EU-Beitritt statt Schuldturm

07. März 2010 18:47

Islands Nein zu einem unfairen Deal darf den Weg nach Europa nicht blockieren

Es fällt schwer, kein Verständnis für die Isländer aufzubringen, die mit überwältigender Mehrheit abgelehnt haben, Großbritannien und die Niederlande mit 3,9 Milliarden Euro für den Kollaps der Direktbank Icesave zu entschädigen.

Das umstrittene Abkommen war von Anfang an unangemessen, denn es würde jedem isländischen Haushalt einen Schuldenberg von 48.000 Euro umhängen - und das wegen eines Schadens, für den Briten, Niederländer und die EUmitverantwortlich waren. Kein Volk der Welt hätte einer solchen unerträglichen Verpflichtung freiwillig zugestimmt.
Dass ein derartiges Abkommen überhaupt zustande kam, war Folge des massiven Drucks, den die Regierungen in London und Den Haag auf die wohlmeinende und zu schwache rot-grüne Regierung in Reykjavík ausgeübt haben. Auch britische Stimmen - vor allem in der Financial Times - haben seit Wochen das Vorgehen der Regierung Brown in dieser Sache kritisiert und verlangt, dass den Isländern der Schuldturm erlassen bleibt.

Ausgangspunkt des Konflikts war, dass Icesave, eine Tochter der isländischen Landsbanki, in anderen EU-Staaten Sparkonten mit überhöhten Zinsen anbot, die von der isländischen Einlagensicherung garantiert wurden. Als Islands Banken 2008 kollabierten, waren nicht genug Reserven vorhanden, worauf die britischen und niederländischen Staatskassen ihre eigenen Bürger entschädigten. Jetzt fordern sie dieses Geld zurück.

Island war von Anfang an bereit, für den Schaden aufzukommen, gestritten wurde über die Bedingungen. Ein erstes Abkommen, das die Rückzahlung auf ein erträgliches Maß begrenzt hätte, wurde von Briten und Niederländern wieder verworfen, obwohl die Summen für beide Staaten kaum ins Gewicht fallen. Für Island hingegen geht es um einen guten Teil seines stark geschrumpften Bruttoinlandsprodukts.

Dabei war nicht nur die größenwahnsinnige Expansionspolitik der isländischen Banken schuld, sondern auch die schlechte Regulierung in den betroffenen Staaten und die Lücken in den EU-Richtlinien, die für eine solche Krise nicht gerüstet waren.

Nach dem mit vielen Emotionen belasteten Referendum wird es nun noch schwieriger sein, ein faires Abkommen auszuhandeln. Aber wie dieses am Ende aussieht, ist Sache der drei beteiligten Staaten. Weder der Internationale Währungsfonds noch die EUhaben einen Grund, ihr Verhalten vom Ausgang der Verhandlungen abhängig zu machen und damit gegen Island Partei zu ergreifen.

Denn es gibt keine verbindlichen Gesetze, wer bei grenzüberschreitenden Einlagensicherungen für Riesenausfälle haftet. Selbst wenn Island keinen Cent bezahlt, verstößt es nicht gegen IWF-Regeln oder das Völkerrecht.

Vor allem der EU-Beitrittsprozess muss von diesem Disput getrennt werden. Das hochentwickelte Island sollte so rasch wie möglich Mitglied werden;das hilft nicht nur dem Inselstaat, sondern stärkt auch die Union. Anders als Griechenland verlangt Island keine Hilfe für selbst eingebrockte Probleme, sondern nur die Nichteinmischung in einen schwierigen Streitfall.

Und es darf nicht zur Regel werden, dass EU-Staaten ihre Zustimmung zu Beitritten dafür missbrauchen, sich Vorteile gegenüber Kandidatenländern zu verschaffen. Wenn europäische Solidarität zur Geisel finanzieller Einzelinteressen wird, dann schwächt es das gesamte Projekt Europa. (Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.4.2010)

 

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JA zum EU-Austritt
08.03.2010 21:31
September 2009: 61,5 Prozent der Isländer würden bei Referendum mit "Nein" stimmen

http://derstandard.at/125277161... U-Beitritt

Truth Digger
 
08.03.2010 18:30
Interessant zu beobachten, wie derStandard sich seinem Publikum anpasst:

dumm,
oberflaechlich,
EU-feindlich.

Die EU ist an allem Schuld ... Griechenland, Island, die Islamisierung der Tuerkei ... nur Verantwortung will ihr keiner ueberlassen. Und jeder soll betreten duerfen, ganz ohne Auflagen.
Selbst Volksschueler sollten imstande sein die intellektuelle Unredlichkeit (oder ist es Unvermoegen?) dieser nun fast schon taeglichen Standardkommentare zu erkennen.

JA zum EU-Austritt
08.03.2010 21:33

Die EU ist nicht an allem schuld, aber jedenfalls an sehr vielen Mißständen.

Rapsodie
08.03.2010 16:41
eine zeitlang ging es tatsächlich mit droheungen ...

... jetzt schwimmen den globalisten allerdings die felle weg - denn blöderweise wollen die isländer(das volk) gar nicht mehr in die eu - die haben die nase gestrichen voll.

Truth Digger
 
08.03.2010 18:56
Das trifft sich gut...

denn die meisten Nettozahler wollen die Islaender auch nicht in der EU. Wenn wir jetzt auch noch die Griechen, Iren und die Polen loswerden koennten, dann wird schoen langsam was aus der EU.

PeteVIE
 
08.03.2010 17:18

bitte beim cato posten. hier ist dieses posting überflüssig.

JA zum EU-Austritt
08.03.2010 16:02
Laut aktueller Umfrage: Mehrheit in Island gegen die EU-Mitgliedschaft

http://euobserver.com/7/29626

Über die in dem englischsprachigen Link angesprochene aktuelle Meinungsumfrage mit knapp 1.200 Begfragten - nachzulesen unter:
http://www.mbl.is/mm/fretti... esb_adild/

Karl Heiden
08.03.2010 14:34

Warum sollen die isländischen Bürgerinnen und Bürger sowie deren Kinder für die Zinsgier von Briten und Niederländern ("Lassen Sie Ihr Geld arbeiten!") büßen und - für Jahrzehnte - zur Rechenschaft gezogen werden? Das ist nicht einzusehen und die Isländer haben völlig Recht, wenn sie dieses unsittliche Ansinnen ablehnen. Einzig die Manager der durchführenden Bank haben dafür gerade zu stehen - gegebenenfalls im Rahmen eines judiziellen Verfahrens.

Abraxas
08.03.2010 17:43
Es war anscheinend politisch gewollt...

...das Geld anzuziehen, weil dies auch für ganz Island ökonomische Vorteile brachte. Und wenn dazu das Instrument der staatlichen Einlagensicherung (welches dem Anleger Sicherheit vortäuschte) missbraucht wird, das im Schadensfall wertlos ist, dann ist das absolut unseriös!!!

Peter Pichler
 
12.03.2010 12:00
Die (privat organisierte) Einlagensicherung bei icesave...

.... hat soweit ich das mitbekommen habe gegriffen... 20.000€ wurden pro Konto ausgezahlt...

... es gab und gibt keine Staatshaftung für auländische Anleger... (das entsprechende Gesetz wurde abgelehnt)

MarioV
08.03.2010 16:21

Warum haben die Isländer aus Gier zugelassen das ihre Banken dieses Spiel treiben?
Jedem musste klar sein, wohin das führen kann.
Pädagogisch ist das durchaus wertvoll, wenn sie zahlen müssen.

Enrico Furioso
08.03.2010 16:41
was bitte hat die Gier der Isländer damit zu tun?

wenn die Ost-Expositur der österr. Banken ins Auge gehen sollte, war es dann ihre Gier, die dazu beitrug?

auchnixzusagen
08.03.2010 17:29

Sie sind lustig.
Sind Sie etwa auch aus pädagogischer Sicht froh über die massive Neuverschuldung Österreichs und der Steuerzahler, weil wir den Banken nicht genug auf die Finger geschaut haben, bevor wir einen Rettungsschirm aufspannen mussten?

Enrico Furioso
08.03.2010 18:04
dann informieren Sie mich doch bitte

in welcher Weise Sie den heimischen Banken auf die Finger schauen wollen und welche Konsequenzen dies für diese hat?

Karl Heiden
08.03.2010 16:31

Haben Sie Einfluss auf die Geschäftsgebarung Ihrer Bank (i.e. die Bank Ihres Vertrauens)?

Sidlo
08.03.2010 15:37
Weil sie sauschlechte Volksvertreter hatten,

die den Banken mangels Regulierung so einfach erlaubten gigantische Bilanzsummen aufzutürmen, viel zu groß für dieses kleine Land. Jetzt muß der Bürger dafür die Zeche zahlen. Hoffe nur, dass Politiker in anderen Ländern wie Österreich daraus lernen!

Thomas Wetschnig
19.03.2010 23:08
Die "sauschlechten Volksvertreter" ............

........ sind das Spiegelbild des sauschlechten Volkes, von dem sie gewählt wurden.

Odoakker Hurgga
08.03.2010 13:36
Die ewig gleiche Leier - die EU als Spital....

... für sämtliche Wehwehchen: Menschenrechtsverletzungen in der Türkei - ab in die EU, eine Chance. Staatsbankrott in Island? Ab in die EU, eine Chance. Korruption, dass es zu Hals rausstinkt, in Rumänien? Ab in die EU, eine Chance. Die EU wird von Kommentatoren wie Politikern immer häufiger als Allheilmittel für ausgewachsene Probleme mißbraucht. Dann machens große Augen, wenn z.B. Griechenland passiert. Aber tres chic isses schon, ständig vom Friedensprojekt, vom Schutzschirm und von der großen Integrationsschance zu palavern. Und nach getaner Arbeit - Jubelbericht schreiben oder EU-Gruppenfoto knipsen - holen die Damen und Herren das eigene Kind freilich vom Theresianum ab, gelle!

MarioV
08.03.2010 14:16

Fakt ist, dass die EU schon alleine durch die Mitgliedschaft, bzw. alleine durch deren Aussicht, eine gewaltige Tranformationsmacht in Bewegung setzen kann.
Spanien, Portugal und Griechenland waren Diktaturen, die nicht zuletzt mit Hilfe der EU demokratische Gesellschaften aufgebaut haben.
Stell Dir vor, Spanien wäre in den Faschismus zurückgefallen und wir hätten die jetzt vor der Haustür.
Das alles gut gegangen ist, war keine Selbstverständlichkeit.
Und nach 2 Weltkriegen ist es schön in einem Europa zu leben in dem "WER für WENN WAS zahlt" die größte Sorge ist.
Von solchen "größten Problemen" wagte man vor Generationen noch nicht mal zu träumen.
Andere Menschheitsvereinigungs-Architekturen der Geschichte bauten auf Gewalt.

auchnixzusagen
08.03.2010 16:47

Danke! Endlich mal einer, der in großen Zusammenhängen denken kann.

Linksverbot
08.03.2010 17:23

Deswegen ist der Beitrag des OP aber nicht falsch.

naihoit
08.03.2010 12:41
Einlagensicherung??? Ein schönes Wort für warme Luft oder doch Verantwortung ?

Wer auch immer diese "Sicherung" garantiert hat soll sie auch einlösen.
Und da sollte sowohl politische Verantwortung, als auch persönliches Vermögen in Betracht kommen.
Hohe Gagen für "Verantwortung" und "Nix Wissen", wenn´s daneben geht, passen nicht zusammen.

leiwand
08.03.2010 17:50
Damit die Kärntner Einlagen

gesichert bleiben darf ich mehr Steuern zahlen. So schauts aus. Darf ich den Dörfler jetzt zur Rechenschaft ziehen?

JA zum EU-Austritt
08.03.2010 11:35
In Island pfeift man immer mehr auf Euro und EU

Der isländische Finanzminister Steingrimur Sigfusson meint, daß man mit der Krone gegenüber dem Euro im Vorteil ist:
http://www.abcnyheter.no/nyheter/o... dske-krona

Hardcoreboson
08.03.2010 12:18
also ihre posts werden skuriller ...

wo ca. steht in dem norwegischen artikel das die islaender der meinung waeren ihre waehrung waere 'von vorteil'?

warum gibts eigentlich keine englisch oder deutschsprachigen artikel wo auch nur ein bischen was aehnliches steht?

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