligen Preisen prämiert worden.

"Im Film, der zum Teil under-cover gedreht wurde, wird geschildert, was sich rund um den Wal- und Delfinfang in Japan abspielt", so Nicolas Entrup von der Whale & Dolphin Conservation Society. "Das Filmteam hat peinlichst genau recherchiert und nicht nur die brutalen Szenen der Delfinschlachtung thematisiert, sondern den gesamten Apparat, der dahinter steckt und das ganze deckt."

Fang und Tötung

"Der sogenannte Kleinwalfang ist brutal, denn eine ganze Schule Delfine wird in eine Bucht getrieben, die dann nach außen hin abgeriegelt wird", schildert Meeresbiologin Antje Helms von Greenpeace die Situation. "Der eigentliche Grund der Jagd ist der lebende Fang von einzelnen Delfinen für Delfinarien. Doch dabei werden die anderen Tiere der Gruppe sozusagen als Beifang mitgetötet und als Nahrungsmittel verkauft", ergänzt Entrup.

"Der gesamte Kleinwalfang geschieht unter höchster Diskretion. Großräumig wird alles abgeriegelt und abgeschottet. Foto- oder Filmaufnahmen sind streng verboten", erzählt Entrup. "Die breite Öffentlichkeit ist - auch in den Großstädten Japans - kaum informiert darüber, dass es solche Delfin- und Waljagden überhaupt gibt." Mit hohem persönlichem Aufwand haben Regisseur Louie Psihoyos und sein Team den Film gedreht.

"Respekt" und "Tradition"

Der US-Schauspieler Ben Stiller hat sich im Herbst 2009 dafür eingesetzt, dass der Film beim Tokio Film Festival vorgeführt wird. In der Zwischenzeit gibt es auch einen Vertrieb in Japan, so Entrup. Im Laufe des Jahres soll der Film dann in einer leicht modizifizierten Version in anderen japanischen Städten gezeigt werden, berichtet BBC-Online.

Die Bevölkerung von Taiji verteidigt sich damit, dass sie diese Kleinwaljagd seit Dekaden durchführt. Bürgermeister Sangen erklärte, dass es schade sei, dass der Film Fakten präsentiere, die nicht wissenschaftlich gedeckt wären. Waljagd sei in Japan legal und diese Tradition müsse aus Respekt vor anderen Kulturen toleriert werden. Umweltschützer kritisieren seit Jahren die Scheinargumente, mit denen Japan seinen Wal- und Delfinfang verteidigt.

Problemkreis Delfinarien

"Ein großer Verdienst des Filmerfolgs ist die bessere Information der Öffentlichkeit", so Entrup. "Als ein internationales TV-Team nach Taiji reiste, wurde die Treibjagd im Meer einfach ausgesetzt und nachdem der öffentliche Blickwinkel nicht mehr dorthin gerichtet war, sofort wieder aufgenommen", schildert der Experte. "Mit der Auszeichnung des Filmes rückt die Problematik der Delfinarien übrigens auch wieder ins Rampenlicht."

Experten wie Entrup und Helms sind sich einig darüber, dass Meeressäuger in Gefangenschaft hohen Stressfaktoren ausgesetzt sind und sich daher nicht als "Showtiere" eignen. "Diese Tiere verfügen über ein sehr differenziertes Sozialverhalten und einen hohen Grad an Bewegungsdrang. Daher überleben viele in Gefangenschaft nicht sehr lange", so Helms. (pte)

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19 Postings
Karl Schreckt
09.03.2010 13:13
super/furchtbarer film

der film ist wirklich gut gemacht. teilweise doku, teilweise kommt man sich vor wie in einem sehr spannenden thriller. die leute haben wirklich alles gegeben. doch am ende ganz im stillen (kaum musik, keiner der spricht) den tieren zuzusehen wie sie abgeschlachtet werden ist schon wirklich furchtbar. kranke welt in der so etwas ungestraft passiert. hoffe der film bewirkt etwas. wer diese tiere schon mal in freier wildbahn gesehen hat, der weiß was das für wundervolle geschöpfe sind.

Kra Wuzikabuzi
09.03.2010 08:59
kann diesen film nur jedem empfehlen

wäre ich biologie-lehrer, würde ich ihn als teil meines unterrichts jeder klasse vorführen.

the original -Neowiener-
09.03.2010 13:17
Biologie?

Was bitteschön hat dies mit Biologie zu tun? Politische Bildung schon eher...

Bei mir hats gebrannt
09.03.2010 08:36

"The Cove", die Bucht, in der bis dahin frei lebende Tiere sterben, aber auch Delphinarien, Killerorcas in Gefangenschaft, ... und trotzdem schön mit dem Finger auf Japan zeigen, während "Food Inc" die westliche Perversion von Tiernutzung vorführt. Wir sind schon grausame Kasperln.

MiNeum71
 
09.03.2010 10:52


Wie man lesen kann, hat es bei Ihnen im Kopf gebrannt ...

grumbleduke
 
09.03.2010 13:12
Da hat der Guteste aber vollkommeen recht

Mit welchem recht zeigt irgendein westlicher Filmfritze auf eine japanische Bucht?

Mal zu Klarstellung:
Meinetwegen kann die Sea Shepherd jeden einzelnen Walfänger auf den Grund des Meeres schicken, aber was das Abschlachten der Tiere angeht, da brauchen wir nicht nach Japan fahren.

Island zieht ein identisches Ritual wie aus "Cove" mit Zwergwalarten durch.

Island verkauft gefangenen Wal an Japan - natürlich nur der Forschung wegen, my ass.

Generell im Fischfang stehen Europäer den Japanern in nichts nach. Canada lässt schon keine dänischen Trawler mehr anlegen und löschen.

Japan brauch ich nicht zu schimpfen, wenn es um den Missbrauch der Meere geht.

MiNeum71
 
09.03.2010 14:55


Nein: Ich bin KEIN Isländer, ich esse KEIN Fleisch oder Erzeugnisse dieser Art aus der Massentierhaltung.

Ja: Ich nehme mir SEHR WOHL das Recht heraus, solche Methoden anzuprangern.

seebaer
09.03.2010 14:12
sehr wohl mit Recht...

...genauso wie man auch auf die Färöer zeigt oder auf andere Nationen, die sich auf fragwürdige Traditionen berufen (mit Ausnahme jener Indigenen, die auch tatsächlich davon abhängig sind!). Das Massaker in der Bucht von Taiji ist ja nicht mal mehr durch eine Tradition gerechtfertigt, sondern dahinter stehen große Delphinarien, die Nachschub für ihre besch.... Shows brauchen, da ihnen die Delphine ständig wegsterben!!!
...und bevor das jetzt auch noch kommt! Ja, ich bin auch gegen das Massaker, das in unserer Massentierhaltung tagtäglich stattfindet. Daher weniger Fleisch und wenn, dann BIO!!!

t-bonesteak
10.03.2010 15:30
die delphinariem stehen hinter den massakern an delphinen?

dachte immer die brauchen lebendvieh für ihre dämlichen shows.

djang
10.03.2010 22:48

man treibt ein paar 100 delfine in eine bucht und sucht sich ein paar duzend aus, die man für über 100.000$ an delfinarien verkauft. also ja die delfinarien sind der grund dafür, dass man das macht.

das abschlachten und verkaufen des rests bringt wesentlich weniger geld. aber natürlich wird darauf nicht verzichtet...

gibts keine delfinarien gibts kein massaker. das massaker gibts nur, weil es sich als "nebengeschäft" anbietet.

one single voice
09.03.2010 04:36

"Bürgermeister Sangen erklärte, Waljagd sei in Japan legal und diese Tradition müsse aus Respekt vor anderen Kulturen toleriert werden."

Nein, das muss sie nicht.

Araschmarrn
09.03.2010 10:23

Richtig. Als nächstes kommt dann "Völkermord/Ehrenmord/jegliche Grauslichkeit ist in (hier Regime nach Wahl einsetzen) legal und diese Tradition müsse aus Respekt vor anderen Kulturen toleriert werden". Nicht alles, was Tradition ist, ist auch per se gut und zu tolerieren.

t-bonesteak
10.03.2010 15:31
bitte nicht immer diese

sinnlosen vergleiche von mensch und tier. die japaner sind menschen die gerne und seit tausenden von jahren delphin essen. das ist in der tat ihr gutes recht.

Araschmarrn
11.03.2010 12:24

Sehe ich nicht so. Weil man etwas seit tausenden von Jahren so macht, heißt es noch lange nicht, dass es "ihr gutes Recht" ist. Ob das jetzt Menschen oder Tiere betrifft, ist völlig egal. Die Menschheit entwickelt sich schließlich weiter und auch ihre ethischen und moralischen Werte. Was vor 3000 Jahren moralisch einwandfrei war, kann bis heute einen großen Wertewandel durchgemacht haben und heute als total unakzeptabel gelten. Entwicklungsresistenz ist keine Entschuldigung für unethisches oder unmoralisches Verhalten.

t-bonesteak
11.03.2010 18:19
und sie entscheiden vom kuscheligen sofa

in unterbrunzbuschn aus, was die menschen in japan essen dürfen? sind sie der herrenmensch?

Araschmarrn
12.03.2010 14:03

Ihre Argumente werden unsachlich. Eine letzte Antwort bekommen Sie trotzdem noch, zum Nachdenken: wer entscheidet Ihrer Meinung nach über die aktuellen gesellschaftlichen Werte, die in zivilisierten Ländern allgemein anerkannt werden? Kann sich die jeder für sich aussuchen oder gibt es so etwas wie einen Konsens? Und was macht man (bzw. die Gemeinschaft der Staaten), wenn sich jemand an diesen Konsens und diese Werte nicht hält? Einfach ignorieren?

t-bonesteak
14.03.2010 19:33
nun. die japanische gesellschaft

hat entschieden fisch in jeder form zu essen. ebenso wie unsere gesellschaft beschlossen hat kühe (was meinen sie was die inder davon halten?) und schweine zu essen.

Josip Popovic
08.03.2010 20:25
Bravo Hollywood!

Hätte nie gedacht, dass aus meiner Tastatur jemals ein Lob an die kalifornische Kulturindustrie entwachsen wird. Nun doch, es ist geschehen!

Kritifaxe
08.03.2010 19:48
The Cove!

absolut sehenswertes (blutiges) Spektakel

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