Ein Euro

Kick des Billigen belebt Geschäft mit Restposten

Verena Kainrath, 07. März 2010 18:15

Ein-Euro-Ketten pflastern verwaiste Verkaufsflächen in Deutschland zu und sondieren auch Österreich, wo viele schon gescheitert sind

Wien - Es gibt in dem Laden nichts was es nicht gibt, sagt die betagte Dame. Sie kramt nach einem blauen Wollknäuel und stopft es in den Einkaufskorb zu Kartoffelschäler, Klobürste, Fleckenreiniger und einigen Lippenstiften. Sie suche nie was, finde aber mehr als genug. Es koste eben das Meiste in dem Wiener Allerlei-Markt nur einen Euro, da überlege man nicht zweimal.

Die Aktionsmärkte siedeln sich an, wo andere scheitern. Sie besetzen verwaiste Geschäftsflächen in kleinen Bezirksstädten und günstigen Seitenstraßen. Einige expandierten zu gewagt und fuhren an die Wand: Die Marke Schnapp zu ist Geschichte, ebenso Sconto und Komm&Kauf. Andere erleben nun neuen Aufschwung. Ihr Schmuddelimage hat der Großteil von ihnen abgestreift, und der Kick des Billigen zieht Kunden quer durch alle Einkommensschichten an.

"Nur aufsperren und dann glauben, es rennt, spielt es nicht", stellt Fredi Plattner klar. Zumal Diskonter wie Hofer, Lidl, Pagro und Kik den Restpostenanbietern nur sehr wenig Platz lassen würden. Seine Frau machte sich einst mit Aktionsware selbstständig. Heute führen die beiden in Tirol zwölf Filialen unter der Marke Aus+Raus.

Anders als vor zehn Jahren sorge Konkursware heute nur noch für Bruchteile des Sortiments, sagt Plattner. Er kaufe seine tausenden verschiedenen Artikel europaweit ein. "Ohne gute Bonität bekommt in der Branche keiner mehr was."

Container aus Aktionsware

In Deutschland hat das Geschäft mit Billigem nicht nur Eigentümer von Aldi und Tengelmann reich gemacht, sondern auch Unternehmer wie Rainer Schum: Er handelt Tag für Tag mit Containern an Aktionsware aus Asien. Gekauft wird antizyklisch und in rauen Mengen - Abnehmer sind deutsche Supermarktketten wie die eigenen mehr als 120 Euroshops. Das alles spielt rund 235 Mio. Euro Umsatz ein.

Schum ist nicht der einzige Große im Ein-Euro-Reich. McGeiz betreibt in Deutschland mit mehr als 1700 Mitarbeiter 275 Läden. Kik-Schwester Tedi ist mit 950 Shops und 6000 Beschäftigten Marktführer. Jährlich kommen 150 weitere Filialen dazu, Ziel sind 2000. Derzeit werde auch Österreich intensiv sondiert, lässt der Konzern auf Anfrage des Standard wissen. Mit vier Standorten in Wien, Graz und Wels im Geschäft ist der kleinere deutsche Mitbewerber Allerlei.

Wert auf Produktionsbedingungen in Fernost legt in der Branche keiner. De Kosten für Herstellung und Transport eines Ein-Euro-Artikels schätzen Marktkenner auf 30 Cent. Deutsche Gewerkschafter klagen über Lohndumping.

An den großen Einstieg der internationalen Ein-Euro-Ketten in Österreich glaubt Plattner nicht. Die Mieten von gut 15 Euro für den Quadratmeter seien ihnen hier zu hoch. Das Geschäft mit Restposten sei eine junge Vertriebsform, "viele Läden verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind", sagt der Diskontexperte und Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Fritz. Er habe an den kühnen Expansionsplänen so mancher seine Zweifel.(Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.4.2010)

 

Kommentar posten
24 Postings
ritter sperber1
08.03.2010 16:10

in japan z.B.. sind solche läden ganz normal
und gehören ins gesamtbild einer "einkaufsmeile"

die qualität vieler artikel (z.B. batterien) ist auch dort minder, aber es funktioniert und wird von den kunden angenommen ....

nukularteilchen
08.03.2010 12:37

Die Leute sollten sich Gedanken mache das man nicht alles brauchen könnte was billig ist und nicht dauernd Raffen was geht. Was man jetzt spart wo es nur gehts rächt sich es wenn heimische Hersteller von Qualitätsprodukten verschwinden und wir irgendwann nur noch aus China unser Obst, Gemüse, Technikkram etc bekommen. Diese Produkte werden schon im grossen Stil von China nach Europa geliefert. so geht der Westen vor lauter Profitmaximierung den Bach runter.

Lectrice
08.03.2010 12:34

Selbst Schuld, wer in so einen Bruchladen reingeht.

OttotheBusdriver
08.03.2010 12:05
Der Niedergang einer Einkaufsstraße

ist gut an der Dichte der 1-EUR Shops (sowie Dönerbuden, Callshops) erkennbar.

Reinprechtsdorferstraße, Meidlinger Hauptstr. Simmeringer Hauptstr.

Erst kommt die Straßenbehübschung, dann entfallen die Parkplätze, dann lungern die Migranten dort rum, dann sterben die normalen Geschäfte, dann kommen die 1 Eur Shops.

Und jedem seine eigene Busspur
08.03.2010 10:50
Bei Kik hats funktioniert

und der schrieb auch noch frech drauf Österreich : 1,20 was in Deutschland 1 Euro war (vor der MWST Erhöhung)

Michl52
07.03.2010 22:10
Das funktioniert in Österreich nicht,

Denn die Handelsketten schlagen in Österreich viel mehr auf den Einkaufspreis drauf.
Das scheitert genauso, wie McDonalds gescheitert ist, als er aus dem 1x1 in Österreich ein 1,10x1 machen wollte.

gutartiger Bösmensch
08.03.2010 09:19
McDonalds

hat aber in Österreich das 1x1 - wobei man in den USA für 1 $ eh deutlich mehr kriegt als für 1 € (1,4 $) in Österreich.

Dollar(Euro)shops sind übrigens vergleichsweise teuer - viele Produkte sind in normalen Handel mit deutlich günstigeren Stückpreisen versehen, nur kriegt man eben nicht ein Stück sondern sechs oder zehn, wodurch es teurer wirkt.

die_eidechse
08.03.2010 12:05
äpfel-birnen.

monoton
07.03.2010 19:59

ich kann immer noch nicht nachvollziehen warum ich mir irgendeinen vollkommen unbrauchbaren mist kaufen soll nur weils 1en euro kostet?
der ganze neumist der dort verkauft wird hält normale handhabe wohl kaum aus, und deko die für ein paar tage/wochen gekauft wird um sie dann zu entsorgen ist ausschließlich ein umweltdesaster.

aber wahrscheinlich kommen jetzt wieder ein paar kapitalisten daher, die sagen, das ich nur brav weiter sinnlos ramsch kaufen soll, damit weiterhin umwelt und ressourcen besinnungslos ausgeplündert werden, um die taschen weniger im austausch mit müll zu füllen

S. Andomei
08.03.2010 10:01

Taschenrechner, Mignon Batterien, Autoschwammtuch, Filzmarker, Küchenrollen und 1 Dose Erdnüsse für 5,90 im Kik Markt gekauft.

Was ist daran unbrauchbarer Dreck?
Demächst kaufe ich dort meiner Nichte (5) die Sommerjacke für 8 Euro. Ihr gefällt sie. Mir gefällt der Preis.
So what?

Lectrice
08.03.2010 12:38

Wer den Schmarren kauft ist wirklich nicht mehr zu bemitleiden.

Ich hätte meinem Kind nie so einen miese Qualität zugemutet, lieber weniger aber gut.

Und dann wundern sich die Leute, dass sie sich die (meist eignenen) Niedriglohnjobs auch noch zerstören.

nukularteilchen
08.03.2010 12:29

viel spass mit ihren produkten die inhaltsstoffe haben die hoch krebs erregend sind und verboten gehören.
wenn ihre nichte irgendwann alergien bekommt kann ichs mir denken woher die kommt.

Ameropa
08.03.2010 13:29

Und Sie scheinen nicht zu wissen, dass auch 'hochwertige' Markenprodukte Allergien auslösen können, verursacht durch Bt Baumwolle. Genverändert.
Da nützt es nichts, dass 100% reine Baumwolle auf dem Etikett steht.

Im übrigen wachsen Kinder sehr schnell und machen ihre Kleidung auch schnell kaputt. Es gibt halt viele Leute, die sich keinen Einkauf beim Marken-Bekleidungs-Einzelhändler leisten können.

Im übrigen gibt es Vorschriften und Richtlinien, die Produkte erfüllen müssen, um überhaupt in den Handel kommen zu dürfen.

Und wenn Sie von Filzmarkern oder Taschenrechnern Allergien bekommen (was sich der poster Andomei gekauft hat), haben Sie wohl einen an der Klatsche, mein Gutester!

natoll
08.03.2010 12:17

alle wollen gerechten lohn für ihre arbeit. deine tolle jacke haben aber arbeiter hergestellt die diesen nicht bekommen.

ihr seit scheinheilig bis zum geht nicht mehr.

ihr schaufelt euer eigenes grab. könnts gern machen, aber raunzts dabei wenigstens nicht.

Andrej Stoltz
07.03.2010 20:54

Also, wer Mist kauft, ist selber schuld.
Ausserdem kostet dort vieles mehr als 1€.

Aber der Kopfhörer - es ist ein richtiger Kopfhörer, kein Walkman-Stöpsel - den ich gerade aufhabe, wurde auch in so einem Laden gekauft.
Für 1,99€ - er ist schon über ein Jahr alt und klingt gut. Ich möchte gar keinen anderen mehr

Genau hinschauen lohnt sich also, denn nicht alles ist unbrauchbar.

Gerhard1967
08.03.2010 08:29
Genau hinschauen ...

... so wie überall halt. ;)

Liebe Grüße

Ich bin der Meinung...
07.03.2010 19:49
Aus 1€ Shops gehen die Kunden

mit Gerümpel raus, dass sie beim betreten noch gar nicht gebraucht haben.

So gesehen hat in Ein-Euro-Shops noch nie jemand Geld gespart.

+DieMeinung+
07.03.2010 19:33
Diese Läden sind der Beweis

Dass viele Menschen nicht arm sondern dumm sind.
Weil es 1€ kostet wird es gekauft. Wurscht ob man es braucht oder nicht.

KhalilG
 
07.03.2010 21:43

die kaufens eh nicht weil gebraucht, sondern der gedanken dahinter, "vielleicht könnt ichs mal brauchen"
so wie mein vater damals, der hatte alte nägel geradegehämmert und für schlechte zeiten aufgehoben, als er starb war der keller voller nägel..;)

Meine Wenigkeit mit viel Senf
08.03.2010 09:01
Einfach als Wertanlage betrachten...

Kurz vor der Wirtschaftskrise wurden für Altmetall Höchstpreise bezahlt!

locken
07.03.2010 19:14
Der Dreck kommt alles aus China !!!!!!!!!!!

Jim Kirk
07.03.2010 23:07

Alles kommt aus China und dgl. nicht nur der 1 euro dreck.

peak oil
07.03.2010 19:03
in wirklichkeit sind diese "1 €"-läden aber sauteuer,

und vieles kostet mehr als 1€. und oft handelt es sich um gerümpel, welches täglich in massen im müll landet. da gibt es kostnixladen interessantere angebote: http://www.kostnixladen.at/

Luigi Serafini
11.03.2010 02:58
naja kostnix...

die webseite ist so langsam, die zeit hat niemand

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