Der Krone-Herausgeber windet einen nationalen Rosenkranz rund ums Heimatland und empfiehlt die FPÖ-Kandidatin für die Wiener Hofburg
Vor drei Wochen, am 14. Februar, wurde ein erneutes Anschwellen des "national-konservativen Klimas" konstatiert. Barbara Rosenkranz sagt zu ihrer Kandidatur, sie sei eine "National-Konservative" , somit die Repräsentantin eines Lagers, das in Österreich Tradition hat.
Vergangene Woche bezogen Bundespräsident Heinz Fischer und Kardinal Christoph Schönborn (der in der Krone und in Eva Dichands Heute Kolumnen schreibt) zur ursprünglichen Rosenkranz-Forderung nach Aufhebung des Verbotsgesetzes klar Position.
Das zeigte Wirkung. "Ich habe nicht die Abschaffung des Verbotsgesetzes gefordert" , sagte die Kandidatin daraufhin mehrmals. Rosenkranz hat sich nach einer scharfen Abgrenzung des Bundespräsidenten ("Feuermauer gegenüber der Nazizeit" ) und des Wiener Kardinals ("Ist für mich nicht wählbar" ) zu einem Rückzieher entschlossen. Ihre Auffassung, man könne zum Holocaust "Meinungsfreiheit" ermöglichen, ist trotzdem unhaltbar. Denn über erwiesene Fakten eines Genozids kann es keine Meinungen geben, die diesen relativieren oder überhaupt leugnen.
Die Verbotsfrage sollte freilich andere Probleme nicht verdecken. Zwei davon:
1.) "Die traditionelle Familie ist kein Auslaufmodell." Diese Anschauung, die von Rosenkranz auch gelebt wird, ist prinzipiell keine nur nationale Position - sie wird ihr Sympathien bis weit hinein in katholische und protestantische Kreise sichern. Aus dem protestantisch-nationalen Lager im Salzburgischen kommt sie ja auch. Problematisch allerdings ist die im rechts-rechten Lager verankerte Verbindung der Familie mit dem Erhalt des "Deutschtums" .
2.) "Österreich ist kein Einwanderungsland." Damit schließt sie sich den Positionen rechtspopulistischer Parteien wie der deutschen NPD oder der niederländischen Wilders-Partei an. Sachlich behindert sie damit den internationalen wissenschaftlichen Austausch und den Zuzug von Fachkräften.
Krone-Herausgeber Hans Dichand setzt auf die FPÖ-Kandidatin nicht bloß deshalb, weil sie gegen Heinz Fischer besser abschneiden könnte als seinerzeit die von ihm schon immer verachtete Vernunftfrau Heide Schmidt. Da ist mehr im Spiel.
Das dürfte auch Heinz-Christian Strache geahnt haben, als er sich lange reserviert verhielt. Er steht für einen punkigen Rechtspopulismus, Rosenkranz für die nationale Tradition. Sollte Rosenkranz die prognostizierten 30 Prozent erreichen, ist in der FPÖ eine Doppelspitze unvermeidlich. Und damit eine neuerliche Spaltungsgefahr.
Weil rechte Spaltungen aber wirken wie biologische Zellteilungen, würden auch neuerliche Trennkonflikte dem Lager insgesamt nicht schaden.
Der Krone-Herausgeber hegt es, weil er es braucht:zumindest als Drohpotenzial gegenüber den größeren Parteien. Denn die pumpen nicht immer freiwillig die Inseratengelder ihrer Ministerien in die Säcke der Boulevardpresse. (Gerfried Sperl/ DER STANDARD, 08.03.2010)