Betreutes Wohnen für die Erben

7. März 2010, 20:32

Im Bad Vöslauer Villenviertel sollen betreute Wohnungen für ältere Menschen entstehen - als Eigentumswohnungen - Das würde der Idee des betreuten Wohnens widersprechen

Bad Vöslau - Es ist ein Grundstück in bester Lage in Bad Vöslau: In der Florastraße, mitten im Villenviertel, steht die Louisenvilla. Ein Haus mit bewegter jüdischer Geschichte - auf einem gut 2600 Quadratmeter großen Grundstück. Sowohl der historische Baumbestand als auch die Villa könnten bald verschwinden: Eine Wiener Baufirma, die das Grundstück erworben hat, soll dort betreute Wohneinheiten errichten, sprich: Wohnungen für ältere Menschen, die speziell für deren Bedürfnisse ausgerichtet sind. 35 an der Zahl sollen es nach vorläufiger Planung werden.

Schon seit längerem protestiert die Bürgerinitiative Florastraße gegen die Verbauung des Grundstücks. Den Anrainern geht es vor allem darum, das Ortsbild zu schützen - schließlich bestehe in dem Ortsteil "Ensembleschutz" für die diversen Villen. Außerdem sieht die Bürgerinitiative eine Gefahr für Thermalbad, Quellen und Brunnen - und ärgert sich über die Idee, einen regelrechten "Verkehrserreger" in die verkehrsberuhigte Zone zu bauen.

Kurz vor den Gemeinderatswahlen haben sich nun alle Oppositionsparteien des Ortes auf die Seite der Bürgerinitiative und damit gegen Bürgermeister Christoph Prinz (Liste Flammer) gestellt - selbst die ÖVP, deren Landespartei betreutes Wohnen eigentlich sehr forciert. Denn die Bad Vöslauer Schwarzen vermuten Unregelmäßigkeiten hinter dem Projekt. So sollen auf dem Grundstück Eigentumswohnungen entstehen. "Das widerspricht dem Sinn von betreutem Wohnen", sagte ÖVP-Stadtparteiobmann Franz Neuhold dem Standard. Denn versterben die Eigentümer, dann ginge die Wohnung an die Erben über. Eine Weitervermietung an jemanden, der eine betreute Wohneinrichtung brauche, werde damit unmöglich.

Neuhold fragt sich: "Gibt es Absprachen? Profitiert jemand von dem Bauvorhaben?" Schließlich entstünden auf diesem Umweg Eigentumswohnungen in bester Lage, was noch dazu der Flächenwidmung widerspreche.

Bürgermeister Prinz versucht zu kalmieren: "Es ist noch gar nicht klar, ob wir das Haus schleifen oder Bäume gefällt werden." Das Projekt werde derzeit in einem Expertengremium diskutiert, schließlich gebe es noch gar keinen Einreichplan - und damit sei auch die Entscheidung noch nicht gefallen, ob in dem Wohnhaus Eigentums- oder Mietwohnungen entstehen sollen. Eines ist für Prinz aber klar: "Von vornherein zu sagen, man darf dort niemanden bauen lassen - das geht einfach nicht."

Spannend wird die Frage nach Eigentums- oder Mietwohnungen auch im Hinblick auf mögliche Förderungen durch das Land Niederösterreich: Die würden für betreutes Wohnen ausgeschüttet, ergab eine Nachfrage des Standard im Büro des zuständigen Finanzlandesrates Wolfgang Sobotka (ÖVP) - allerdings nur für Mietwohnungen. (Andrea Heigl/DER STANDARD, Printausgabe, 8.3.2010)

Share if you care
3 Postings
...komische leute müssen da leben in bad vöslau....

wollen lieber ein verfallenes haus als ein bewohntes - vielleicht kommt statt den seniorenwohnungen ein nobel-puff - dann wissen sie bald was ein verkehrserreger ist

nobelpuff?

ts ts...der mann von welt geht doch nicht in so einen sündenpfuhl. puffs sind was für arme, die oberen 10000 haben ihren "begleitservice", was natürlich was viel besseres ist als so was schlimmes wie ein puff...

nicht weniger komische Leute die ahnungslos ihren Senf dazugeben.

auf der anderen Strassenseite besteht bereits eine Seniorenresidenz, deshalb die Bendenken wegen dem Verkehr. Und hier im Nahebereich der historischen Villen neu zu bauen soll meiner Meinung nach ermöglicht werden - aber passend. Und dass der Baumbestand historisch wäre ist mir eigentlich nie aufgefallen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.