Regisseur Tom Tykwer über Christoph Waltz: "Also wenn er den nicht gekriegt hätte, das wäre ja wohl ein Witz gewesen"
Tom Tykwer: "Eine fantastische Leistung"
Für den deutschen Regisseur Tom Tykwer ("Lola rennt", "The International") war der Oscar für Christoph Waltz "so gesetzt, wie ein Oscar nur gesetzt sein kann". Waltz dominiere "Inglourious Basterds" und liefere "so eine fantastische Leistung", sagte Tykwer im Cafe des Artistes in Los Angeles. "Also wenn er den nicht gekriegt hätte, das wäre ja wohl ein Witz gewesen."
Waltz war "ein hundertprozentiger Gewinner, der hätte eigentlich für den besten Hauptdarsteller nominiert werden müssen", lobte Tykwer weiter. "Das war wahrscheinlich die beste Rolle, die er je auf seinem Tisch liegen hatte - und man muss ihm zugestehen, dass er die so fantastisch gestaltet hat, wie das vermutlich kein anderer hingekriegt hätte. Aber dass der Christoph ein toller Schauspieler ist, das wussten wir ja alle schon länger."
Ruzowitzky: "Mehr als verdient"
Freude über den Oscar-Gewinn von Christoph Waltz herrschte auch beim österreichischen Oscar-Preisträger aus 2008, Stefan Ruzowitzky ("Die Fälscher"). "Ich freue mich sehr, nicht nur weil wir uns auch ein bisschen persönlich kennen, sondern ganz abgesehen davon, weil er den Preis für diese Leistung wirklich mehr als verdient", so der Regisseur im Gespräch.
Dazu dass Hanekes "Das Weiße Band" den Auslands-Oscar nicht holen konnte, müsse man sagen, "dass die Academy auch immer wieder etwas zu entdecken haben will", so Ruzowitzky. Nach den vielen bisherigen Auszeichnungen für den Film hätte es diesen Aha-Effekt nun kaum noch gegeben. (APA)
Dachverbands der Filmschaffenden
Den "Triumph eines unterschätzten Industriezweigs", einen "der größten Erfolge der rotweißroten Filmkreativen" und ein "Signal an die österreichische Politik" sieht die österreichische Filmbranche in den Ergebnissen der Oscar-Nacht. Gratulationen gab es sowohl für den Oscar-Gewinner Christoph Waltz als auch für die leer ausgegangenen Michael Haneke und Christian Berger zum "überragenden Erfolg ihrer Arbeit", wie es in einer Aussendung des Dachverbands der Filmschaffenden heißt.
Verband österreichischer Regisseure und Filmproduzenten
Der Verband österreichischer Regisseure (ADA) betont allerdings, dass es sich "dezidiert nicht um vornehmlich österreichische Produkte" handelt. Der Verband der österreichischen Filmproduzenten (AAFP) fordert von der Politik: "Seid auch so gut wie wir!" Für den Direktor des Österreichischen Filminstituts, Roland Teichmann, wäre "eine Gratulation an Waltz als ÖFI etwas raubritterhaft", wie er betonte. "Aber es freut mich natürlich wahnsinnig für ihn."
Waltz' Oscar-Triumph werde "vielleicht auch ein bisschen auf Österreich ausstrahlen", so Teichmann, der darin allerdings keinen Anlass für finanzielle Forderungen sieht. "Es gibt viele andere Gründe, warum wir mehr Geld brauchen können." Für den Dachverband der Filmschaffenden sind die Oscars allerdings "ein eindringlicher Beweis der Wirksamkeit anderer Strategien", in einer Zeit "wo Filmförderung immer wieder absurden wirtschaftspolitischen Legitimationszwängen unterworfen wird". Auch die ADA betont, dass es sich bei Waltz, der seine Chance "exzellent zu nutzen wusste", und Haneke, der seine Trademark "vor allem mit ausländischen Filmfinanzierungen durchzusetzen verstand", in Österreich "um Ausnahmefälle handelt".
Fragen der Filmförderung
"Doch was soll dem Blitzlichtgewitter folgen?", fragt sich der Verband in einer Aussendung. Trotz der Initiativen der "engagierten Kulturministerin" Claudia Schmied und "nun endlich auch des Wirtschaftsministeriums" fehle "nach wie vor eine substanzielle Aufstockung der Basis-Mittel". Das ÖFI müsse aus Geldmangel eine "Vielzahl an lohnenden Projekten" ablehnen. In dieser "Erfolgsstunde des österreichischen Films" dürfe man auf politischer Seite nicht nur "kosmetische Maßnahmen" setzen.
Den "richtigen Weg" in der Filmförderpolitik sieht auch der Produzenten-Verband AAFP, doch bedürfe es für das Filmland Österreich "lobender Worte und angemessener Budgets. Anderenfalls bleiben die realen internationalen Marktchancen ungenutzt." Die Forderung, das ÖFI-Budget auf 20 Millionen aufzustocken, entspreche angesichts der zahlreichen "qualitativ hochwertigen und kommerziellen" Projekt-Einreichungen dem "tatsächlichen Bedarf". Für eine kurzfristige Lösung müsse auch der ORF in die Pflicht genommen werden. "Erfolg ist ein Vogerl, das gerade im Frühling Futter braucht." Neben der Bedarfsdeckung solle man auch "alternative, europäisch erprobte Filmfinanzierungsmöglichkeiten" ins Auge fassen. (APA)